25. 05. 2012
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Kulturzentrum am Neumarkt nach 15 Jahren endlich fertig
(js) Es war eine Planungs- und Baugeschichte der Pannen, Pleiten und Peinlichkeiten. Nach 15 Jahren hat sie endlich ein gutes Ende gefunden: Am morgigen Freitagabend wird das neue Kulturzentrum am Neumarkt feierlich eröffnet. Das Rautenstrauch-Joest-Museum hat sein neues Zuhause mit mehr Platz, darüber kann sich auch das benachbarte Schnütgen-Museum freuen, das sich nun den EIngang mit dem "RJM" teilt. Und schließlich verfügt auch die VHS wieder über einen Veranstaltungssaal mit Bühne und 350 Plätzen. Am Samstag und Sonntag
darf sich – bei freiem Eintritt – auch der gemeine Kölner jeweils von 10-20 Uhr das neue Zentrum anschauen. Dazu gibt‘s ein Rahmenprogramm, u.a. mit Mamma Africa, den Talking Horns, Martin Stankowski und Wolfgang Niedecken.
Wie bestatten die Menschen in Indonesien ihre Toten, wie in Mexiko oder in Peru? Im neuen Rautenstrauch-Joest-Museum stellt man nicht mehr Völker nach Kontinenten sortiert vor, sondern geht – thematisch geordnet – den Fragen nach, die die Menschen überall beschäftigen und zu denen sie unterschiedliche Antworten gefunden haben. Folgerichtig hat man sich auch einen neuen Namen gegeben: Statt "Museum für Völkerkunde" nennt man sich jetzt im Untertitel "RJM – Kulturen der Welt". Damit will man sich gleichzeitig von den alten, von kolonialem Denken geprägten Verständnis der Ethnologie distanzieren, so Museumsdirektor Klaus Schneider.
Neben "Tod und Jenseits" ist die Kleidung ein Thema: Wie wird durch sie Stand, Herkunft, Geschlechterrolle oder Abgrenzung definiert? Welche Unterschiede und Probleme gibt es beim Wohnen: Geschlechtertrennung auf Papua-Neuguinea, Generationenwohnen in einem Zelt bei den Plains-Indianer in den USA, Gastfreundschaft in der Türkei und das Überleben der Tuareg in der lebensfeindlichen Sahara. Man geht der Frage nach "Kunst oder Gebrauchsgegenstand?", stellt sich Vorurteilen und stellt die eigene Museumsarbeit vor. Dazu hat man einen indonesischen Yams-Speicher zerlegt und kopfüber über Vitrinen mit Arbeitsutensilien aufgehängt – ein spektakuläres Bild.
Speziell für Kinder ist das Thema "Rituale beim Übergang in die Erwachsenenwelt" gedacht. In einem eigenen Junior-Museum erfahren sie, welche Bedeutung die hiesige Kommunikation hat und die türkische Beschneidung (die mittlerweile ja auch hiesiges Ritual ist). Wie auf Mädchen in Sierra Leone und auf Jungen kanadischer Pazifikindianer Geheimbünde warten, in denen sie auf das Erwachsensein vorbereitet werden. Und wie junge Japanerinnen ihr Mädchenfest feiern. Auch im "Erwachgsenen-Museum" gibt es immer wieder spezielle Kinderstationen. In einer "Fühlbox" können sie etwas ertasten, was sich dann als Kopf einer Dornschwanzagame, Nachbarin der Tuareg, entpuppt. Oder sie entdecken in Bodenluken verschiedene Grabbeigaben.
Insgesamt ist die Präsentation übersichtlich, voller Überraschungen und ohne pädagogischen Zeigefinger. Die Schummrigkeit ist der Lichtempfindlichkeit der Exponate geschuldet. Zwar wirkt das Museum von außen eher wie eine Backstein-Wehrburg und wenig einladend, innen ist dagegen luftig und barrierefrei. Die 66 Millionen Euro, wovon das Land 24 beisteuerte, für das gesamte Projekt sind jedenfalls gut angelegt. Und RJM-Chef Klaus Schneider hofft, nach den unübersichtlichen Depot-Verhältnissen am Ubierring hier endlich einmal den gesamten Bestand – 65.000 Objekte – wissenschaftlich bearbeiten und erfassen zu können. Immerhin ist es das einzige Völkerkunde-Museum in Nordrhein-Westfalen.
Eine großzügigere Präsentation kann sich nun auch das Schnütgen-Museum leisten. Im Übergang zwischen Foyer und Altbau hängen jetzt – von der Sonne beleuchtet – Glasfenster aus dem Altenberger Dom, Sammlerin Irene Ludwig hat dafür extra sechs als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Im Anbau aus den 50er Jahren, er steht unter Denkmalschutz und war zuletzt mit Büroräumen überfüllt, sind nun vor allem Steinskulpturen zu sehen und in St. Cäcilien die mittelalterlichen Goldschmiede-, Holz- und Elfenbeinarbeiten. Schließlich wurde noch ein mittelalterlicher Garten angelegt.
Einen kleinen Dämpfer in die Vorfreude zur Eröffnung bringt allerdings Ludwig von Rautenstrauch, beratender Bürger im Kulturausschuss der Stadt und Enkel des Museumsgründers. Er mahnt eine Entscheidung über die kulturelle Neunutzung des Gebäudes am Ubierring an. Bislang erschöpfen sich die politischen Gremien in folgenlosen Diskussionen.


























