26. 05. 2012
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Öffentliches Archiv geht im Februar 2010 an den Start
Am 3. März 2009 gegen 16 Uhr ging die erste Anfrage beim nordrhein-westfälischen Landesarchiv ein. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wussten die Verantwortlichen bereits, dass der gerade erst erfolgte Einsturz des Archivgebäudes am Kölner Waidmarkt eine Katastrophe nationalen Ausmaßes ist. Der Präsident des nordrhein-westfälischen Landesarchivs, Prof. Wilfried Reininghaus, und andere renommierte Archive und ihre Verantwortlichen bildeten relativ schnell eine ad-hoc-Arbeitsgruppe. Aus der wurde am 1. September der Fachbeirat zum Wiederaufbau des Historischen Archivs. Nach seiner dritten Arbeitssitzung, die am gestrigen Donnerstag in Köln stattfand, stellten die Verantwortlichen die weiteren Planungen vor.
So ist eine der wichtigsten Forderungen die nach einer vollständigen Bergung aller Archivalien. Dazu muss aber wesentlich tiefer ins Erdreich der Grube am Waidmarkt vorgedrungen werden als es derzeit geschieht. Auch müsse man sich mit der Kölner Staatsanwaltschaft abstimmen, um deren Ermittlungen nicht im Wege zu stehen. Die Experten vermuten, dass sich noch rund zehn Prozent aller Archivalien im Bereich des Grundwassers befinden. Auch diese Unterlagen können noch gerettet werden, beteuerten die Archivexperten. Allerdings setzt das voraus, dass die Stadt erneut zusätzliche Millionen in die Hand nehmen muss, um bis zur vermeintlichen Unglücksstelle in ungefähr 30 Meter Tiefe vordringen zu können.
Bei einem geschätzten Gesamtschaden in Höhe von einer Milliarde Euro wird alleine die Zusammenführung, Restaurierung und Instandsetzung der größtenteils schwer beschädigten Archivalien einen Betrag zwischen 300 und 500 Millionen Euro kosten. Die Kosten für den geplanten neuen Archivstandort am Eifelwall in Höhe von 97 Millionen Euro sind da noch gar nicht eingerechnet. Die Größenordnung dieser Summe könnten den städtischen Haushalt sprengen, räumte Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander ein. So denken die Verantwortlichen derzeit über Konstruktionen nach, die die Hilfeangebote aus aller Welt in einer neuen Konstruktion bündeln soll. Nicht wenige favorisieren dabei die Stiftungslösung, wie Quander verriet. Die beiden christlichen Kirchen, darunter auch das Kölner Erzbistum mit einer Summe von 100.000 Euro, sind bereits der Stiftung beigetreten. Quander rechnet fest damit, dass schon bald auch das Land Nordrhein-Westfalen zusagt. In der Folge werde sich aller Wahrscheinlichkeit auch der Bund beteiligen, so der Kulturdezernent.
In jedem Fall wird es wohl noch Jahre dauern, bis das Archiv halbwegs ausgerüstet wieder als Sammlung für wissenschaftliche Forschungen zur Verfügung stehen kann. Das öffentliche Archiv und insbesondere die Digitalisierung alter auf Mikrofiche aufgezeichneter Dokumente und Daten kommen derweil gut voran. Im März wird es in Berlin auf dem Jahrestag der Archivare eine Ausstellung geben, die Köln zum Thema hat. Die dort gezeigten Exponate sollen spätestens im April als Dauerausstellung am Heumarkt zu sehen sein. Am Stadtrand wird dann ein weiteres nicht-öffentliches Restaurierungszentrum entstehen. Von hier aus sollen die Restaurierung der in 19 Asylarchiven lagernden Überreste organisiert werden. Das ist nicht zuletzt auch eine logistische Leistung. Archivleiterin Schmidt-Czaia zeigte sich jedenfalls ausgesprochen dankbar über die hochrangige Unterstützung.


























