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25. 05. 2012
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Keine Sicherheitsbedenken gegen Nutzung der besetzten KHD-Kantine


22.07.2010 14:17 von:

Schlagwörter: Köln,Kampagne Pyranha,KHD-Kantine,Besetzung,Bauaufsicht,Roters,Stadtsparkasse Kö

(js) "Es gibt keine Gefährdungsgründe, die eine sofortige Schließung erforderlich machen" – so das erste Fazit von Detlef Fritz, Amtsleiter der städtischen Bauaufsicht. Er zog es am Donnerstag Vormittag nach einer gemeinsamen Begehung der ehemaligen KHD-Kantine mit Feuerwehr und Rheinenergie. Der seit rund acht Jahren leerstehende Bau in Kalk war Ende April von der Kampagne "Pyranha" besetzt worden mit dem Ziel, dort ein "Autonomes Zentrum" zu errichten. Bis heute fanden dort zahlreiche Veranstaltungen statt. Die Sparkasse KölnBonn als Besitzer hatte dagegen festgestellt, dass aufgrund von "Sicherheitsbedenken" das Gebäude "auf keinen Fall für eine Nutzung als Kultur- oder Veranstaltungszentrum "geeignet" sei. Außerdem hat sie Strafanzeige gegen die Besetzer wegen Hausfriedensbruch gestellt.

Oberbürgermeister Jürgen Roters, von den Besetzern als Vermittler angerufen, hat sich auf die Seite der Sparkasse gestellt, gleichzeitig aber auch die Begehung "ohne Polizei" zugesagt. Auch wenn das Gebäude nicht sofort geschlossen werden muss, gibt es eine lange Mängelliste. So lassen sich Brandschutztüren nicht schließen, Notausgänge sind nicht frei, eine Notbeleuchtung fehlt. Keller- und Obergeschoss eignen sich nicht für öffentliche Veranstaltungen. "Das ist uns schon vorher klar gewesen", erklärte Architekt Bodo Marciniak, "in seiner Substanz ist das Haus nicht baufällig, zwar nach dem langen Leerstand heruntergekommen, aber zu sanieren."

Der Architekt war von den Besetzern im Vorfeld zu Rat gezogen worden. Er kennt sich mit der Sanierung und Umwandlung von Fabrikgebäuden in Kulturstätten wie dem Kulturbunker Mülheim oder dem Deutzer Kunstwerk aus. "Das alles hier kann in Ordnung gebracht werden", führte er aus, die Frage sei allein, wie viel Geld man aufbringen wolle. Die Besetzer haben nicht nur ordentlich Dreck weggeräumt, sondern auch schon Toilettenrohre erneuert, das Dach abgedichtet und elektrische Leitungen erneuert. "Ich sehe keine Gefährdung, keinen Missbrauch und keine nicht-fachgerechten Installationen", begutachtete der Rheinenergie-Vertreter. Er wunderte sich allerdings über die höchstmoderne digitale Verteileranlage im Keller und die Tatsache, dass vor fast einem Jahr noch ein Glasfaseranschluss gelegt wurde.

Die jugendlichen Besetzer sind zu weiteren Investitionen bereit, haben nach eigenen Angaben sogar schon 200 Euro für Nebenkosten überwiesen. Sie wären bereit, einen Vertrag über eine Zwischennutzung zu akzeptieren. Die Bezirksvertretung hat sich für den Erhalt des "Autonomen Zentrums" ausgesprochen. Pläne für eine zeitnahe Nutzung des Geländes existieren nicht. Das genaue Ergebnis der Begehung wurde für Anfang der nächsten Woche angekündigt.

Vor der Begehung hatte es heftige Diskussionen zwischen den Besetzern und den Vertretern der Sparkassen-Tochtergesellschaften RheinEstate und Sawor gegeben. Als Eigentümer wollten sie an der Begehung teilnehmen, was ihnen aber von den Besetzern "nach einstimmigem Plenumbeschluss" verweigert wurde. Auch dem Rechtsanwalt bestritten sie den Zugang. Dies sei erst wieder möglich, so die Erklärung, wenn die Strafanzeigen zurückgenommen würden. Nach längerer interner Rücksprache verzichteten die Sparkassen-Vertreter auf ihre Teilnahme. Zunächst war auch Presseleuten der Zugang verwehrt worden.

Bislang fanden im "AZ" hauptsächlich Konzerte und Filmvorführungen statt. Geplant sind wöchentliche Sporttreffen, Massage- und Yogakurse sollen angeboten werden, Arbeitslosenberatung und Hausaufgabenhilfe sind "angedacht". Darüber muss aber jeweils einstimmig das Besetzer-Plenum entscheiden.

Kommentar

Eine Stadt lebt nicht nur von "Leuchttürmen", sondern von der Vielfalt ihres kulturellen und sozialen "Humus". Wenn sie kein Geld hat – wie im Moment Köln – sollte sie froh sein über jede Initiative von unten, die dieses Spektrum aus eigener Kraft erweitert. Ein "Autonomes Zentrum" könnte im Brennpunkt Kalk eine wichtige Rolle spielen, auch wenn zu seinen Geburtswehen zweifellos der Tatbestand der illegalen "Besetzung" gehört. Dass sich OB Jürgen Roters zunächst auf die Seite des Rechts und damit der Eigentümer stellt, ist verständlich.

Aber, so heißt es in Artikel 14,2 des Grundgesetzes: Eigentum verpflichtet. Bislang ließ der Eigentümer sein Eigentum verkommen. Zur Erinnerung: Der Eigentümer ist die Stadtsparkasse, die gehört auch der Stadt – und damit den Bürgern. Der Oberbürgermeister sollte sich also auch seiner sozialen Verantwortung für alle Bürger bewusst sein und seinen Einfluss zumindest für eine Zwischennutzung für ein "Autonomes Zentrum" geltend machen. Wenn dann die Kampagne Pyranha auch ihr soziales Angebot verstärkt, könnte dies der Anfang für ein akzeptiertes selbstverwaltetes Bürgerzentrum werden. Es wäre nicht das erste in Köln.







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