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25. 05. 2012
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Bergungsarbeiten am Stadtarchiv offiziell beendet


10.08.2011 16:56 von:

Schlagwörter: Köln,Stadtarchiv,Leiterin,Bettina Schmidt-Czaja,2011;Abschluss,Baugrube,Restauri

(ehu) Papierrestaurator müsste man sein – dann bekäme man bei der Stadt sofort eine Lebensstellung. Verspricht jedenfalls Bettina Schmidt-Czaja, Leiterin des Historischen Archivs. Sie sucht händeringend Fachkräfte zur Restaurierung der Archivalien, die in den letzten zweieinhalb Jahren aus der U-Bahn-Baugrube geborgen werden konnten. Am 3. März 2009 war das Gebäude eingestürzt, die Katastrophe forderte zwei Menschenleben.

Zunächst konnten noch viele Dokumente zumindest trocken geborgen werden, zuletzt wurden sie – zum Teil mit Tauchern – aus dem See geholt, der sich durch das Grundwasser in der Grube gebildet hatte. 690 Gitterboxen wurden allein mit feuchten Materialien gefüllt. Am Montag hat der Hauptausschuss des Rats die Bergung offiziell für beendet erklärt.

Schmidt-Czaja zog am Mittwoch eine Bilanz der bisher geleisteten Arbeit. Nach dem ersten Schrecken und dem befürchteten Totalverlust konnten immerhin 95 Prozent des Gesamtbestandes gerettet werden. Der hatte 30 Regalkilometer gefüllt. 1.800 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland waren in den ersten Wochen im Einsatz, 2.000 Feuerwehrleute und THW-Mitarbeiter.

Die feuchten Dokumente wurden und werden in Troisdorf schockgefroren, bis zu zwei Jahren können sie so aufbewahrt und vor Schimmel geschützt werden. Dann müssen Vakuum-gefriergetrocknet werden: Unter Anlegen eines Vakuums wird das gefrorene Wasser direkt in Wasserdampf verwandelt. So entsteht kein Wasser, das Schimmelbefall oder das Verlaufen von Farben fördert. "Wir liegen im Zeitplan", so Ulrich Fischer, Schmidt-Czajas Stellvertreter.

Erst die trockenen Stücke können restauriert werden. 35 Prozent gelten als schwerst beschädigt, 50 Prozent haben schwere und mittlere Schäden, nur 15 Prozent sind leicht beschädigt. Vor der Restaurierung müssen die Teile erfasst werden, ihr Zustand und ihr Kontext beschrieben werden. Dies geschah schon bei über 325.000 Bergungseinheiten, das entspricht 20 Prozent des ehemaligen Bestandes. Es kann Jahre dauern, bis alle Archivalien dem Bestand zugeordnet sind.

Nach ihrer Identifikation können die Stücke zusammengeführt werden. Da einzelne Dokumente beim Einsturz in viele Teile zerrissen wurden und die Fundstücke auf verschiedene Asylarchive verteilt wurde, ist dies keine leichte Arbeit. Helfen könnte dabei ein Computerprogramm. Es soll nach den Erfahrungen entwickelt werden soll, die beim Zusammenfügen der zerschredderten Stasi-Unterlagen gemacht wurden. Geborgen und identifiziert werden konnten u.a. schon große Teile der Sammlung Wallraf, darunter auch Autografen von Albertus Magnus, Stücke des Männer-Gesang-Vereins und teile der Nachlässe von Heinrich Böll und der Architekten Dominikus und Gottfried Böhm.

"Eine Restauratorin allein wäre 6.300 Personenjahre beschäftigt, unsere Bestände zu restaurieren", rechnet Schmidt-Czaja vor. Der Stellenplan sieht insgesamt 200 Restauratoren und Hilfskräfte vor – wobei jeder Restaurator 10 Hilfskräfte anleitet. Doch der Markt ist leergefegt. Nur drei Hochschulen in Deutschland bilden jährlich je sechs Papierrestauratoren aus. "Wir haben vor Kurzem 14 Stellen ausgeschrieben und nur zwei Bewerbungen bekommen."

Ausländische Bewerber haben nur eine Chance, wenn sie Deutsch können, denn jeder Restaurierungsschritt muss schriftlich festgehalten werden – auf deutsch. Das verlangen die Beweissicherungs-Vorschriften der Versicherungen. In Zusammenarbeit mit der Kölner Kunsthochschule für Medien sollen demnächst mehr Ausbildungsstellen geschaffen werden.

Neben diesen "Aufräumarbeiten" werden auch weiter aktuelle Dokumente archiviert und der Bestand digitalisiert. Mit mittlerweile über 250.000 online bereit gestellten Digitaldaten zählt das Kölner Angebot zu einem der umfangreichsten in Deutschland.







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