25. 05. 2012
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Köln bei Städtevergleich der agiplan auf Rang drei
Schon der Kulturwirtschaftsbericht der Stadt Köln spricht von dem gewaltigen Potenzial der Kreativbranche. Doch ist dieser Begriff weder klar noch eindeutig bestimmbar. Ungeachtet dieser methodischen Abgrenzungsprobleme machten sich die Marktforscher des Mülheimer Beratungsunternehmens agiplan daran, das Thema Kreativwirtschaft mit den Faktoren der Wettbewerbsfähigkeit von Wirtschaftsstandorten in Deutschland verorten und miteinander in Beziehung zu setzen. Heraus kam ein weiteres Ranking, das der Domstadt eine erfreulich hohe Platzierung zurechnet. Bei ihrer Methodik orientierten sich die Autoren der Studie an der Definition des US-amerikanischen Wirtschaftstheoretikers Richard Florida. Dabei erfassten die Autoren die Faktoren Technologie, Talente und Toleranz. Gerade Letztgenannter entzieht sich zumindest in Deutschland jedoch noch der kleinräumlichen Analyse. Grund dafür sind fehlende Zahlen der Anzahl homosexueller Menschen in den jeweiligen Kommunen. Die gab es zum Zeitpunkt der Erhebung nur in den kreisfreien Städten. Da solche Daten gemeinhin nicht veröffentlicht werden, orientierte sich agiplan an den Daten des Dating-Portals "gayromeo", eine Grundgesamtheit von rund 280.000 Online-Nutzern, wie Projektleiterin Alexandra Landsberg bei der heutigen Vorstellung erläuterte. Erst wenn dieser Indexwert ("Gay Index") gewichtet in die Gesamtrechnung einfließt, steht Köln als Drittplatzierter mit auf dem Treppchen. Ohne den Gay Index wäre für Köln allerdings nur der zwölfte Rang herausgesprungen, innerhalb der Gruppe der kreisfreien Städte immerhin noch Rang neun.
Grundsätzlich steigt der ermittelte "TTT-Index" mit der Größe der Städte. So sind die vier deutschen Millionenstädte allesamt auch in der Spitzengruppe der Bestplatzierten vertreten. Unter den kleineren Städten gibt es einige "Perlen" wie Aachen, Freiburg im Breisgau oder Darmstadt. Hier vermochten die Verantwortlichen durch gezielte Stadtpolitik das Beste aus ihrem kreativen Potenzial zu machen, wie Landsberg umschrieb. An Nummer 1 liegt demnach die bayerische Landeshauptstadt München, gefolgt von der Bundeshauptstadt Berlin. Hinter Köln folgen Stuttgart und mit Erlangen auch der erste Vertreter der kleineren Großstädte. Für Köln ergibt sich daraus vor allem bei der Technologie erheblicher Nachholbedarf. Mit einem Wert von 0,21 liegt man nur knapp über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Erlangen liegt dank der Universität und ihrer überragenden Bedeutung für den Standort mit 4,43 Punkten auf Rang 1. Vor allem kleinere Städte wie Ulm, Darmstadt und Jena konnten hier dank der bisherigen Schwerpunktbildung im Bereich Spitzenforschung punkten. Beim Talenteindex, gemessen am Anteil der kreativ Beschäftigten an der Gesamtmenge aller Beschäftigten, liegt Köln mit einem Wert von 1,55 bereits im vorderen Mittelfeld. Aber erst wenn die den Rheinländern gerne zugesprochene Toleranz hinzugerechnet wird, ergibt sich für Köln ein Spitzenplatz. Der Toleranz-Indexwert ist mit 7,94 Punkten der zweithöchste in ganz Deutschland.
"Die besten Talente folgen heute nicht den Unternehmen, sondern die Jobs folgen den Kreativen", beschrieb der geschäftsführende Gesellschafter der agiplan, Dr. Christian Jacobi, den derzeitigen ökonomischen Megatrend. In Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels ist es deshalb notwendig, sich über die Rolle der Kreativbranche im Klaren zu sein. Köln verfolgt dabei nach Auskunft des Leiters der städtischen Medienstabsstelle, Konrad Peschen, eine modulare Strategie. Mit kleinem Geld sollen Aktivitäten gefördert, aber vor allem die Netzwerkbildung der Kreativen untereinander in Gang kommen. "Man muss die Akteure manchmal an die Hand nehmen", weiß der Vertreter der Stadt. Eine "feinfühlige Steuerung der Stadtpolitik" empfiehlt Projektleiterin Landsberg. Am Beispiel Köln-Mülheim hat der Mülheimer Dienstleister bereits in den vergangenen zwei Jahren Einblicke in die Kreativmilieus der Domstadt nehmen können. Da liegen die wirtschaftlich erfolgreichen Protagonisten der Medienwirtschaft oft nur fußläufig von Stadtgebieten mit besonderem Förderbedarf entfernt. "Man muss versuchen, Berührungspunkte zu schaffen", empfiehlt Landsberg weiter.
Ein Beispiel aus Köln ist die in diesem Jahr erstmals umgesetzte Zusammenarbeit in den Bereichen Musik und Design. Mit dem Pop-Design-Festival kamen die Vertreter beider Kreativrichtungen im Frühsommer dieses Jahres im Rahmen der diesjährigen Musikmesse c/o pop zusammen. Eine der vielfach gestellten und immer wiederholten Forderungen ist die nach bezahlbarem Atelier- und Arbeitsräumen. Mit einem "co-working-space"-Konzept wolle man nun den jungen Kreativen den Spielraum verschaffen, den sie zum Ausbrüten kreativer Ideen benötigen. "Das ist ein Konzept, das uns wirklich weiterbringt", erklärte Co-Initiatorin Sabine Voggenreiter vom Design Quartier Ehrenfeld. Auch der Chef des Veranstalters der c/o pop, Norbert Oberhaus, freute sich über das Ergebnis des Rankings. Wie Voggenreiter ist auch der Musikexperte und Netzwerker ein ausgewiesener Kenner des Stadtteils Ehrenfeld. "Als ich vor 20 Jahren hier hinzog, war das ein reines Arbeiterviertel. Heute zeigt sich das Potenzial dieses Stadtteils", so Oberhaus weiter. Zwar gehören Künstler und der eigentliche Kern der Kreativen nicht zu den Aulösern und Inkubatoren von zukünftigem Wirtschaftswachstum. Das ist immer noch Aufgabe von Ingenieuren, Produktentwicklern und Erfindern. Aber die Atmosphäre eines solchen "hotspots" wird zunehmend wichtiger, wenn es darum geht, "high potentials" anzulocken, so die einhellige Meinung aller Experten. Und da hat Köln in der Tat einen Spitzenplatz verdient.


























