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Künstler nutzen Karneval zum Protest

05-02-2010 18:00:00

Karnevalistisch gegen den Abriss des Schauspielhauses – Bild: js
Karnevalistisch gegen den Abriss des Schauspielhauses – Bild: js :: ClickBild=Vollbild
(js) Karneval und Politik von oben – der Klüngel ist notorisch. Offizieller Karneval und Protest von unten – an diese Zusammenarbeit muss sich Köln langsam gewöhnen. Am Freitag nachmittag zogen 300 Kulturschaffende und Karnevalisten vom Kunstverein zum Opernplatz. Sie protestierten gegen den geplanten Abriss des Schauspielhauses. Ihr Motto: „Ihr seid Künstler und wir nicht“ – ein böser Kommentar, der im Mottolied erklärt wurde. Denn die wahren Künstler sitzen in Rat und Verwaltung. Die könnten Häuser verschwinden lassen und „Geld zu Scheiße“ machen.

Ziehen war in diesem Falle wörtlich zu nehmen: Denn an langen Seilen schleppten sie – unterstützt von einem Traktor – einen Karnevalswagen hinter sich her. Der zeigte die „Nicht-Künstler“ Rosemarie Trockel, Sigmar Polke und Gerhard Richter, immerhin Kölner Ehrenbürger. Die Schirmherrschaft über diesen Wagen hat die Karnevalsgesellschaft „Schnüsse Tring“ übernommen, benannt nach einer aufmüpfigen Kölner Dienstmagd, die vor 150 Jahren u.a. mehr Freizeit und ein Sonntagskleid von ihrer Herrschaft forderte. „Schnüsse Tring“-Vorsitzender Achim Kaschny zu diesem Engagement: „Wir mischen uns nicht aktiv in die Politik ein, das ist nicht unsere Aufgabe. Aber wir dürfen der Gesellschaft den Narrenspiegel vorhalten.“

assets/images/Lokales/2010/Februar/05022010_Demo2.jpg" width="275" height="200" title="Zogen an einem Strick: Karnbevalisten und Kulturschaffende – Bild: js"> Ähnlich Christoph Kuckelkorn, Zugleiter des Festkomitees Kölner Karneval, der den Wagen in den offiziellen Rosenmontagszug aufgenommen hat. „Wir zeigen Meinungen, die der Stadt zuträglich sind“, so die diplomatische Kritik am Ratsbeschluss zum Abriss des Schauspielhauses. Sein Engagement an der Protestaktion ging sogar so weit, dass dies „die erste Demonstration“ war, die er in seinem Leben angemeldet hat. Mit den Wagen nach Entwürfen von BAP-Chef Wolfgang Niedecken über Kindersoldaten und Armut in Afrika hat er weitere Themen aufgegriffen, „die sonst weggedrückt“ werden.

Tierischer Protest gegen Kahlschlag am Opernplatz – Bild. js
Tierischer Protest gegen Kahlschlag am Opernplatz – Bild. js :: ClickBild=Vollbild
Die Abschlussrede bei strömendem Regen hielt Stefan Kraus, Direktor des in Sichtweite von Schauspiel und Oper gelegenen Kolumba-Museums. Den Vorwurf, die Proteste kämen zu spät, konterte er mit dem Hinweis, man habe sich schon 2005 zu Wort gemeldet, doch man sei nicht gehört worden. „Gute Architektur braucht Zeit“, kritisierte er die schnelle Entscheidung binnen Jahresfrist für den vom Stadtrat gebilligten Entwurf für das neue Schauspielhaus. Von den ersten Planungen bis zur Eröffnung des Kolumba-Museums habe es 17 Jahre gedauert. Spätestens seit dem Einsturz des Stadtarchivs habe die Stadt das Vertrauen verspielt, sie könne nachhaltig bauen und Bewährtes erhalten. Er rief dazu auf, sich an der Unterschriftensammlung zur Sanierung des Schauspielhauses zu beteiligen. Am Schluss gab es für Kraus langen Beifall und laute Bravos. Sollten die für ein Bürgerbegehren nötigen 23.100 Unterschriften rechtzeitig zusammenkommen, könne parallel zur Landtagswahl eine Volksabstimmung stattfinden.

Informationen und Unterschriftenlisten: www.mutzukultur.de.

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