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25. 05. 2012
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Jüdisches Museum soll kleiner werden


09.06.2009 22:17 von:

Schlagwörter: Köln,Haus,Jüdische,Kultur,2009,Kompromissvorschlag,Stadtrat,Beschluss,Baukosten,

Oberbürgermeister Fritz Schramma und Kulturdezernent Prof. Georg Quander hatten bis zuletzt gehofft. Aber in der vergangenen Woche musste die Stadt Köln verkünden, dass die geforderte Übernahme der anteiligen Planungskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro durch die Gesellschaft zur Förderung eines Hauses und Museums der Jüdischen Kultur nicht zustande gekommen ist. Diese Entwicklung, die trotz mehrfacher Fristverlängerung nicht verhindert werden konnte, macht es nach Meinung des Oberbürgermeisters jedoch notwendig, dass der Stadtrat sich mit Alternativen beschäftigen muss. In einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag stellten er und Kulturdezernent Quander drei mögliche Alternativen vor. Die Kosten für die Realisierung des Siegerentwurfs des Saarbrücker Architekturbüros Wandel Hoefer Lorch + Hirsch werden in Expertenkreisen auf 15 bis 20 Millionen Euro geschätzt. Eine Entkopplung beider Projekte auf dem Rathausplatz, die mit Landesmitteln geförderte Archäologische Zone sowie das darüber geplante Haus der Jüdischen Kultur, ist allerdings nach dem Ansatz des Siegerentwurfs nicht möglich, wie Schramma klar machte. Nach der nicht erfolgten Finanzierungszusage des Fördervereins, der auch den anschließenden Betrieb der neuen Kultureinrichtung übernehmen sollte, muss sich nun der Stadtrat erneut mit dem Projekt beschäftigen, und das schnell. Noch im Herbst dieses Jahres soll der Baubeschluss für die Archäologische Zone erfolgen, will man den engen Zeitrahmen einhalten. Wird bis zum Herbst kommenden Jahres nicht gebaut, verliert die Stadt Landeszuschüsse in zweistelliger Millionen Euro-Höhe. Das aber will man auf keinen Fall riskieren, wie beide Stadtvorstände deutlich machten. Und so soll die Stadt neben den Planungs- und Baukosten nun auch die Betriebskosten vorfinanzieren. Köln erhält damit sein zehntes Museum.

Schramma zeichnete am heutigen Dienstag noch einmal die Entwicklung der vergangenen zwölf Monate nach. Mehrfach gab es Gespräche, mehrfach wurde ihm vonseiten der Vereinsverantwortlichen versichert, die Kosten zu übernehmen. Einzige Bedingung aus Sicht der potenziellen Sponsoren sei ein entsprechender Ratsbeschluss. Der folgte schließlich im August 2008. Aber trotzdem schafften es die Unterstützer des Jüdischen Museums nicht, die anteiligen Planungskosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro zusammen zu bekommen, monierte Schramma. Trotzdem müsse etwas getan werden. So habe der Förderverein selbst von der Benennung eines Museumsdirektors inzwischen Abstand genommen. Schramma und Quander präsentierten dabei neben dem sofortigen Stopp der Planungen und der so genannten "Weiter so!"-Variante den bereits beschriebenen Kompromissvorschlag. Die oberirdische Bebauung soll erheblich reduziert werden, ebenso der geplante Kostenrahmen. Zwar bleibt die zu überbauende Grundfläche gleich. Aber in Höhe und Ausstattung könne man deutlich abspecken. Die dazu notwendige Vorlage soll noch in dieser Woche schlussgezeichnet und an die Fraktionen weitergereicht werden, hieß es dazu weiter.

Alternative Kompromiss – der einzig gangbare Weg?

Wie nun die konkreten Planungsänderungen aussehen könnten, darüber trafen beide Stadtvorstände keine Aussage. Ebenso konnten weder Schramma noch Quander einen konkreten Kostenrahmen bestimmen, mit dem sie das Bauprojekt einer architektonisch ansprechenden oberirdischen Bebauung noch retten wollen. Insgesamt hatten sich etwas mehr als 20 Architekturbüros in dem letztjährigen Wettbewerb beteiligt. Der Siegerentwurf war der einzige, bei dem eine Entkopplung nicht möglich war. Durch die Konstruktion eines Metallgerüsts, in dem die Ebenen "eingehängt" werden, muss die Fundierung bereits mit Baubeginn der Archäologischen Zone feststehen. Ob und wie der Förderverein oder die geplante, aber noch nicht realisierte Stiftung, in das Projekt eingebunden werden soll, steht ebenfalls noch nicht fest. An der Fortsetzung der Planungen ließen beide keine Zweifel. "Niemand will das Projekt boykottieren", stellte Schramma klar. "Das Jüdische Haus wäre ein Alleinstellungsmerkmal für Köln. Dieses Projekt ist eine einmalige Chance für Köln", ergänzte Quander. Beide wollten den Vorschlag auch als Angebot an die potenziellen Förderer verstanden wissen. "Wir werden Hilfestellung geben. Das aber muss der Stadtrat beraten", so Schramma. Schließlich habe man im südlichen Bereich der Ausgrabungen weitere wertvolle Zeugnisse der früh- und mittelalterlichen Geschichte der zweitältesten Stadt zu Tage gebracht. Vorstellbar sei sogar, dass das jüdische Kulturgut im Rahmen einer Abteilung der Archäologischen Zone vorgestellt und damit das Konzept eines Jüdischen Hauses in die Archäologische Zone integriert wird.


Kommentar

Es war wie eine Bombe, die da am vergangenen Dienstagabend im Odysseum zum Platzen gebracht wurde. Die versammelten Journalisten, die sich eigentlich auf das alljährliche Pressetreffen der Stadt Köln freute, standen wie versteinert. Die Finanzierung der Planungskosten war geplatzt, die Realisierung der Archäologischen Zone in Gefahr. Wieder einmal rückte die Domstadt in den Fokus der Kritiker, die der Kölner Stadtpolitik schon immer provinziellen Charakter bescheinigten. Aber auch so ist der Fall heikel, schließlich war spätestens mit Beginn der Ausgrabungen klar, dass sich das Gesicht der Freifläche vor dem Kölner Rathaus massiv verändern wird. Aber zwischen Massivbau und der immer wieder ins Spiel gebrachten, aber nicht realisierbaren Glasplatte über den Ausgrabungen wird es nun wohl auch stadträumlich zu einem Kompromiss kommen. Eher unwahrscheinlich, dass die Stadt die geschätzten 20 Millionen zum Bau eines massiven Museumsbaus alleine aufbringen will. Wieder einmal suchen die Protagonisten nach einem Kompromiss. Doch das kommt den Kölner Stadthaushalt teuer zu stehen, so viel musste auch Schramma bei der Pressekonferenz einräumen

Ganz nebenbei muss man sich über die Entscheidung des Wettbewerbs aus dem vergangenen Jahr wundern. Schließlich wählten die Preisrichter mit nur einer Gegenstimme ausgerechnet den Entwurf aus, der sie nun unter erheblichen Termindruck setzt. So anspruchsvoll und ästhetisch der Entwurf auch daherkommt, er ist und bleibt vor dem Hintergrund der derzeitigen Diskussionen extrem unpraktisch. So hat die nicht mögliche Entkopplung die Stadt von Anfang an auf eine "große Lösung" festgelegt. Eine zeitliche Staffelung, die mit allen anderen Projektentwürfen gegeben wäre, ist mit diesem Entwurf eben nicht möglich. Dass nun der Förderverein seiner Finanzierungszusage nicht nachgekommen ist, stürzt die Stadt erst recht in ein Dilemma, muss sie sich doch von dem frommen Wunsch verabschieden, vor der eigenen Haustür einen kompletten Museumsbau samt Einrichtung mit bundesweiter Strahlkraft zu erhalten, ohne auch nur einen Cents dafür im Haushalt zu veranschlagen. Dieser Traum ist nun endgültig geplatzt. Allerdings machte der Beschluss des Stadtrats schon im vergangenen Jahr deutlich, dass mit der Vorfinanzierung der Planungskosten für den Museumsbau der Nulltarif nicht zu haben war. Auch wenn die Stadträte mit ihrer Entscheidung Bedingungen einforderten, nach derzeitigem Stand der Dinge musste der interessierte Beobachter schon damals befürchten, dass die Baustelle vor dem Rathaus den Steuerzahler teuer zu stehen kommt. Jetzt wird also die Rechnung präsentiert, bestellt hatten die Verantwortlichen das schon vor einem Jahr.







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