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26. 05. 2012
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Kölner Stadtarchiv – Bilanz nach zwei Jahren


28.02.2011 23:02 von:

Schlagwörter: Köln,Pressekonferenz,2011,Februar,Zwischenbilanz,Archiveinsturz,Stadtspitze,KVB,

Am heutigen Montagmittag fand im digitalen Lesesaal des Übergangs-Archivs am Kölner Neunmarkt eine Bilanzpressekonferenz der etwas anderen Art statt. Knapp zwei Jahren nach der Einsturzkatastrophe, bei der zwei Menschen ihr Leben verloren und das historische Gedächtnis der Stadt buchstäblich in den Abgrund fiel, zeigten sich die Verantwortlichen betroffen. Am Vorabend des 3. März, der in diesem Jahr auf Weiberfastnacht und damit den Beginn der heißen Karnevalstage fällt, wollen die Verantwortlichen der Stadt in einer eher schlichten Zeremonie einen Kranz an der Unglücksstelle ablegen. Ansonsten gab es wenig Neues zu berichten, die meisten Tatsachen waren bereits im Vorfeld bekannt. Trotz aller Trauer und Betroffenheit versuchte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters der Katastrophe etwas Positives abzugewinnen. "Der Einsturz hat im Bewusstsein der Menschen manches verändert. Das hat Köln gut getan", erklärte das Kölner Stadtoberhaupt sichtlich bewegt. Dass inzwischen der überwiegende Teil der anstehenden Entschädigungszahlungen erfolgt und zwei der drei betroffenen Schulen wieder in ihre alten Räumlichkeiten umgezogen sind, ist ein weiteres positives Beispiel dieser Zwischenbilanz. Angesichts einer erwarteten Gesamtschadenssumme von mindestens einer Milliarde Euro und einem Restaurierungsaufwand, der rund 200 Restauratoren für die nächsten 30 bis 50 Jahre beschäftigen wird, ist dies aber nur ein schwacher Trost. "Der Einsturz des Stadtarchivs ist eines der dunkelsten Kapitel der Kölner Stadtgeschichte. Zwei junge Menschen verloren ihr Leben, ihnen gilt unsere Erinnerung, den Angehörigen unser Mitgefühl", stellte Roters klar.

Mammutaufgabe Restaurierung

350 bis 400 Millionen Euro mindestens wird die Restaurierung der geborgenen Schätze aus der Baugrube kosten. Derzeit befindet sich allerdings die meisten geretteten Archivalien in einem der insgesamt 20 so genannten "Asylarchive". Nach Aussage von Kulturdezernent Prof. Georg Quander sind derzeit gerade einmal 15 Prozent der Bestände überhaupt erfasst. Folglich wird alleine die Sortierung der Überreste – mehr als ein Drittel der über 30 Regalkilometer, die sich vor dem Einsturz im alten Haus befanden, sind schwerst beschädigte, nur 15 Prozent leicht – noch mindestens drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen. Gute Miene zum bösen Spiel machte Quander in Sachen Stiftung Kölner Stadtgedächtnis. Zwar lobte er den "großzügigen Beitrag" der Stadt Köln (drei Millionen Euro) und die Bereitschaft, dass das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik höchstpersönlich die Schirmherrschaft übernommen hat. Nicht vergessen dürfte jedoch sein, dass Bund und Land sich mit einem Zuschuss von jeweils einer Million Euro recht zurückhaltend und erst nach mehrmonatiger Verzögerung zu ihrem Anteil an der Stiftung verpflichteten. Im Vorfeld hatten nicht wenige auf deutlich höhere Stiftungszuschüsse gehofft. "Bund und Land erkennen damit die nationale Bedeutung des Stadtarchivs an", gab sich Quander diplomatisch.

KVB räumt Fehleinschätzung bei Zeitschiene ein

Auch die beiden KVB-Vorstände zeigten sich in ihren Statements betroffen. Für den damals frisch ins Amt berufenen neuen Vorstandssprecher Jürgen Fenske war die Situation nach dem 3. März etwas, was er "so noch nie erlebt hat". Dass die stadtnahe Verkehrsgesellschaft danach erst einmal Scherben wegkehren musste, gleichzeitig den restlichen Regelbetrieb und die anstehenden Maßnahmen zur Wiedergutmachung und zum Management des restlichen Baubetriebs der Nord-Süd-Stadtbahn stemmen musste, nötige dem KVB-Chef zu einem ausdrücklichen Dank an seine Mitarbeiter. Rund 5,1 Millionen Euro seien als Entschädigungen gezahlt worden, etwas mehr als die Hälfte aus Kulanz. Mit 213 von 243 Antragstellern habe man eine einvernehmliche Lösung erzielen können. Inzwischen ist man an den meisten Baustellen der Nord-Süd-Stadtbahn mit den Rohbauarbeiten fertig bzw. stehe kurz davor. Noch in diesem Jahr, so versprach Fenske, werden die Kölner mit eigenen Augen den Baufortschritt sehen können. Im August 2011 sollen die Bauzäune auf dem Alter Markt verschwinden, am Breslauer Platz bereits drei Monate früher. Auch der Chlodwigplatz soll in diesem Jahr provisorisch hergerichtet werden, die Bonner Straße endgültig fertiggestellt sein. Zumindest von Norden her soll die Haltestelle Dom/Rathaus bereits Dezember 2012, die Haltestelle Heumarkt im Dezember 2013 angefahren werden (Teilinbetriebnahme). Angesichts der inzwischen eingeräumten voraussichtlichen Verzögerung denkt die Verkehrsgesellschaft ernsthaft auch über eine Teilinbetriebnahme des südlichen Streckenabschnitts nach. Das würde etwa zehn Millionen Euro kosten, sein Unternehmen hat dazu eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, teilte der KVB-Chef mit.

Eine Fehleinschätzung kann Fenske zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr abstreiten. "Wir haben noch einige Wochen nach dem Unglück geglaubt, wir könnten den Zeitpunkt Ende 2013 als Startpunkt der Nord-Süd-Stadtbahn halten", erklärte der KVB-Vorstandssprecher. Heute wissen es die Verantwortlichen besser. So sind nach Auskunft seines Vorstandskollegen Jörn Schwarze die Bauarbeiter derzeit immer noch mit der Beseitigung der tonnenschweren Fundamenttrümmer beschäftigt. Die müssen wegen ihrer Größe unter Wasser zerkleinert werden, bevor sie weggeräumt werden können. Ab Mitte März sollen dann die restlichen Archivalien (geschätzte fünf Prozent des Gesamtbestandes) geborgen werden. Im August soll dann mit der Einrichtung eines außenliegenden Besichtigungsbauwerks begonnen werden. Die KVB vermutet, dass ein Fehler an der Schlitzwand-Lamelle 11 für den Einsturz verantwortlich sein soll. Um das in Augenschein zu nehmen, muss ein 5,85 mal 11,30 Meter großer Schacht in einem ersten Bauabschnitt und mit Hilfe von Nassbaggerarbeiten (Saugpumpe) vorangetrieben werden. Sollte der gerichtlich einbestellte Gutachter dabei die Ursache nicht abschließend klären, geht es noch tiefer in den Stadtuntergrund. Schon die erste Baustufe soll bis Sommer kommenden Jahres andauern. Sollte darüber hinaus ein zweiter Bauabschnitt notwendig werden, geht es bis in eine Tiefe von 45 Meter unter das Niveau und damit sogar etwas tiefer als die Schlitzwände selbst. Wie lange das dauert, lässt sich derzeit ebenso wenig bemessen wie die endgültige Fertigstellung der Nord-Süd-Stadtbahn in Gänze. Fenske wiederholte auf der heutigen Pressekonferenz das Datum 2017 oder 2018. Unlängst berichtete die Kölnische Rundschau, dass auch das Jahr 2019 als möglicher Fertigstellungstermin in Frage kommt. "Vieles ist fremdbestimmt", so der abschließende Satz des KVB-Chefs.







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