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26. 05. 2012
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LVR-Forscher sind Liebesschlössern auf der Spur


18.10.2009 08:49 von:

Schlagwörter: Köln,LVR,Völkerkunde,Liebesschloss,Höhner,Song,Liebesbeweis,Brauch,Italien,Forsc

Der neue Song der Kölschen Mundartband "De Höhner" trägt den Titel "Schenk mir Dein Herz". Auch den Musikern war nicht verborgen geblieben, dass auf der Hohenzollernbrücke zwischen Fußgängerweg und Bahntrassen immer mehr Schlösser an dem Trennzaun hängen. Inzwischen hängen dort weit über 1000 solcher Schlösser und fast alle tragen Namen und Datum der Liebenden. Mit diesem immer beliebter werdenden Brauch, der ursprünglich aus Italien kommt, wollen die Paare das Versprechen ewiger Liebe abgeben. Wenn das Schloss hängt und verschlossen ist, wird der Schlüssel in den Rhein geworfen. Irgendwann zur Mitte des vergangenen Jahres soll dieser Brauch dann vom Tiber an den Rhein geschwappt sein, vermutet die Völkerkundlerin Dr. Dagmar Hänel vom Landschaftsverband Rheinland. Allerdings sind auf einigen Schlössern Termine aus dem Jahr 2006 verewigt. Die ersten Schlösser könnten demnach bereits seit deutlich mehr als einem Jahr an der Brücke hängen. Aber so richtig Schwung bekam dieser Brauch tatsächlich erst im Sommer vergangenen Jahres.

Der Liebestreueschwur, der mit einem beschrifteten Schloss an der Brücke, besiegelt werden soll, ist demnach nicht nur Thema im neuen Höhner-Song, sondern zugleich Gegenstand von Forschungen. Das Phänomen kennen Italien-Urlauber bereits aus der Hauptstadt Rom. So hängen an der Milvischen Brücke über dem Tiber noch weitaus mehr dieser Schlösser, alle beschriftet und mit Datum versehen. Die Last der "armorchetti", der Liebesschlösser, hat sogar schon eine Brückenlaterne zum Einsturz gebracht. In Italien trägt auch die Popmusik zur Verbreitung dieses Brauchs bei: anschaulich wird er im Video zu Tiziano Ferros Song "Ti scatterò una foto" gezeigt. Die Entstehung dieses Brauches ist allerdings noch weitgehend unerforscht. "Möglicherweise entstammt er einem Ritual im italienischen Militär", so die Volkskundlerin Hänel vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte. In Florenz und einigen Orten in Südtirol dokumentieren junge Rekruten das Ende ihres Militärdienstes, indem sie die Vorhängeschlösser ihrer Spinde an den Brückengeländern anbringen. Hier symbolisiert der weggeworfene Schlüssel die wieder gewonnene Freiheit.

Der Brauch scheint sich derweil europaweit zu verbreiten. In den letzten Monaten erhielt die Völkerkundlerin Berichte von Reisenden über Liebesschlösser in zahlreichen anderen europäischen Städten eingegangen. Die meisten Berichte kommen dabei aus dem Ostseeraum, etwa aus Riga, Vilnius oder Kaliningrad, einige sogar aus China und Sibirien. "Die Liebesschlösser sind ein schönes Symbol, aber es ist kein Brauch mit langer Tradition und eindeutiger Geschichte. Sie tauchen in verschiedenen Orten auf, werden variiert und schnell populär, vor allem unter jungen Menschen", weiß Hänel. Auch Henning Krautmacher von den Höhnern gefällt der neue Liebesschlösser-Brauch: "Nach dem staatlichen Segen vor einem Standesamt und dem kirchlichen Segen vor dem Traualtar, gibt es jetzt auch noch einen kölschen Segen - also Dreifaltigkeit", so der Sänger der Band abschließend.







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