25. 05. 2012
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Friedlicher Protest gegen Rechtspopulisten
(ehu) "Nicht die Fremden sind die Bedrohung, sondern eine Ordnung, die Ausgrenzung akzeptiert", stellte Hannelore Bartscherer klar. "Wer im Namen der Freiheit unterdrückt und sich dabei auf das christliche Abendland beruft, missbraucht das Wort Jesus", sagte die Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses weiter. Sie war eine von vielen Rednerinnen und Rednern von Parteien, Religionsgemeinschaften und Gewerkschaften, die am Samstag beim Ökumenischen Gottesdienst in der Deutzer St. Heribert-Kirche sprachen. Auch Sozialdezernentin Henriette Reker war dabei. Zu dem Gottesdienst eingeladen hatte das Bündnis "Köln stellt sich quer", um gegen den "Marsch der Freiheit" der rechtspopulistischen "Bürgerbewegung pro Köln" zu protestieren.
Schon hatte davor hatte es vor dem Hauptbahnhof und an der KVB-Haltestelle Deutzer Freiheit Kundgebungen gegen den rechten Aufmarsch gegeben. Daran anschließend und nach dem Gottesdienst zog man ungeordnet zu einer Veranstaltung auf der Frankenwerft. Dort gab es vor rund 1000 Menschen Musik mit Rolli Brings und Kabarett mit Robert Griess und Fatih Cevikollu. Der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck rief dazu auf, "Kölns Vielfalt gegen die Einfalt der Rechten zu bewahren". Man müsse ihnen die Maske der Bürgerlichkeit vom Gesicht reißen.
Frühzeitige und weiträumige Absperrungen
Rund um den Heumarkt und den Deutzer Bahnhof zeigten insgesamt gut 2000 Menschen friedlich, dass die Rechtspopulisten in Köln nicht willkommen sind. Mit einer frühzeitigen und weiträumigen Absperrung hatte die Polizei den direkten Kontakt zwischen den beiden Seiten verhindert. So war die die Deutzer Brücke schon ab 6 Uhr morgens – auch für die KVB – gesperrt, ebenso die Südseite der Hohenzollernbrücke, weshalb es den ganzen Tag über zu Verkehrsbehinderungen kam. Auf dem Heumarkt verhinderten dicht an dicht gestellte Polizeiwagen sogar den direkten Sichtkontakt. Rund 3000 Beamte waren im Einsatz.
Marsch von Deutz aus quer durch Köln endete hinter dem Rhein
2500 Teilnehmer hatte "pro Köln" angemeldet. Knapp 300 waren es dann, die auf dem Heumarkt eintrafen. Und dort schrumpfte ihre Zahl dann unter der heißen Sonne merklich. Quer durch die Innenstadt bis zum Rudolfplatz hatte man Köln zeigen wollen, dass "man mitten in der Gesellschaft steht", doch nach der Kundgebung auf dem Heumarkt zog man wieder zurück zum Deutzer Bahnhof. Die populistische "Bürgerbewegung" feierte ihre Veranstaltung trotzdem als "Erfolg".
Mit einer Gleisblockade in Leverkusen-Opladen hatten zahlreiche Gegendemonstranten verhindert, dass ein Zug mit Rechten, die zum "Marsch für Freiheit" nach Köln wollten, dort rechtzeitig ankamen. Erst als Busse organisiert wurden, kamen sie mit zweistündiger Verspätung am Deutzer Bahnhof an. Dass sich dort die Wartezeit per Lautsprecher mit Lieder von Marius Müller-Westernhagen verkürzt wurde, dürfte dem Sänger weniger gefallen.
Rechtspopulisten zitieren SPD-Mitglied Thilo Sarrazin als Beweis für ihre Argumente
Unter den Teilnehmern waren zahlreiche Republikaner, aus Belgien kamen einige Dutzend Mitglieder des rassistischen Vlaams Belang, einige von ihnen dem Alkohol recht zugetan. Auf dem Heumarkt redeten Vertreter rechtsextremer Parteien aus Frankreich und Österreich sowie der US-amerikanische "Tea Party"-Bewegung. Wiederholt wurde das SPD-Mitglied Thilo Sarrazin zitiert, um die eigenen anti-islamischen Argumente zu begründen.
Nach Polizeiangaben verlief die Veranstaltung "relativ friedlich". Ein Kundgebungsteilnehmer wurde in Gewahrsam genommen, weil er auf seinem Hals mit verbotenen Nazi-Symbolen tätowiert war. Er musste den Hemdkragen schließen und durfte weiter kundgeben, auf ihn wartet eine Anzeige. Als einige Gegendemonstranten an der Hohe Straße eine Polizeiabsperrung überwinden wollten, wurde Pfefferspray eingesetzt, ein Polizist wurde durch eine Fahnenstange leicht verletzt. Polizeipräsident Klaus Steffenhagen, selber auch auf der Frankenwerft dabei, sagte am Abend: "Mein Dank gilt insbesondere denen, die in sehr besonnener Weise ihren Protest kundgetan haben."


























