26. 05. 2012
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Bibliothekare spielen am Computer
(ehu) Bücher aus Papier sind schon lange nicht mehr das einzige Medium, das die Kölner Stadtbibliothek vermittelt. E-Books gehören ebenso dazu wie Computer-Spiele, als "Lotse durch die digitale Welt" will man neue Nutzer werben. Dazu gibt es in diesem Jahr ein umfangreiches Programm. So werden am 14. und 15. Februar bei der "Gaming-Roadshow" Bibliothekare und Besucher gemeinsam neue PC-Spiele ausprobieren. Die Zentralbibliothek am Neumarkt soll mit einem WLAN-Netz ausgestattet werden, damit sie nicht nur Lese- und Lernstätte wird, sondern auch Treffpunkt. Außerdem werden im Erdgeschoss zwei "Hörsessel" aufgestellt, in denen ein i-Pad zum Lesen von Zeitungen integriert ist. Diesen 60.000 Euro teuren Umbau zur "Bibliothek der Zukunft" unterstützt das Land mit 45.000 Euro.
Diese Pläne stellte Bibliotheks-Chefin Dr. Hannelore Vogt am Dienstag vor. Doch nicht nur Menschen, die schon mit der gängigen modernen Kommunikationstechnik vertraut sind, sind Zielgruppe der Bibliothek. verstärkt will man Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund ansprechen, hier gibt es schon Kooperationsverträge mit 30 Schulen. Stolz ist man auch auf das Programm "Bücherbabys" für Eltern mit Kindern bis zwei Jahre, hier fand im November das erste Kölner fest mit einem Theaterstück statt. Alfabetisierungskurse werden angeboten. Und für Senioren – die Denglish-verliebte Bibliothekschefin nennt sie "Silvergamblers" – wird Wii-Kegeln angeboten.
Alle sechs Sekunden ein Buch
Anstrengungen, die sich gelohnt haben: 2010 waren 86.210 "aktive Nutzer" gemeldet, die sich mindestens ein Buch im Jahr ausgeliehen haben, das sind 1,4 Prozent mehr als 2009. Insgesamt gab es 1.804.691 Besucher (plus 1,6 Prozent), während der Öffnungszeiten ging alle sechs Sekunden ein Buch über den Ausleihschalter. Im Schnitt besuchten allein die Zentralbibliothek täglich rund 3000 Lese- und Spielhungrige. 1400 Veranstaltungen wurden angeboten. 141 Mitarbeiterstellen betreuen Besucher und die gut 850.000 Medien. Unterstützt werden sie in den zwölf Büchereien und einem Bücherbus von 85 Ehrenamtlern, die unter anderem die "Mini-Bib" im Stadtgarten betreuen.
Das Publikum ist relativ jung: 70 Prozent sind unter 40 Jahre alt, 40 Prozent sind Kinder und Jugendliche. Es ist in der Regel gut ausgebildet und liebt Krimis: Stieg Larssons Trilogie und Carlos Ruiz Zafons "Das Spiel des Engels" waren die meist ausgeliehenen Bücher. Bei den Jugendbüchern lagen Kerstin Gier und Jeff Kinney ganz vorne. Die im NRW-Vergleich überdurchschnittliche Nutzung tröstet Vogt aber nicht über den niedrigen Anschaffungsetat von 700.000 Euro hinweg. Dies Entspricht 0,88 Euro pro Einwohner, 2008 waren es noch 26 Cent mehr. Im Bundesdurchschnitt sind es 1,72 Euro. Als "Ausgleich" liegt Köln dafür bei den Entleihgebühren weit vorn. Einnahmen von 1,8 Millionen Euro stehen Ausgaben von 10 Millionen gegenüber
Am Samstag länger offen
Damit sich künftig bei der Rückgabe der Bücher keine langen Schlangen mehr bilden, sollen alle Medien mit einem Chip versehen werden. Sie können dann – zunächst nur in der Zentralbibliothek – auch außerhalb der Öffnungszeiten in einer "Bücherklappe" abgegeben werden. Außerdem sollen die Öffnungszeiten an Samstagen verlängert werden, der Rat hat die entsprechenden Mittel bewilligt. Dieser Tag, so die Erfahrung, ist besonders bei Familien und den 10- 14-Jährigen beliebt, 20 Prozent aller Neuanmeldungen sind hier zu verzeichnen.


























