26. 05. 2012
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Ministerin hat entschieden: FH bleibt in Deutz
(ehu) Seit über drei Jahren wird diskutiert, drei Varianten standen zur Wahl, jetzt scheint es entschieden: Das Ingenieurwissenschaftliche Zentrum der Fachhochschule Köln bleibt am Standort Deutz. So hat es die Landeswissenschaftsministerin Svenja Schulze am heutigen Dienstag in Köln verkündet. "Eine gute Lösung für alle Beteiligten", fand sie – und alle Beteiligten stimmten ihr zu. Ein formales Hindernis gibt es noch: Der Rat muss noch einem Verkauf städtischer Grundstücke an das Land zustimmen. "Daran zweifle ich nicht", ist Oberbürgermeister Jürgen Roters überzeugt. Und die ersten Stimmen der Ratsparteien geben ihm Recht.
Der Reihe nach: Unstrittig ist, dass in den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wohl nicht besonders gut gebaut wurde. Jedenfalls müssen die damals entstandenen Gebäude des Ingenieurwissenschaftlichen Zentrums (IWZ) der Fachhochschule (FH) Köln dringend saniert und modernisiert werden, wie schon 2008 festgestellt wurde. Auch die technische Ausstattung ist marode, so könne jederzeit die Heizung ausfallen, sagte FH-Vizepräsident Rüdiger Küchler.
Zunächst wurde an Sanierung bei laufendem Betrieb gedacht. Das würde "grob geschätzt" 300 Millionen Euro kosten, so Ministerin Schulze, gut 20 Jahre dauern und den laufenden Betrieb erheblich stören. Folge: Die Attraktivität der FH sinkt, ihr gutes Image würde nachhaltig gestört.
OB Roters plädierte ursprünglich für die Verlagerung der FH nach Bayenthal
Der von der IHK Köln vorgelegte und vom Rat abgesegnete Masterplan für die Stadtentwicklung brachte eine neue Variante ins Spiel: Die Verlagerung der Fachhochschule vom rechtsrheinischen Deutz auf die linke Rheinseite. Platz genug wäre auf dem Gelände der "Domgärten", an der Alteburger Straße, wo einst die Dombrauerei stand. Das hätte zum einen den Reiz gehabt, dass die Fachhochschule mit IWZ und GWZ (Geisteswissenschaftliches Zentrum) an einem Ort vereint gewesen wäre. Zum anderen wäre hier – imagefördernd – in Verbindung mit der Universität eine "Wissenschaftsspange" entstanden. Das gefiel ursprünglich auch Roters.
Das aber hätte geschätzte 360 Millionen Euro gekostet. Zu teuer, so die Ministerin. Keine Rolle bei der Entscheidung gegen diese Idee habe das kleine Geschmäckle gespielt, der den Kauf des Geländes durch den landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) umweht. Der hat es nämlich von einer Tochterfirma des IHK-Präsidenten Paul Bauwens-Adenauer erworben. Möglich, dass sich demnächst ein Untersuchungsausschuss des Landtags damit beschäftigt.
Modernisierung und Neubau in Deutz wurde schon einmal diskutiert, aber zunächst verworfen
Wenn jetzt das IWZ in Deutz bleiben soll, wird damit ein alter Vorschlag der Fachhochschule aufgegriffen. Die wollte, nachdem die Sanierung bei laufendem Betrieb schon früh verworfen wurde, Neubauten auf benachbarten städtischen Grundstücken errichten: einem AWB-Betriebshof, einer Feuerwache und einem "Sozialhaus". Die aber standen damals nicht zur Verfügung. "Warum, weiß ich nicht, damals war ich noch nicht im Amt", so Roters. Jetzt aber sei es möglich. Die Feuerwehr wolle 2015 sowieso umziehen, die AWB sei kein Problem und die Sozialhäuser seien dringend sanierungsbedürftig und könnten an anderer Stelle moderner neu gebaut werden.
Von diesem Wandel zeigt sich FH-Professor Küchler erfreut und überrascht. "Mit den ersten Neubaumaßnahmen können wir schon auf unserem Grundstück beginnen", macht er Dampf. Auch Roters verbreitet Optimismus: Noch in diesem Jahrzehnt könnte die neue FH fertig sein. In "modularer Bauweise" sollen nach und nach die neuen Gebäude entstehen, die dann sukzessive bezogen werden können. Das alte FH-Hochhaus wird auf jeden Fall abgerissen, die alten Hörsäle bleiben bis zuletzt stehen. Kosten – wie in den anderen Fällen auch inklusive Grundstück – 250 Millionen Euro. "Die kostengünstigste, schnellste, funktionalste und flexibelste Lösung", fasst die Ministerin zusammen.
Zunächst muss ein Gutachter den Wert der städtischen Grundstücke bestimmen
Die insgesamt weit über noch städtischen 20.000 Quadratmeter würden nun dem Land "zeitnah" angeboten, beschreibt Roters den Fahrplan. Wenn Gutachter ihren Wert festgestellt hätten, werde es sofort Gespräche geben. Möglich sei auch ein Grundstückstausch zwischen Land und Stadt, deutete Schulze an. Vielleicht das "Filetstück" Domgärten? "Die Verlängerung des Grüngürtels zum Rhein hin – wie im Masterplan vorgesehen – wollen wir auf jeden Fall weiter verfolgen", so der OB. Entscheiden muss darüber aber am Ende der Rat.
Der Verbleib auf der "Schäl Sick" eröffnet die Möglichkeit, die FH mehr als bisher in Deutz und Kalk einzubinden. Der "Förderkreis rechtsrheinisches Köln" setzt sich schon lange dafür ein, von ihm gab‘s prompt einen Blumenstrauß für die Ministerin. Damit es aber auch klappt, soll es einen städtebaulichen Wettbewerb geben. Auch eine Mitbeteiligung der Bürger soll es bei der Planung geben, versprach Roters.
Kölner Parteien einig wie selten: "Optimal" und "win-win-Situation"
Nahezu ungeteiltes Lob kam von den Kölner Parteien. "Eine optimale Lösung für die Zukunft des IWZ", findet Kölns SPD-Vorsitzender Jochen Ott, FDP-Chef Ralph Sterck spricht von einer "win-win-Situation" für die Fachhochschule und die benachbarten Stadtteile. Gleiches sagt Jörg Frank, Geschäftsführer der Grünen-Ratsfraktion, und hofft, dass durch den Neubau die FH stärker in die Stadtteile eingegliedert werde. Auch die CDU stimmt der Entscheidung für Deutz zu, beklagt aber, dass dem Rat nicht das Gutachten vorliegt, das zu dieser Entscheidung führte. Auch Linkspartei und Freie Wähler begrüßen die Entscheidung für Deutz. Die Linken brachten dabei einen weiteren Vorschlag in die Debatte ein, wie mit dem Grundstück in Bayenthal verfahren werden könnte. "Die Fläche in Bayenthal soll nun sinnvoll genutzt werden, zum Beispiel für den Neubau einer dringend benötigten Gesamtschule", erklärte Linken-Fraktionssprecher Jörg Detjen.


























