26. 05. 2012
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1000 Jahre alt: Goldener Ohrring in der Archäologischen Zone gefunden
Es könnte so schön sein: Kölner Goldschmiede, im Mittelalter weit bekannt für ihr Können, haben vor 1000 Jahren auch den goldenen Ohrring gefertigt, der vor wenigen Wochen in der Archäologischen Zone gefunden wurde. Doch das ist reine Spekulation, und Wissenschaftler spekulieren nicht. Aber die Experten sind überzeugt, dass er wegen seines hohen materiellen und künstlerischen Wertes einer "Person aus dem imperialen Umfeld" gehörte. Und bislang gab es nur drei vergleichbare Kostbarkeiten weltweit, zwei in Berlin, eine in Mainz.
"Ohne die gründliche Arbeit, besonders das genaueste Sieben, hätte man dieses kleine Stück nie gefunden", lobte Kulturdezernent Georg Quader die archäologischen Mitarbeiter, als er das Schmuckstück am Dienstag der Öffentlichkeit vorstellte. Immerhin galt der Boden unter dem Rathausplatz vor dem Beginn der Grabungsarbeiten als leer, ausreichend erkundet, als "qualifiziert entschuttet".
War der Ohrring Pfand für einen Kredit bei einem jüdischen Bankier?
Spekulation ist vorerst auch, wie die Kostbarkeit nach Köln kam. Sven Schütte, Leiter der Archäologischen Zone, kann sich vorstellen, dass sie einem Jüdischen Bankier als Sicherheit für einen Kredit überlassen wurde. Schließlich wurde sie in einer Kloake des damaligen Ghettos gefunden. "Dort kann sie während des Pogroms von 1096 versteckt worden sein", so Schütte. Später sei der Rest des Schatzes wieder geborgen worden, den Ohrring habe man dabei übersehen. Aus Versehen sei der Ohrring auf keinen Fall in die Kloake gefallen.
Dass der Ohrring 1000 Jahr lang unversehrt im Boden gelegen hat, macht Wissenschaftlern Hoffnung, etwa durch Materialuntersuchungen mehr über damaliges Goldschmiedekönnen zu erfahren. Lothar Lambacher, Experte für frühmittelalterliches Goldschmiedehandwerk am Kunstgewerbemuseum Staatliche Museen Berlin, hat den Schmuck nach seiner Reinigung mit Wasser und Pinsel schon näher in Augenschein genommen.
Verziert mit Glassteinen – damals so wertvoll wie Edelsteine
Danach entstand der Ohrschmuck mit der Form eines liegenden, geschwungenen Halbmonds im byzantinischen Stil im frühen 11. Jahrhundert. Er besteht aus 40-karätigem Gold und ist etwa drei mal fünf Zentimeter groß. Verziert ist er im Wechsel mit türkisfarbenen Glasperlen und echten Perlen, dazu einer antiken blauen Gemme – sie zeigt einen Schwerträger und stammt aus dem 4. Jahrhundert – sowie roten Schmucksteinen aus Glas. Dies war damals ein äußerst wertvolles Material. Lediglich eine Perle fehlt. Für Lambacher ein "Jahrhundertfund".


























