26. 05. 2012
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Denkmalwürdig: Das Pissoir, das zum Kiosk wurde
(ehu) Rund 120.000 Mark hat Ali Ekber Aslan vor elf Jahren in die Renovierung des Kiosks gegenüber dem Mülheimer Bahnhof gesteckt. Als das Rundhaus immer wieder mit Graffitis beschmiert wurde, malte er es schwarz-rot an, verzierte es mit den Silhouetten von Köln und Istanbul. Heute ist "Kiosk Aslan" Treffpunkt für die Nachbarschaft. Dass seine Arbeitsstätte nun zum "Denkmal des Monats" erklärt wurde, freut den 70-Jährigen sichtlich.
Seit vielen Jahren macht der Rheinische Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz (RVDL) mit der Aktion "Denkmal des Monats" auf außergewöhnliche, in ihrem Bestand bedrohte wichtige Architekturzeugnisse in Köln und Umgebung aufmerksam. Manchmal gelingt es ihm, sie durch die öffentliche Aufmerksamkeit vor Zerstörung und Abbruch zu bewahren, in manchen Fällen sogar, sie endlich unter Denkmalschutz zu stellen. Den bunten Kiosk hat man sich ausgesucht, weil er ein Beispiel ist für die Sorgfalt, mit der in den 1920er Jahren selbst kleine Bauten in ein städtisches architektonisches Gesamtkonzept eingeplant wurden. Verantwortlich dafür war der damalige Stadtbaudirektor Adolf Abel.
Was den Kiosk in Mülheim mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof verbindet
Der Kiosk war ursprünglich ein öffentliches Pissoir für Frauen und Männer. Es stand gegenüber dem Mülheimer Bahnhof, damals der drittgrößte in Köln (1913 fertiggestellt, 1944 von Bomben zerstört). Das kreisrunde "Bedürfnishäuschen" mit seiner dunkelroten Ziegelwand, zwei Türen, einem umlaufenden Fenster- und Lüftungsband sowie einer dünnen, auskragenden Dachplatte aus Beton entspricht der eher konservativen Bauphilosophie der "Stuttgarter Schule". Prominentestes Beispiel hierfür ist der Architekt Paul Bonatz mit seinem Stuttgarter Hauptbahnhof. Der Gegenpol hierzu war en die Ideen der Neuen Sachlichkeit und des Weimarer Bauhaues, die in Köln etwa in den Siedlungsbauten von Wilhelm Riphahn zum Ausdruck kamen.
Das Pissoir überstand die Kriegszerstörungen. Wie lange es noch benutzt wurde, ist unklar. Als Ali Ekber Aslan es 1998 von der Stadt pachtete, musste er sieben Container Schutt und Müll daraus entfernen, wie er sich erinnert.
Die Umgebung des Mülheimer Bahnhofs wird umgestaltet. Und das Büdchen?
Im Rahmen der Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes soll sich die Stadt nun auch der historischen Bedeutung des Kiosks bewusst werden. Das hofft jedenfalls Stephan von Wahl, beim RVDL verantwortlich für den Arbeitskreis "Denkmal des Monats". Vorgesehen ist, den bisherigen Parkplatz vor dem Bahnhof in einen Park mit Bäumen und Bänken umzugestalten.
Noch steht der Kiosk auf einer Insel zwischen der Kreuzung Montanus-/Frankfurter Straße und einer Rechtsabbiegerspur. Die soll verschwinden, wodurch ein kleiner Platz mit der Möglichkeit zur Gastronomie entsteht. "Mit Mittel aus dem Programm Stadtverschönerung könnte die Stadt die architektonischen Qualitäten des Rundbaus wieder herstellen und ihn so als einzigen sichtbaren Vorkriegsbau würdigen", so von Wahlen.


























