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26. 05. 2012
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Aus der Not eine Tugend machen


08.06.2010 18:44 von:

Schlagwörter: Köln,Historisches Archiv,Lesesaal,digital,Umzug,2010,Heumarkt,Quander

Provisorien müssen nicht immer die schlechteste Lösung sein. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Historischen Archiv begann Ende April dieses Jahres bereits das zweite Provisorium. Nach dem Einssturz des Archivgebäudes am 3. März 2009 starben nicht nur zwei Menschen und das Kölner Gedächtnis wurde in einen Abgrund gerissen. Auch für die Bediensteten des Archiv begann eine Leidenszeit. Sie hatten buchstäblich nichts mehr, mit dem sie die Katastrophe aufarbeiten konnten. Nachdem sie zunächst im 14. Stock des Deutzer Stadthauses im Westflügel unterkamen, bezogen sie Ende April dieses Jahres ihr zweites Provisorium am Heumarkt 14 im Gebäude neben der Kölner Handwerkskammer. "Es lebt sich gut hier. Wir sind wieder als Stadtarchiv erfahrbar", beschrieb die Leiterin des Archivs, Dr. Bettina Schmidt-Czaia, den Umzug. Frühestens im Jahr 2014 soll das neue, größere und schönere Archiv am Eifelwall fertig gestellt sein, bis dahin werden sich die Archivare und Restauratoren vom Heumarkt aus an die Sisyphos-Arbeit setzen, die über die ganze Welt verstreuten Archivalien zusammenzuführen, Restaurationsaufträge zu koordinieren und dabei eines der größten digitalen Archive entstehen zu lassen. "Fernziel ist die Beseitigung aller Provisorien bis 2014", verkündete Kulturdezernent Prof. Georg Quander Bei einem Presserundgang erläuterten er und seine Archivleiter am heutigen Dienstag die neuen Räumlichkeiten.

Die werden jedoch nicht direkt in voller Personalstärke zur Verfügung stehen. Für mehrere Monate müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die im Bereich des Grundwasser am Waidmarkt befindlichen Reste des Historischen Archiv bergen und "erstbehandeln". Das wird im Drei-Schicht-Betrieb, also rund um die Uhr geschehen. Weil die Archivare und Fachleute die Arbeiten vor Ort überwachen und koordinieren müssen, stehen sie folglich für Kundenanfragen im Archiv nicht zur Verfügung. Wie lange diese Dreifachbelastung anhalten wird, könne man jetzt noch nicht sagen. Aber einige Monate wird der neue digitale Lesesaal und die Archivverwaltung wohl mit dieser Doppelbelastung leben müssen. Schriftstücke oder andere "analoge" Archivalien werden am Heumarkt nicht gelagert, wie die Verantwortlichen betonten. Dafür soll aber bereits im Herbst das ehemalige Erstversorgungszentrum in den ehemaligen Hallen eines Möbelhauses als Außenstelle ihren Betrieb aufnehmen. Die dazu notwendige Entscheidung traf der Hauptausschuss in seiner gestrigen Sitzung, wie Quander am Tag danach erleichtert verkündete. Der Zeitplan für das neue Archiv ist ebenfalls gestrickt. Schon im Herbst soll ein Realisierungswettbewerb beginnen, der im ersten Quartal kommenden Jahres entschieden werden soll. Zum fünften Jahrestag der Einsturzkatastrophe, so der Plan, soll dann der Neubau in Uninähe fertig gestellt sein.

Mit einer Kapazität von dann 45 Regalkilometern soll er die Flächen des ehemaligen Gebäudes um ein 50 Prozent übertreffen. Das ist auch notwendig, wie Quander erläuterte. Zum einen, weil durch die Bergung und Behandlung das Volumen der geborgenen Archivalien (ein erheblicher Teil wurde durch Wasser beschädigt) größer wurde, zum anderen, weil schon im alten Archivgebäude einige Regalkilometer ausgelagert werden mussten. Schmidt.-Czaja ist trotz der inzwischen mehr als einjährigen Verweilzeit im Untergrund des Waidmarkts guten Mutes, Teile des geborgenen Archivgutes restaurieren und damit retten zu können. Ihren Optimismus begründet sie mit den Erfahrungen des vergangenen Herbstes. Damals wurden ebenfalls Teile des verschütteten Archivgutes aus dem Bereich des Grundwasser gerettet. Und zur Überraschung vieler waren sie durch den Druck der darüber liegenden Trümmerschichten den Umständen entsprechend überraschen gut erhalten. Mit derzeit rund 100.000 so genannten "Digitalisaten" gehört das Kölner Archiv schon jetzt zu den größten digitalen Archiven der Bundesrepublik. Bis Ende dieses Jahres sollen es bereits einige Millionen sein, die man für Wissenschaftler, Studierende und Privatpersonen im digitalen Lesesaal verfügbar machen will. Das hat einen weiteren nicht unerheblichen Vorteil. "Mit der Digitalisierung können bis zu zehn Personen gleichzeitig auf die digitalen Dokumente zugreifen. Mit Micro-Fiche war das nicht möglich", hieß es dazu abschließend.

Weitere Informationen zum digitalen Archiv finden Sie auch auf den Internetseiten der Stadt Köln unter: www.stadt-koeln.de.







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