26. 05. 2012
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Archäologische Zone: Land gibt Stadt Galgenfrist
(ehu) Offensichtliche Kommunikationsschwierigkeiten offenbarte die Sitzung des Kulturausschusses am gestrigen Montag: Während sich die Politiker beklagten, von der Verwaltung nicht ausreichend informiert zu sein, stellte Kulturdezernent Georg Quander fest, dass trotz Einladung zu wichtigen Terminen kein Politiker erschienen sei. Anlass war der ausführlich illustrierte Sachstandsbericht über den aktuellen Arbeitsstand an der Archäologischen Zone.
Kritisch hinterfragt wurde etwa das Engagement einer Wiener PR-Agentur für das Projekt oder die Pläne für die Ausgestaltung der Innenarchitektur. Unklarheit herrschte auch bei der Festsetzung der künftigen Betriebskosten. Hier hofft Quander auf Hilfe durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR). Wie diese aussehe, sei aber von den Entscheidungen der Stadt abhängig und könne erst im nächsten Jahr entschieden werden. Überrascht zeigten sich die Politiker auch von den Baunebenkosten, die auf fast ein Viertel der eigentlichen Baukosten geschätzt werden. Quander erklärte dies mit der Komplexität des Projekts.
Baukosten sind um fast zehn Prozent gestiegen, Fördermittel stehen aus
Anlass für die ausführliche Diskussion war die jüngst bekannt gewordene Steigerung der Kosten. Ging man 2009 noch von geschätzten 45 Millionen Euro aus, 2010 von 48 Millionen, sind daraus inzwischen 52 Millionen geworden. Grund ist zum einen der Ausfall versprochener Stiftergelder für den Bau des "Hauses für jüdische Kultur" (kurz "Jüdisches Museum" genannt), zum anderen fehlende Fördermittel. Deren Ausfall hängt damit zusammen, dass Museum und Archäologische Zone als Einheit geplant und gebaut werden sollen, was aber bestimmten Förderrichtlinien entgegen steht.
So stehen noch 14,3 Millionen Euro aus dem Städtebauförderprogramm zur Debatte. Die entsprechenden Anträge hätten aber schon in diesem Frühjahr gestellt werden müssen. Das Land gewährte nun eine letzte Galgenfrist. Um diese einzuhalten, muss der Rat spätestens am 14. Juli entscheiden. Möglich, dass der Kulturausschuss vorher noch einmal zu einer Sondersitzung zusammentreten muss.
Verwaltung und Politik: Alle wollen das "international herausragende Projekt"
Verwaltung und Oberbürgermeister Jürgen Roters haben sich schon dafür ausgesprochen, die fehlenden Mittel trotz angespannter Haushaltslage auf jeden Fall zur Verfügung zu stellen. Auch die Kulturpolitiker waren übereinstimmend der Meinung, dass die Archäologische Zone als "international herausragendes Projekt" realisiert werden müsse. Über Geld allerdings sprachen sie an diesem Tag nicht, das überließen sie der nächsten Ratssitzung.
Insider wird es kaum überraschen, dass ausgerechnet zu diesem prekären Zeitpunkt wieder ein – inzwischen gereinigter – Überraschungsfund präsentiert wurde. Bei den Ausgrabungen unter dem Rathausplatz wurde ein kostbarer, mit Perlen geschmückten Ohrring aus dem späten 10. Jahrhundert gefunden. Vergleichbare Stücke gibt es nur in Mainz und Berlin. Eine Sensation stellen auch über beschriftete 150 Schiefertafeln aus dem 14. Jahrhundert dar, die allerdings noch entziffert werden müssen. Einen der in Ripuarisch geschriebenen Sätze konnte man allerdings schon lesen: "Et kütt, wie et kütt", soll er heißen. Na denn.


























