26. 05. 2012
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40.000 gegen Atomkraft: Größte Demonstration in Köln seit langem
(ehu) So eine gewaltige politische Manifestation hatte Köln schon lange nicht mehr erlebt: 40.000 Menschen, so die Veranstalter, demonstrierten am Samstag unter dem Motto "Fukushima mahnt: Alle AKWs abschalten" auf der Deutzer Werft. Die konnte den Andrang nicht fassen – mit 10.000 Teilnehmern hatten die Veranstalter gerechnet. Viele mussten die Veranstaltung außer Hörweite von der Deutzer Brücke aus verfolgen. Das meist skandierte Wort des Tages drang aber auch bis zu ihnen: "Abschalten! Abschalten!" war bei den Reden der Ersatz für Beifall. Um 14.15 Uhr wurde es für eine Minute still: Man gedachte der Toten in Japan.
Schon um 11 Uhr hatte es eine Kundgebung auf dem Neumarkt gegeben. Weiter über 8.000 Menschen hatten sich hier versammelt, sie kamen aus Köln und dem weiteren Umland, Antiatom-Initiativen aus Brühl, Jülich, sogar Oberhausen waren dabei. Gewerkschafter, christliche Friedensinitiativen.
Auch in NRW verdienen RWE und e.on an japanischen Atomkraftwerken
Klaus der Geiger heizte die Stimmung an, ebenso Selassikai mit seiner Gitarre. Matthias Eickhoff vom "Aktionsbündnis Sofortiger Atomausstieg Münster" forderte die Landesregierung als zuständige Atomaufsicht auf, die Urananreicherungsanlage der Urenco in Gronau zu schließen, da von dort auch japanische Atomanlagen beliefert würden. An diesem Geschäft verdienten auch RWE und e.on, denen ein Drittel der Betreiberfirma gehöre. Von der Urenco-Filiale in Almelo habe Fukushima sein Uran erhalten.
RWE und E.on mischen auch an der Universität Köln mit, so Jonas Thiele, AStA-Vorsitzender an der Uni-Köln. Die beiden Energiekonzerne finanzierten zu zwei Dritteln das Energiewirtschaftliche Institut. Dies veröffentliche regelmäßig Studien, die die Gefahren der Atomkraft verharmlosten und Atomenergie als den billigsten Stromlieferanten priesen. Der Redner einer erst vor zwei Wochen gegründeten Antiatom-Initiative aus Jülich forderte die Politik auf, endlich zwei Störfälle in der Kernforschungsanlage Jülich aus dem Jahr 1978 zu untersuchen. Zum "breit gefächerten Widerstand" rief eine weitere Rednerin auf: "Demonstrieren, blockieren, auf: "Demonstrieren, blockieren, besetzen, sabotieren". Vor allem: Nicht erst um Erlaubnis bitten, bevor man sich wehre.
Bei der Demonstration durch Köln war auch Comicfilm-Bösewicht Mr. Burns dabei
Anschließend setzten sich die Menschenmassen durch die Innenstadt Richtung Deutzer Werft in Bewegung. Der Kölner Chor "Die Liederlinge" brachte den Demonstranten am Wegesrand ein aufmunterndes Ständchen. Es war ein bunter Zug mit viel Phantasie und voller witzig-bitterer Sprüche. Sogar Mister Burns, der geldgeile Besitzer eines maroden AKWs aus der Heimat der TV-Familie Simpson war in Gestalt einer überdimensionalen Stabpuppe dabei. Ebenso Skelette und ein Schutzengelchen. Auf der Deutzer Brücke eroberten die Demonstranten beide Fahrbahnen.
Um 11.30 begann auch auf dem Ottoplatz vor dem Deutzer Bahnhof eine Kundgebung. Hier hatte sich die Polit-Prominenz versammelt – es war ja auch nicht so weit bis zur Deutzer Werft. NRW-Umweltminister Johannes Remmel und seine Vorgängerin Bärbel Höhn (alle die Grünen), Grünen-Bundeschefin Claudia Roth, die Grünen-Landesvorsitzenden Sven Lehmann und Monika Düker, Wolfgang Zimmermann, Vorsitzender der Linken-Landtagsfraktion, und Kölns OB Jürgen Roters stimmten beseelt mit den anderen Demonstranten in das das Widerstandslieds "Wehrt euch, leistet Widerstand!" ein.
Hannelore Kraft und Sylvia Löhrmann einig: An dieser Bewegung kommt keiner vorbei.
Zur zentralen Kundgebung auf der Deutzer Werft hatten sich Menschen quer aus allen Schichten eingefunden, Jung und Alt, ganze Familien, sogar mit Kinderwagen. Auch Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wurde eingefahren. Vor Journalisten erinnerte sie daran, dass sich die Landes-SPD schon immer gegen Atomkraft positioniert habe. Die aktuelle Bürgerbewegung sei so breit, dass "die Politik dagegen nicht angehen kann". Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hatte, so sagte sie, mit dieser großen Teilnehmerzahl gerechnet. der Demonstranten nicht überrascht. "Damit habe ich gerechnet", sagte sie. "Diese kraftvolle Demonstration zeigt, dass die Bevölkerung eindeutig für den Ausstieg ist. Die Zeit ist reif."
"Ein gutes Leben ohne Atomkraft und ohne Atomwaffen ist die Herausforderung des 21. Jahrhunderts", sagte DGB-Landeschef Andreas Meyer-Lauber. Er rief die Bundesregierung zum Handeln auf, sie müsse die Atomkraftwerke abschalten. "Es darf nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, denn es gehe nicht um Wahlkampf. Es geht um eine sichere Zukunft für unser Land" Bei den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz dürfe es keine Stimme für die Atomlobby geben.
Pfarrer sieht in Laufzeitverlängerungen keine "ethische Handlungsoption" mehr
Wie er forderten auch alle anderen Redner das sofortige Abschalten der Atomkraftwerke. "Eine Welt ohne Atomwaffen bleibt solange Illusion, wie es Atomkraftwerke gibt", sagte etwa Axel Rose von den Internationalen Ärzten gegen den Atomkrieg. Und Jens Sannig, Superintendent des Kirchenkreises Jülich, fasste es so zusammen: Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke sind für eine intelligente, moderne Gesellschaft keine ethische Handlungsoption mehr."
Bei den gleichzeitig stattfindenden Antiatom-Protesten in München, Berlin und Hamburg waren zusammen 250.000 Menschen auf den Beinen.


























