26. 05. 2012
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Projekt zur Elektromobilität in Köln gestartet
Vor dem Rathaus stand am heutigen Montagmorgen eine Stromzapfsäule in rot-weiß. Der Aufbau hatte seinen Sinn, denn an diesem Tag startete das Mobilitätsprojekt "cologneE-mobil". Mit Unterstützung des Bundesverkehrs-, Bundeswirtschafts- und Landeswirtschaftsministerium will man an der Zukunft der Elektromobilität forschen. Neben den verschiedenen Ministerien sind auch der Kölner Energieversorger RheinEnergie AG, der Kölner Autobauer Ford-Werke GmbH sowie die Universität Duisburg-Essen als Partner mit an Bord. Als eine von acht Modellregionen wollen die Verantwortlichen hier vor Ort gleich mehrere Aspekte von Elektromobilität austesten. "Wir haben uns was vorgenommen", kommentierte NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben das ehrgeizige Ziel ihrer Landesregierung, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Elektrofahrzeuge auf 250.000 zu erhöhen. Bundesweit sollen es nach dem Willen der Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt bereits eine Millionen Vehikel sein, die nur noch mit Strom fahren. Köln soll zu diesem Zeitpunkt 15.000 Elektroautos haben. "Das ist ein entscheidender Beitrag zur Marktreife", ergänzte Dr. Veit Steinle, zuständiger Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium. Tatsächlich sind die Weichen in NRW bereits gestellt. Ende vergangenen Jahres veröffentlichte die Landesregierung im bevölkerungsreichsten Bundesland die Ergebnisse der ersten Wettbewerbsrunde zur Elektromobilität. Dabei ging es um Fördergelder in einer Gesamthöhe von 46,5 Millionen Euro. "Wir wollen schnell und erfolgreich sein. Weitere Projekte sollen kurzfristig folgen", so Thoben mit Hinweis auf die zweite Runde des Landeswettbewerbs, die im dritten Quartal dieses Jahres entschieden wird.
"Wir erleben einen Neustart in die Zukunft der Mobilität", beschrieb RheinEnergie-Vorstand Volker Staufert den Aufbruch in die neue Zeitenrechnung. Diese These unterstützte auch Prof. Ferdinand Dudenhöfer von der Uni Duisburg-Essen. "Die Industrie bewegt sich in großen Zyklen. Dieser wird die Industrie grundlegen verändern", so der Automobilexperte. Als Industriepartner konnte dabei der Kölner Autobauer Ford-Werke GmbH gewonnen werden. Am heutigen Montag stellte Ford den ersten umgerüsteten Transporter der Marke Transit vor das Rathaus. Umgerüstet werden die Fahrzeuge derzeit noch vom britischen Spezialisten Smith Electric Vehicles, ein Unternehmen der ebenfalls britischen Tanfield-Group. Seit 2007 beliefert das Unternehmen den europäischen Markt. In Deutschland stellte der heutige Tag für die Hersteller aus dem Inselreich eine Art Martkeinführung dar. Bis Ende des zweiten Quartals 2010 sollen dann alle zehn Transporter, ein Pritschenwagen der Marke soll den städtischen Abfallwirtschaftsbetrieben AWB zur Verfügung gestellt werden, auf den Straßen der Domstadt rollen. Bei den geplanten Pkw tritt allerdings eine Verzögerung auf. Erst ab Anfang 2011 sollen dann zusätzlich 15 Elektrofahrzeuge als Pkw zum Einsatz kommen. Parallel dazu wird der Stromversorger RheinEnergie bis Ende 2011 ein Netz von 40 Elektrotankstellen eingerichtet haben. Die erste Stromtankstelle des Kölner Versorgers wurde Ende Januar dieses Jahres eingeweiht.
Die verschiedenen Fragen, die sich mit Elektromobilität beschäftigen, sind durchaus vielschichtig. Das weiß auch Oberbürgermeister Jürgen Roters, der auf der heutigen Pressekonferenz bereits angedeutet hat, selbst ein solches Elektrofahrzeug als Dienstwagen testen zu wollen. Am grundsätzlichen Sinn des Projekts ließ das Kölner Stadtoberhaupt keine Zweifel aufkommen. "Elektromobilität in großen Städten ist das Zukunftsthema", so der SPD-Politiker. Auch die Domnstadt will von dem Pilotprojekt profitieren, immerhin hat man sich auch vonseiten der Kommunen ehrgeizige Verpflichtungen auferlegt. So zählt die Domstadt unter anderem zum Bündnis klimafreundlicher Städte, die bis zum besagten Termin im Jahr 2020 den Anteil erneuerbarer Energie auf 20 Prozent ausbauen will. Gleichzeitig soll der Kohlendioxid-Ausstoß um genau ein Fünftel gesenkt werden. Insofern geht es für die Stadt auch um die Frage, inwieweit Elektromobilität bei der Erreichung dieser Ziele seinen Beitrag leisten kann, so Roters weiter.
Mit dem Projekt verfolgen die Partner einen ganzheitlichen Ansatz. Neben der Marktreife der Fahrzeuge, der Batteriekapazitäten und der Infrastruktur soll auch die Akzeptanz von Kunden (Privatleute wie Transportunternehmen) ermittelt werden. Dabei spielt insbesondere der Sicherheitsaspekt eine nicht unwesentliche Rolle. Schon haben die ersten Blindenorganisationen angemahnt, dass ein geräuschloses Fahrzeug für sie eine zusätzliche und neue Bedrohung darstellt. Hinzu kommt, und das ist möglicherweise die wichtigste Einschränkung, der enorme Preis für die Umrüstung auf elektrischen Antrieb. Vor allem die Batterien erweisen sich hier noch als kritischer Faktor. Zwar gibt es schon heute Lösungen, die eine volle Tankladung in 20 Minuten ermöglichen. Die derzeit am häufigsten genutzte Technik benötigt für eine volle "Tankladung" allerdings sechs bis zehn Stunden. Um gerade auf diesem Forschungsgebiet nicht den internationalen Anschluss zu verlieren, müsse man auch hier kräftig zulegen, so der Tenor der Anwesenden. Nach Ansicht von Ford-Werke-Chef Matthes darf ein Elektroauto in der Anschaffung maximal doppelt so viel kosten wie ein konventioneller "Benziner". Und wie weit der Weg bis zum tatsächlichen Marktdurchbruch noch sein kann, verdeutlicht eine andere betriebswirtschaftliche Kenngröße. Nach Aussage von Matthes sind derzeit bei Ford gerade einmal 30 bis 50 Mitarbeiter mit der Forschung, Entwicklung und Wartung der Fahrzeuge beschäftigt. Alleine in Köln beschäftigt der Autobauer jedoch über 17.000 Mitarbeiter. Und auch für die RheinEnergie ist die Welt der Elektrobetriebenen Fahrzeuge keine "Cash Cow". Derzeit gibt es den Strom an den "Tankstellen" der RheinEnerige noch umsonst. Bevor daraus ein tragfähiges und allseits akzeptiertes Geschäftsmodell wird, dürften nach Ansicht des RheinEnergie-Vorstandes noch Jahre vergehen. "Das ist eine hochkomplexe Aufgabe", so Staufert. Möglicherweise ist da der elektrobetriebene Zweiradantrieb schon eher geeignet, sich zum Massenmarkt zu entwickeln, deutete Staufert abschließend an.
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