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26. 05. 2012
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Müllentsorgung im morgendlichen Köln


22.08.2010 09:36 von:

Schlagwörter: Köln,AWB,Müllentsorgung,Ballonfestival,gamescom,Ringe,Kehrwagen,Sauberkeit,Polit

Rudolfplatz, 7:50 Uhr am Sonntagmorgen. Während aus der stadtweit bekannten und berüchtigten Nachtgaststätte Roxy am Kölner Rudolfplatz die letzten Partygäste in kleinen Grüppchen den Heimweg antreten, gibt es für ein Unternehmen bereits jetzt gut zu tun. Eine Kolonne von Mitarbeitern der Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe AWB ist unterwegs, um die Partymeile Ringe wieder so weit zu ertüchtigen, dass auch am heutigen Sonntag die Stadt nicht im Plastik und Glasflaschenmüll zu ersticken droht. Mit mehreren Kehrwagen und noch mehr Personal versucht man, der Wegwerfgesellschaft die Stirn, besser den Besen zu bieten. Schon eineinhalb Stunden zuvor haben die Kollegen des gleichen Unternehmens alle Hände voll damit zu tun, auf den Jahnwiesen und dem Parkplatz P5 die Hinterlassenschaften des Kölner Ballonfestivals wegzuräumen. Viel Arbeit und eine undankbare dazu. Trotz der Politikerappelle bleiben die Mitarbeiter der AWB keineswegs beschäftigungslos. Eher das Gegenteil scheint der Fall, zumindest gefühlt.

Dass Sauberkeit als Tugend nicht jedermanns Sache ist, konnte die Redaktion bei ihrer Fahrt durch das morgendliche Köln gleich an mehreren Stellen beobachten. Und nicht alleine der Kölner ist da bisweilen empfehlungsresistent. So scheinen die vielen verschiedenen Sauberkeitsinitiativen, die das Bewusstsein der Menschen ansprechen sollen und alleine den Kölner Haushalt pro Jahr einen beachtlichen Millionenbetrag kosten, an diesem frühen Sonntag nur den Mitarbeitern eben jener Abfallwirtschaftsbetriebe ein Anliegen zu sein. Dass Menschen ihre Zigarettenstummel an einer Bahn-Haltestelle achtlos auf den Boden werfen, obwohl der Abfalleimer mit Edelstahleinlage nur wenige Meter entfernt genau auf diesen Unrat geradezu wartet, oder ein verspäteter Diskothekengänger die Kunststoffverpackung seiner Zwischenmahlzeit gleich dreist auf den Gehsteig der Ringe wirft. Die einstündige Fahrt durch das linksrheinische Köln macht deutlich, wie wenig Sauberkeit im öffentlichen Raum zur Mentalität gehört, wenn nur der Ordnungsdienst nicht zur Stelle ist. Dessen Mitarbeiter können aber auch an diesem Sonntagmorgen nicht überall sein. Gipfel der Dreistheit: Obwohl der dazugehörige Altglascontainer nur wenige Meter entfernt steht, hat ein morgendlicher Heimkehrer, erkennbar am leicht beschwingten Gang, nichts Besseres zu tun, als die letzte Bierflasche dieses Tages in hohem Bogen einem Basketballer gleich auf einen Kinderspielplatz zu werfen. Darauf angesprochen reagieren die meisten Menschen eher aggressiv. "Das geht Dich nix an", ist da noch die freundliche Entgegnung auf den entsprechenden Hinweis.

Es sind Beispiele wie diese, die auch in politischen Gremien immer wieder zur Sprache gebracht werden. Heraus kommt dabei meistens der Ruf der nach zusätzlichem Personal. Die vor Monatsfrist einberufene Quasi-Pressekonferenz zur damaligen Situation am Aachener Weiher machte es deutlich. Besorgte Bürger, die sich über das Massensterben von Fischen und Vögeln am dortigen Kulturgewässer aufregten, forderten zusätzliche Ordnungskräfte, die darüber zu wachen haben, dass kein Bürger mehr Brot zur Entenfütterung in den Weiher wirft. In die ähnliche Richtung geht die Forderung, nachdem sich zur gleichen Zeit Kölner Medien über die Vermüllung der Grillwiesen öffentlich echauffieren und damit Druck auf die Politik ausüben. Und irgendwie fühlt sich der geneigte Beobachter an die Situation auf der Domplatte erinnert, wo vor zwei Jahren ebenfalls Unrat und mangelndes Sauberkeitsbewusstsein zu einer Sauberkeitsoffensive des damaligen Oberbürgermeisters führten. Immerhin: Die Domplatte wirkt heute aufgeräumter. Allerdings hat sich die Kölner Stadtgesellschaft diese Verbesserung im Erscheinungsbild des öffentlichen Raums teuer erkauft. Domstreife und zusätzliche Reinigungsintervalle der stadtnahen AWB kosten den Steuerzahler und damit die Gesellschaft einen hohen einstelligen Millionen Euro-Betrag, pro Jahr wohlgemerkt.

Auch wenn die insgesamt eingesammelte Müllmenge in den vergangenen Jahren tendenziell eher leicht zurückgeht, gefühlt ist Köln nur deshalb sauberer geworden, weil der betriebene Aufwand zur Reinigung deutlich gestiegen ist. So sind derzeit alleine bei der AWB 620 Mitarbeiter damit beschäftigt, 4,3 Millionen so genannte Reinigungsmeter vom Müll der Wohlstandsgesellschaft zu reinigen. 200 Fahrzeuge und Kleingeräte sind dazu notwendig, wie die AWB auf ihrer Internetseite mitteilt. Alleine aus den 229.000 Abfallbehältnissen entsorgen die Mitarbeiter pro Jahr 285.000 Tonnen Restmüll. Diese Dienstleistung muss letztendlich die Stadt bezahlen. Die AWB selbst erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz in Höhe von 103 Millionen Euro. Dabei wirkt es fast wie eine Farce, dass ausgerechnet einige Obdachlose, die in der Nähe des Rudolfplatz am heutigen Vormittag campierten, sich als ehrenamtliche Müllentsorger betätigten. Wo doch der gemeine Volksmund solche Menschen gerne als "verwahrlost" bezeichnet. So richtig es ist, in der frühkindlichen Erziehung bereits auf mehr Sauberkeit hinzuweisen, so lange wird es dauern, bis auch die Erwachsenengeneration die Erkenntnis heranreift, dass der Plastikbecher oder die Glasflaschen im übertragenen Sinne von uns allen aufgehoben werden muss. Erziehung zu mehr Sauberkeit ist ein wahrhaft dickes Brett, dass gebohrt werden muss.







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