Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





25. 05. 2012
Seite drucken

Köln erinnert der Opfer der NS-Zeit und feiert Wiedersehen


03.09.2009 05:52 von:

Schlagwörter: Köln,NS-Dokumentationszentrum,Winton,Train,Hauptbahnhof,Denkmal,Militärjustiz,Op

Wer am gestrigen Mittwochnachmittag als Berufspendler auf die Regionalbahn 48 in Richtung Wuppertal zur Heimreise von Arbeit und Stress nutzen wollte, staunte nicht schlecht über die vielen Kamerateams und Fotografen. Der Medienauflauf hatte einen guten Grund. Um 16:57 Uhr hielt der so genannte "Denton Train", ein Zug mit einer historischen Dampflock und Waggon, die im Jahr 1935 gebaut und von der Reichsbahn bewirtschaftet wurde. Mit einem solchen Zug unternahm ein Brite namens Nicolas Winton während der NS-Schreckensherrschaft eine jener Heldentaten, die uns Deutschen Erinnerung geben an eine Zeit, in der Humanität, Nächstenliebe und selbstloser Einsatz für Leib und Leben anderer die Ausnahme und nicht die Regel waren. Genau vor 70 Jahren – im Jahr 1939 – wurden auf Initiative Winton 669 zumeist jüdische Kinder aus Prag über Köln nach London gefahren. Die jungen Insassen entkamen damit den Fängen der SS-Schergen und damit wohl einem sicheren Tod. Einige der damals Geretteten kamen denn auch in dem historischen Zug in die Domstadt, um sich hier unter anderem auch das NS-Dokumentationszentrum sowie andere Sehenswürdigkeiten der Stadt anzusehen. Bezirksbürgermeister Andreas Hupke begrüßte gemeinsam mit Dr. Werner Jung, dem Direktor des Dokumentationszentrums, die Zeitzeugen und ihre mitgereisten Familienangehörigen.

Der britische Bankmitarbeiter Winton hatte zu jener Zeit in Prag hautnah die unmenschlichen Zustände in der bereits unter Nazi-Herrschaft stehenden Tschechoslowakei miterlebt. In einer dramatischen Aktion verschaffte sich Winton einen Zug samt Dampflok, warb bei den von den Nazis Verfolgten und schaffte so ein kleines Wunder. 669 Menschen zumeist jüdischen Glaubens verdanken dem mutigen und couragierten Briten vermutlich ihr Leben, mindestens aber schreckliche Kindheits- und Jugenderlebnisse. Einige der Züge waren verplombt, was den Insassen des Zuges eine gewisse Sicherheit gab. Nach mehreren Haltepunkten an deutschen Bahnhöfen, neben Köln war auch Nürnberg einer der Stationen der Erinnerungskultur, ging es dann über die niederländische Grenze in Richtung Großbritannien. An der Grenze zu den Niederlanden erlebten die damaligen Kinder und Jugendlichen erstmals eine freudige Überraschung. Sie wurden von den Niederländern mit kleinen Geschenken wie Schokolade oder Bananen überrascht. Im Gegensatz zur heutigen Form der Fortbewegung in den historischen Waggons reisten die Kinder damals unter menschenunwürdigen Umständen, aber sie blieben am Leben. Die Eltern der damals Geretteten erlitten das gleiche Schicksal wie Millionen anderer Verfolgter.

Wie schon in Nürnberg waren die Verantwortlichen auch in Köln bemüht, der damaligen Schreckensherrschaft das moderne Bild einer aufgeklärten, toleranten und multi-ethnischen Stadtgesellschaft entgegen zu setzen. Der Besuch kam den Verantwortlichen des NS-Dokumentationszentrums gerade recht. Erst einen Tag zuvor hatten sie ein in Deutschland wohl einmaliges Denkmal eingeweiht. Das mit zahlreichen bunten Inschriften versehene Stahlgerüst soll an die Opfer der NS-Militärjustiz erinnern. Experten gehen davon aus, dass von den insgesamt 30.000 rund 20.000 Todesurteile der Militärgerichte vollstreckt wurden. Bislang war es privaten Akteuren überlassen, an diesen Aspekt des NS-Unrechtsregimes zu erinnern. Köln darf für sich in Anspruch nehmen, nicht nur ein Denkmal aus städtischen Mitteln errichtet zu haben. Es gab darüber hinaus sogar einen internationalen Ideenwettbewerb, aus dem der Entwurf des frankophonen Schweizers Ruedi Baur als Sieger hervorging. An dem Projekt haben außerdem die beiden Künstler Denis Coueignoux und Karim Sabono mitgearbeitet. Die Stadt investierte in diese Gedenkstätte inklusive Wettbewerb 120.000 Euro, weitere 15.000 Euro steuerten private Spender bei. Auch diese Stätte werden sich die Ehrengäste des Zuges ansehen.







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse