26. 05. 2012
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Der "Decke Pitter" schlägt nicht mehr
(js) Genau um 9:35 Uhr und 30 Sekunden am Dreikönigstag war der Klöppel von der Domglocke "Decke Pitter" abgebrochen und zu Boden gestürzt. Das zeigt eine Aufzeichnung der Bensberger Erdbebenwarte, die über einen Seismograph mit dem Dom verbunden ist. "Eindeutig Materialermüdung", erklärte Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner einen Tag später am Freitag, nachdem Experten die Bruchstelle untersucht hatten. Noch am 6. Januar waren Gerüstbauer der Dombauhütte aus dem Urlaub gerufen worden, um die Unglücksstelle im über 50 Meter hohen Glockenstuhl zu sichern.
Die Materialermüdung entstand an der "beweglichsten und strapaziertesten Stelle", so Schock-Werner. An dieser Stelle ist das Klöppelblatt mit einer Schlaufe aus Stahl und Leder mit der Glocke verbunden. Nun wird eine Firma gesucht, die einen neuen Eisenklöppel schmieden kann. Der alte war von einer heute nicht mehr existierenden Leverkusener Firma angefertigt und 1953 in die Domglocke eingehängt worden. Domprobst Norbert Feldhoff geht davon aus, dass die Reparatur bis Ostern beendet ist. Da ein derartiges Unglücksfall bislang noch nirgends geschehen ist, sind die Kosten noch unklar. Die Dombaumeisterin geht vorerst von einem "hohen fünfstelligen Betrag" aus.
Der "Decke Pitter" hängt seit 1923 in dem über 50 Meter hohen Glockenstuhl. Er ist Ersatz für die "Kaiserglocke", die 1918 zu Kriegszwecken eingeschmolzen wurde, und gilt als die größte freischwingende Glocke der Welt. Die Glocke wiegt 24 Tonnen, der Klöppel 800 Kilo. Der Glockenraum war, wie bei jedem Geläut aus Gründen des Hörschutzes für Besucher gesperrt, eine direkte Gefahr bestand so nicht. Die Dombaumeisterin wagte aber nicht die Folgen auszumalen, wenn der Klöppel senkrecht nach unten statt schräg gefallen wäre. So fiel er auf einen Holzboden, zerschlug zwei Dielen und ein Geländer, das die Wartungsebene sichert.


























