25. 05. 2012
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Grundstein für Ditib-Moschee gelegt
Mehrere Tausend Menschen kamen am heutigen Samstag auf den Sportplatz östlich der Baugrube, auf der in zwei Jahren die neue Ditib-Moschee errichtet werden soll. Der Neubau mit einem geschätzten Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro geht nun mehr als ein halbes Jahr nach dem Beginn der Abrissarbeiten in die offizielle Bauphase. Neben dem amtierenden Oberbürgermeister Jürgen Roters, sprach auch sein Vorgänger Fritz Schramma zu den versammelten Gästen. Seine Rede konnte der CDU-Politiker, der zu den Kommunalwahlen im August dieses Jahres nicht mehr antrat, erst nach minutenlanger Unterbrechung beginnen, "standing ovations" begleiteten Schramma auf die Bühne. Er hatte sich in seiner eigenen Partei gegen die Widerstände weiter Teile der Basis für den Bau einer solchen Moschee ausgesprochen und im Stadtrat sogar gegen seine Partei gestimmt. Aus der Türkei reiste der Präsident des Amtes für Religiöse Angelegenheiten, Ali Bardakoglu, und der Staatsminister für die Türken im Ausland, Faruk Celik, an.
Die Diskussionen um den Bau der Moschee waren im Vorfeld immer wieder von hitzigen Debatten begleitet. Nicht ganz 100 Personen beteiligten sich am Rande der Grundsteinlegung an einer Protestkundgebung der als rechtsextrem eingestuften Formation "pro NRW". Getrennt durch einen Polizeikordon wurden die Feiernden auf der anderen Seite von Gegendemonstranten abgepfiffen. Nach Auskunft der Polizei gab es jedoch keine Zwischenfälle. Auch die Feierlichkeiten und die Grußworte wurden in friedlichem Rahmen und mit jeder Menge Grußworten und Applaus abgehalten. Vertreter der beiden christlichen Kirchen erinnerten in ihrem Redebeitrag an die Friedensverpflichtung, die Vertreter der in Köln ansässigen Weltreligionen bereits vor Jahresfrist unterzeichnet hatten. Sie legen alle Religionsvertreter auf einen friedlichen und respektvollen Umgang untereinander fest. "Wir hoffen, dass die neue Mosche zu einem Ort des Friedens, des Dialog und des gegenseitigen Respekts wird", so die beiden Kirchenvertreter. Der Vertreter der jüdischen Synagogengemeinde ließ ebenso wie der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees, Thomas Bach, und die Bundeskanzlerin Angela Merkel ein schriftliches Grußwort übermitteln.
Auch der Landesbeauftragte für Integration, Thomas Kufen, und der Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Josef Wirges, sprachen Grußworte. Neben dem Dom könnte die neue Moschee, die vom Kölner Architekten Paul Böhm entworfen und in einem Wettbewerb als Siegerbeitrag ermittelt wurde, sogar eine Touristenattraktion werden, wie Bezirksbürgermeister Wirges hofft. Kufen bezog in seiner Rede klar Stellung gegen die Proteste der rechtsextremen Vertreter. Faruk Celik versprach in seiner Rede, sich für den Erhalt des christlichen Pilgerzentrums in Tarsus einzusetzen und kam somit der Bitte des ehemaligen Oberbürgermeisters Fritz Schramma entgegen. Der hatte sich in seinem Redebeitrag ebenfalls für den Erhalt der alten Grabstätte des Apostel Paulus eingesetzt. Der christliche Bau im Osten der türkischen Republik sollte konfisziert werden. Das rief nicht nur christliche Politiker wie Schramma auf den Plan, auch die Katholische Kirchen, allen voran Joachim Kardinal Meisner, hatten den Erhalt des Pilgerzentrums immer wieder angemahnt.
Der Bau selbst soll in spätestens zwei Jahren fertiggestellt sein. Im Kern des neuen Gebäudeskomplexes an der Venloer Straße / Ecke Innere Kanalstraße wird ein neuer 2000 Quadratmeter großer Gebetssaal entstehen. Der gemischt genutzte Bau überzeugte nicht nur die Jury durch seine offene mit viel Glas versetzte 35 Meter hohe Kuppel und zwei jeweils knapp 55 Meter hohen Minaretten. Der ursprüngliche Siegerentwurf aus dem Jahr 2005 musste mehrfach überarbeitet werden. Zuletzt präsentierten Ditib und Architekt die endgültigen Entwürfe für den Bau Ende Januar dieses Jahres. Der größte Teil der Räumlichkeiten wird aber anderweitig genutzt. So entsteht mit dem Bau der neuen Moschee auch ein Kultur- und Begegnungszentrum mit Büroräumen für die zukünftige Ditiv-Zentrale, Seminar- und Schulungsräumen, eine Bibliothek, Sport- und gewerblich genutzten Räumen mit einer Nutzfläche von rund 8000 Quadratmeter. Durch die zuletzt eingeplante Reduzierung des Anteils der Gewerbeflächen reduzierte sich auch die Tiefe der Baugrube. Statt ursprünglich zwei wird jetzt nur noch eine Tiefgaragenebene gebaut. Die Ditib ist seit Mitte der 80er Jahre Eigentümer des Grundstücks sowie der alten Fabrikgebäude. Die eigentliche Größe der Moschee bleibt mit einem Fassungsvermögen von rund 1200 Gläubigen in etwa auf dem Niveau des Vorgängergebäudes.
Die Baukosten werden sich nach Angaben des Bauherrn aus einer Einlage des Vereins Ditib sowie einer seit einigen Monaten laufenden Spendenaktion von Ditib-Mitgliedern in den bundesweit rund 885 Ditib-Gemeinden finanziert. Öffentliche Mittel gebe es nicht, bestätigten die Offiziellen bereits im Vorfeld mehrfach.
Kommentar
Na endlich! Nach einer gefühlten jahrzehntelangen Debatte um den Bau einer neuen Moschee auf dem Ditib-Areal geht es nun endlich los. Zwar wurde auch am heutigen Samstag wieder ein Häufchen Ewiggestriger vor der Zufahrt zum Festzelt gesehen. Aber wenn das neue Gotteshaus mit angeschlossenem Begegnungszentrum erst einmal steht, dürfte den vielen skeptischen Anwohnern und Anliegern der Zugewinn auffallen, den das neue Gebäude dem Stadtteil und damit der gesamten Stadt bietet. Um es noch einmal klar zu sagen: Nicht die Moschee ist neu, sie gibt es dort bereits seit knapp einem Vierteljahrhundert. Aber statt eines tristen Gewerbebaus aus den 50er Jahren wird dort zukünftig ein Schmuckstück in der Kölner Architektur seinen Platz finden. Nachdem Ende vergangenen Jahres auch die letzten Nachbesserungen vorgenommen wurden, steht nun einem weiteren Kapitel der Integrationsgeschichte der größten Migrantengruppe in Deutschland nichts mehr im Wege.
Bei aller Freude bleibt der Nachgeschmack, dass dies alles wesentlich schnelle hätte ablaufen können. Schon 2005 stand der Architekt mit seinem Siegerentwurf in den Startlöchern. Lange Zeit behandelte die Ditib als Bauherr das Thema eher etwas öffentlichskeitsscheu. Völlig unverständlich, wenn man sich vor Augen führt, dass die Ditib im Grunde genau das unternehmen und umsetzen will, was eigentlich immer gefordert wurde. Stattdessen rang man sich erst nach massiven Bürgerprotesten dazu durch, die Thematik Moscheebau offensiv in die Öffentlichkeit zu tragen. Und auch hier zeigte sich, dass das Anliegen bei entsprechender Kommunikation durch zu positiver Resonanz führen kann. Das hätte man früher in Erfahrung bringen können und möglicherweise vieles verhindert, was zur Irritation des Umfeldes geführt hatte. Dass der Neubau erst klein, dann groß und nun wieder in der kleinen Variante errichtet werden soll, liegt sowohl an der Eitelkeit der Bauherrn als auch an den Untiefen des deutschen Baurechts. Auch da hätte eine offensivere Kommunikation und ein professionelleres Management die eine oder andere Schleife verhindern können.
Aber in einem Moment, wo mit dem Grundstein auch der Startschuss für ein europaweit beachtetes Bauprojekt gelegt wurde, sollte die Kritik zugleich auch Aufruf sein, dass das bisher Erreichte vonseiten des Bauherrn konsequent weitergeführt wird. Die neue Moschee samt ihrer Mantelbebauung bietet dazu sowohl architektonisch, wie städtebaulich die besten Voraussetzungen. Nun muss die Moschee mit Leben, mit dem Geiste der Toleranz, der Gesprächsbereitschaft und damit der gutnachbarlichen Beziehungen gefüllt werden. Dass dies kein frommer Wunsch sein muss, zeigen die Beispiele in Mannheim und Duisburg.


























