25. 05. 2012
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Kölner Zoo: Moschusochsenkuh Lily hält nichts von Mutterliebe
(ehu) Etwas verloren läuft das kleine Moschusochsenkalb Luna durch das Gehege im Kölner Zoo. In die Nähe seines Vater Nuuk traut es sich, doch zur Mutter Lily hält es respektvoll Abstand. Kein Wunder: Mutter Lily hat es vier Wochen nach der Geburt recht massiv – sogar mit den Hörnern – verstoßen. Zookurator Alexander Sliwa versteht das nicht: "Bei ihren drei Jungen vorher war sie immer eine hervorragende Mutter."
Das war sie zunächst auch in diesem Fall. Nach der Geburt am 8. Mai säugte sie ihr Kleines, schirmte es ab. Dann der Bruch in ihrem Verhalten. Zufall oder nicht – anschließend litt Luna unter Durchfall. Vielleicht Trennungsschmerz, wenn diese Vermenschlichung erlaubt ist? Da Moschusochsenkälber schon mit einem Monat Gras und Laub fressen, war zumindest die Ernährung kein Problem.
Noch dürfen Bruder Lovis und Tante Pamela nicht zu Luna ins Gehege
Inzwischen ist die Kleine wieder "in gutem Zustand", so Sliwa, und konnte am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Der Biologe schätzt, dass Luna zwischen 30 und 35 Kilo wiegt, bei ihrer Geburt dürften es zehn bis 14 gewesen sein. Da die junge Kuh nicht mehr von ihrer Mutter geschützt wird, ist Vorsicht geboten, wenn die anderen Herdenmitglieder wieder ins Gehege dürfen: Bruder Lovis, im Vorjahr geboren, und "Tante" Pamela. Das könnte gefährlich für Luna werden. "Da müssen wir genau aufpassen."
Auch wenn die Tiere wie kleine Rinder aussehen – streng genommen sind es Ziegen. Die Kölner Herde gehört zu den Grönland-Moschusochsen, die etwas kleiner als ihre Artgenossen im arktischen Nordamerika oder in Sibirien. Von ihnen gibt es noch rund 30.000 Exemplare. Zur Bestandssicherung wurden sie u.a. in Schweden ausgesiedelt. Ein Zuchtprogramm in europäischen Zoos – drei davon in Deutschland – führt rund 50 Tiere.
Lunas Bruder Lovis wird noch im Herbst in einen tschechischen Zoo übersiedeln. Die siebenjährige Lily kam 2006 aus Krefeld, Pamela aus Helsinki. Der Bulle Nuuk ist 14 Jahre alt, er wurde als Jungtier in Grönland gefangen. Moschusochsen hält der Kölner Zoo seit 1991, seitdem wurden 14 Jungtiere geboren.
Die globale Erwärmung mit feuchtem Wetter bedroht die Moschusochsen in ihrer Existenz
Nach einer Beinahe-Ausrottung um 1900 sind die Moschusochsen aktuelle keine vom Aussterben bedrohte Tierart. Doch sind sie langfristig – ähnlich wie der Eisbär – durch die Folgen des Klimawechsel, insbesondere die globale Erwärmung gefährdet. Dies ist hier besonders feuchtes Wetter, den darauf sind sie mit ihrem dichten langen Fell und der überaus feinen Unterwolle nicht eingerichtet. So soll immer mehr Tiere an Lungenentzündung sterben.
Charakteristisch für Moschusochsen ist ihr ausgesprochener Herdenzusammenhalt. Droht etwa Gefahr, schließen sie sich zu einem Kreis zusammen, in dessen Mitte die Jungtiere geschützt werden. Die Alttiere wenden sich mit ihren Hörnern nach außen. Ihren Namen haben sie von dem Geruch, den der Urin der Bullen während der Brunstzeit aussendet. Die beginnt, so Sliwa, in den nächsten Wochen.


























