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25. 05. 2012
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Gründer der Straßenzeitung "Querkopf" gestorben


21.10.2010 07:32 von:

Schlagwörter: Köln,Querkopf,Bergmayr,obdachlos,arbeitslos,Sozialamt,von unge,Sülz

(js) Sie stehen vor Kölner Supermärkten und vor Nobel-Geschäften, in der Hand den "Querkopf". 1,50 Euro kostet die Straßenzeitung, gegen einen Aufpreis haben die Verkäufer nichts. Denn für sie ist der Verkauf des Blattes oft die einzige Einnahmequelle, die Hälfte vom Verkaufspreis dürfen sie behalten. Meist sind es Arbeits- oder Obdachlose, sie erhalten so nicht nur selbst verdientes Geld, sondern damit auch Würde, die ihnen die Gesellschaft sonst immer wieder verweigert. Und nicht zuletzt auch eine Stimme. Am 10. Oktober ist Klaus Bergmayr, Gründer des "Querkopf", im Alter von 64 Jahren gestorben.

Mit dem "Querkopf" konnte er den Kölner Pressemarkt nicht aufmischen, aber die Auflagensteigerung von 3000 Exemplaren im Gründungsjahr 1998 auf heute 12.000 – ab 2001 erschien die Zeitung auch in Berlin – zeigt, dass er ein wichtiges Segment abdeckte. Bergmayr verstand den "Querkopf" als Organ für alle, die sich gegen die Willkür der Mächtigen zu setzen, er war ein Forum für die, die ihrem Ärger über die herrschenden Verhältnisse Luft machen mussten.

Er selber beschrieb einmal sein Ziel und seine Arbeitsweise in einem Zeitungsinterview so: "Die Themen gibt die Straße vor. Wir unterhalten uns ja auch mit den Leuten, da ergeben sich automatisch Schwerpunkte, die wir dann umsetzen. Es wird so viel geschrieben über Gott und die Welt, wo man gar nicht drüber nachdenkt. Vieles, was ich schreibe, ist absichtlich überzogen, um die Leute wachzurütteln. Ich will provozieren, damit man drüber nachdenkt, in was für einer Gesellschaft wir eigentlich leben."

Geboren wurde Bergmayr in Bayern. Er kam nach Köln, arbeitete für eine Messebau-Firma. Nachdem er Frau und Kind bei einem Verkehrsunfall verloren hatte, änderte sich sein Leben. Er schloss sich der Arbeitsloseninitiative "Wir" an und arbeitete bei der Zeitung "von unge" mit, die aber nur kurze Zeit bestand. Später reiste er für eine Erwerbslosen-Initiative quer durch Europa und stellte fest nach fünf Jahren fest: "Wenn ich nicht da bin, wird in Köln nix gemacht." So gründete er zunächst "Neues vom Klaus aus Sülz" für Kölns Süden, woraus dann der "Querkopf" wurde. Dessen Verkäufer sollen durch die Einnahmen davor bewahrt werden, überhaupt erst obdachlos zu werden. Es sollte ihnen die Möglichkeit gegeben werden, ein selbstbestimmtes Leben unabhängig vom Sozialamt zu führen. Der "Querkopf"-Verein mietete sogar Wohnungen an, um Obdachlosigkeit zu verhindern.

Krank war Bergmayr schon lange, so 2004 erlitt er einen Schlaganfall, war fortan auf den Rollstuhl angewiesen. Später stellten die Ärzte eine kaputte Lunge fest, er war fortan auf ein Sauerstoffgerät angewiesen. Was ihn nicht hinderte, zweimal in der Woche den "Querkopf" persönlich auf der Straße zu verkaufen.







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