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25. 05. 2012
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Kein Ruhm den Sprayern


25.11.2011 10:39 von:

Schlagwörter: Köln,KASA,Graffiti,Sprayer,Vandalismus,KVB,Polizei,Haus- und Grundbesitzerberein

Zumindest die Zahl der gemeldeten illegalen Graffiti ging in den letzten Jahren zurück: Waren es 2008 noch 2698, sank sie auf 2360 im Vorjahr. Und in diesem Jahr könnte sie sogar unter die 2.000er Grenze sinken, glaubt Gunnar Hömann von der Kölner Polizei. Ein Erfolg, den sich die gesamte „Kölner Anti Spray Aktion“ (KASA), bei der auch die Polizei Mitglied ist, an die Brust heftet. Schnelle Beseitigung der „Schmierereien“ und Prävention sieht sie als ihre Hauptaufgaben an. Jetzt zog sie eine vorläufige Jahresbilanz.

Der Schaden durch illegale Graffiti ist groß. Die KVB kostete ihre Beseitigung im zurückliegenden Jahr rund eine Million Euro, wobei in dieser Summe auch die Beseitigung anderer Vandalismusfolgen enthalten ist. Die gründliche Säuberung einer Straßenbahn kann bis zu sieben Arbeitstage dauern. Die Stadt lässt durch die AWB jährlich gut 16.000 Quadratmeter von Graffiti befreien. Dafür wurde extra ein neues Spezialfahrzeug mit Dampfstrahler angeschafft, das das Wasser in einem Recycletank auffängt.

Erst seit einigen Jahren gilt illegales Graffiti als strafbare Sachbeschädigung

Die Zielsetzung ist klar: Je schneller ein Graffiti beseitigt wird, um so besser. Vor allem nehme man damit dem Sprayer den „Fame“, den Ruhm, sein Zeichen gesetzt zu haben. Die Beseitigung ist allerdings nicht immer billig, und so verzichten viele Hausbesitzer nach dem dritten Mal darauf, ihre Fassade erneut zu reinigen. Thomas Tewes vom Haus- und Grundbesitzerverein hat dafür angesichts der Kosten zwar Verständnis, fordert aber, zumindest jedes Graffiti der Polizei zu melden. Er beklagte, dass vor Gericht die Straftat oft „bagatellisiert“ werde. Erst seit einigen Jahren gilt illegales Graffiti als Sachbeschädigung.

Die meisten Graffiti finden sich, so die Polizei, in der Innenstadt und der Nördlichen Neustadt. Robert Kilp, Leiter des Ordnungsamtes, hat eine andere Zählweise. Danach werden 42 Prozent aller Bilder an Schulen und in deren unmittelbarer Nachbarschaft gesprüht. Deshalb steht bei der Prävention die Aufklärung an Schulen an erster Stelle.

Die Europaschule in Zollstock wurde zum Modellprojekt im Kampg gegen Graffiti

In diesem Jahr arbeitete man – auch im Rahmen von „Sauberes Veedel“ – mit der Europaschule in Zollstock zusammen. Zunächst wurde Schule und Umgebung von 3.000 Quadratmetern Graffiti gereinigt. Die Schüler sollten erfahren, mit welchem Aufwand dies verbunden ist. Daneben wurden sie unter anderem über die strafrechtlichen Folgen des illegalen Sprayens informiert, auch Lehrer und Eltern wurden einbezogen. Als Erfolg könne eine deutliche Abnahme der Schmierereien beobachtet werden, so Kilp. Außerdem seien die Schüler generell im Umgang mit ihrer Schule achtsamer.

An der Hauptschule Großer Griechenmarkt lief das Projekt „Graffiti und die KVB“. Deren Abschlussklasse setzte sich im Sommer künstlerisch mit dem Thema „Graffiti auf Straßenbahnen“ auseinander, dabei wurden auch die finanziellen und juristischen Folgen dieser Straftaten herausgearbeitet. Die Arbeitsergebnisse sind noch bis zum 30. November im Kalk-Karree zu sehen (Ottmar-Pohl-Platz 1).

Die U-Bahn-Station Poststraße und Umgebung konnten lange graffitifrei gehalten werden

Zur Gefahrenabwehr setzt die Polizei auf Schwerpunktmaßnahmen. Dazu gehört vor allem die gezielte und längere Überwachung einzelner Orte durch Beamte in Zivil. dadurch konnte etwa die U-Bahn-Haltestelle Poststraße und deren Umgebung „auf lange Zeit“ graffitifrei gehalten werden, so Hömann.

Gegründet wurde die KASA vor 13 Jahren. Sie hat 37 Mitglieder, darunter die Stadt und städtische Gesellschaften, die Polizei, das Amtsgericht, Verkehrsunternehmen, Hausbesitzer wie der WDR, die Kirchen, GAG, die Deutsche Telekom und deren Verbände, aber auch Unternehmen, die an der Beseitigung von Graffiti verdienen wie Bayer Materialscience oder die Innung des Gebäudereinigerhandwerks. Wenn es die KASA nicht gäbe, sähe Köln anders aus – darin sind sich alle Beteiligten einig.

Kommentar.

Kunst oder nicht Kunst – für die KASA ist das keine Frage. Für sie ist jedes illegale Graffiti ein Angriff auf den Besitz. Diese Sichtweise ist nicht nur rechtlich abgesichert, sie ist auch und besonders beim „kleinen Hausbesitzer“, der immer wieder gern zitiert wird, verständlich. Vor allem angesichts der vielen wenig originellen „Tags“, den Namenszeichen, mit denen die Sprayer ihr Revier markieren wie Hunde dies durch Beinchenheben tun.

Doch drückt sich die KASA vor einer grundsätzlichen Auseinandersetzung: Wem gehört die Stadt, wem gehört der öffentliche Raum? Halt, die KASA hat eine simple, eine entlarvende Antwort: Die Stadt gehört dem, der Geld hat! Dazu ein Beispiel. Wer in der Straßenbahn sitzt, möchte nach draußen gucken können. Wenn die KVB das „Scratchen“ verfolgt – also das Zerkratzen der Scheiben – ist das richtig. Doch wer zahlen kann, darf die Scheiben mit Reklame zukleben. Die KVB ist sich dieses Dilemmas durchaus bewusst, versucht derlei Reklame zurückzuschrauben. Der Hinweis „Werbung ist reglementiert, Scratchen nicht“, ist dann doch etwas einfach.

Machen Graffiti Köln hässlich? Sind es nicht eher dunkle, unübersichtliche Fußgängerunterführungen, oft Relikte einer „autofreundlichen“ Planung, die auf Fußgänger keine Rücksicht nahm. Graffiti sind hier die Folge, bestenfalls „Begleiterscheinungen“ einer unmenschlichen Architektur, nicht aber Auslöser von Angstgefühlen und Verschmutzung.

Nehmen kahle Lärmschutzwände aus Beton Rücksicht auf ästhetische Gefühle der Menschen (Beton als Baustoff kann durchaus sehr schön sein!)? Laden die Säulenreihen unter der Hochbahn zum gemütlichen Verweilen ein? Warum stören hier Graffiti? Und sind die zahlreichen beleuchteten Werbestände nicht die wahre ästhetische Umweltverschmutzung? Doch wie singen schon die Paveier op jot kölsch: "Ich han de Musik bestellt, darum bestimm' ich auch wat se spellt."

 





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