25. 05. 2012
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Weiberfastnacht 2011: Gedenken der Opfer vor "Kölner Loch" am Waidmarkt
3. März 2011, 13:58 Uhr vor der Gaststätte "Papa Rudi’s" am Nordrand der Baugrube an der Severinstraße: Eine Sirene erklingt: Sie ermahnt an eines der dunkelsten Kapitel Kölner Stadtgeschichte. Das 1971 errichtete Gebäude des Historischen Archivs in der Kölner Südstadt brach in sich zusammen und sackte mit lautem Getöse in die darunter befindliche Baugrube der Nord-Süd-Stadtbahn am Waidmarkt. Zwei junge Männer starben in den Trümmern ihrer Wohnhäuser, eine weitere Betroffene beging Wochen danach Selbstmord. Unzählige Menschen leiden noch heute an den Spätfolgen, nicht alle haben das Gesehene und Erlebte verarbeitet. Da ist eine Bürgermeisterin, die mehr als ihr halbes Berufsleben am gegenüberliegenden Friedrich-Wilhelm-Gymnasium verbracht hat, und anderen Mut zuspricht; ein Kölner Hotelbetreiber, der sich daran erinnert, dass er das Unglück bei einer Auslandsreise auf dem Bildschirm eines Fernseher in einer Bar in New York sah; der Mitarbeiter eines städtischen Museums, der sich ziemlich genau an den Moment erinnert, als ein Ermittler bei ihm im Hause anrief und nach dem Verbleib eines Praktikanten fragte. Weit über 200 Menschen kamen, weil die Initiative "Köln kann auch anders" zur zentralen Gedenkveranstaltung einlud und weil auch sie ihre ganz persönlichen Erlebnisse an diesen Moment hatten. Und sie erlebten heute einen Momente der Besinnung und der Erinnerung, der den Menschen so viel Leid und der Stadt und seinen Offiziellen so viel Schande und Schmach bereitet hat. Für eine Minute am heutigen Weiberfastnacht war es, als könnte man das Schweigen hören. Nur von weitem erschallte der Klang des Weiberkarnevals, dem Höhepunkt des närrischen Treibens in einer der "Weltmetropolen" dieses Festes.
Bereits am Vorabend hatten die derzeit amtierenden Offiziellen der Stadt, allen voran Oberbürgermeister Jürgen Roters, am nördlichen Rand der Unglücksstelle ein stille, nicht minder ergreifende, Kranzniederlegung durchgeführt. Heute sollte dem die Zentralfeier der "Zivilgesellschaft" folgen. Dabei ließen sich die Organisatoren auch nicht davon abhalten, dass "Weiberfastnacht" und "Trauerfeier" eigentlich schwer miteinander in Einklang zu bringen sind. "Das ist keine Trauerveranstaltung, es ist ein Gedenken", erklärte eine Sprecherin des Aktionsbündnisses "Köln kann auch anders". Mit musikalischer Untermalung dichtete die Kölner Künstlerin Marion Radtke einen Liedtext von Karl Berbuers "Camping-Leed" und stimmte ihn sogleich mit ihren beiden Kolleginnen Anne Rixmann und Irene Schwarz um: "Do laachs do dich kapott, dat nennt mer U-Bahn. Do laachs do dich kapott, he jingk der Zoch", lauten die ersten Zeilen. Nicht wenige, die einen der begehrten Lauftexte in ihren Händen hielten, sangen aus voller Inbrunst mit.
Weitere Informationen zur Initiative "Köln kann auch anders" finden sie im Internet unter: www.koelnkannauchanders.de.
<p<<b>Linktipp:
Das Kontrastprogramm dazu lesen sie im folgenden Artikel:
3. März 2011: Dreigestirn im Rathaus: Straßenkarneval startet mit Frühlingswetter


























