26. 05. 2012
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Albertus Magnus von Baustaub befreit
(js) "Albertus Magnus habe ich schon immer verehrt. Und seine Aufforderung den Glauben mit der Vernunft zu verbinden, passt dich wunderbar in unsere Zeit", sagte die ehemalige Sparkassen-Angestellte Gertrud Schröter. Deshalb zögerte die Kölnerin auch nicht lange Frage, als "Restaurierungspatin" Geld zu spenden, damit die Handschriften des mittelalterlichen Universalgelehrten restauriert werden können. Wertvolle Originale, die bei Einsturz des Kölner Stadtarchivs begraben wurden. Auch der ehemalige Pfarrer Albert Hopmann ließ sich nicht lumpen, "schließlich ist das mein Namenspatron". Insgesamt acht Kölnerinnen und Kölner sowie die Johannis Freimaurerloge "Albertus Magnus" spendeten gezielt für den Dominikaner, der in St. Andreas begraben liegt.
Am Donnerstag stellten Archiv-Leiterin Dr. Bettina Schmidt-Czaja und Kulturdezernent Prof. Georg Quander die zwei Bücher vor, die inzwischen restauriert sind. Gastgeber war das Historische Archiv des Erzbistums Köln, das sich sofort nach der Katastrophe als "Asyl-Archiv" zur Verfügung gestellt hatte. Das eine Buch ist – 1258 in klitzekleiner Schrift auf Pergament geschrieben – "De animalibus", ein naturwissenschaftliche Werk über die Tierwelt, das andere ist die "Postilla in Mattheum", ein Kommentar zum Matthäus-Evangelium aus dem Jahr 1260, in rotes Leder gebunden. Ihr Wert lässt sich nur schwer schätzen, weltweit sind nur ein knappes halbes Dutzend seiner Handschriften bekannt. "Beide Bücher haben den Einsturz überraschend glimpflich überstanden", erklärte Schmidt-Czaja, weil sie im Keller aufbewahrt wurden, durch feste Buchschuber geschützt.
Allerdings waren die Einbände beschädigt, vor allem aber hatte der feine alkalische Baustaub seinen Weg auch in die Schuber gefunden. "Auf Dauer gefährdet er Pergament und besonders Leder", so die Archivleiterin, deshalb musste jede Seite einzeln mit einem feuchten Schwamm gereinigt werden. Gleichzeitig wurden die Einbände restauriert, die Heftungen erneuert und bei einem Band auch die Schließbänder ergänzt. Eine verantwortungsvolle Arbeit, die nur Fachkräfte leisten können, insgesamt 50 Stunden Arbeitszeit stecken in den beiden Büchern.
Schmidt-Czaja hofft, sie und weitere restaurierte Stücke wie einen Friedensvertrag aus dem 13. Jahrhundert noch in diesem Jahr in neue, provisorische Räume mit einem digitalen Lesesaal am Heumarkt "übersiedeln" zu können, vielleicht auch in kleinen Ausstellungen zeigen zu können. Ferner entsteht am Stadtrand in einer alten Lagerhalle ein großes Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum mit Magazin. Derzeit sind die geborgenen historischen Dokumente zur Kölner Stadtgeschichte auf 19 andere Archive verteilt. Die Kosten für ihre Restaurierung werden auf 350 bis 500 Millionen Euro geschätzt, die Dauer auf bis zu 40 Jahren. Zur Finanzierung werden noch weitere Sponsoren gesucht, bislang haben sich 20 Paten gemeldet, die zusammen 30.000 Euro gestiftet haben. Auch "Sammelpatenschaften" von mehreren Stiftern sind möglich.
Weitere Informationen finden Sie im Internet unter: www.historischesarchivkoeln.de.


























