26. 05. 2012
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Richtfest für ein würdiges Gebetshaus
Wer am heutigen Mittwochmittag gegen 12 Uhr über die Venloer Straße in Höhe der Kreuzung Innere Kanalstraße fuhr, wird sich erstaunt über den Menschenauflauf gewundert haben. Während auf der von der Moschee abgewandten Seite der Venloer Straße die Mitglieder und Sympathisanten der als rechtsradikal eingestuften Formation "pro Köln" mit Transparenten und Schildern ihren Unwillen über die "Großmoschee" zum Ausdruck brachten, fand auf der anderen Seite der Straße das feierliche Richtfest statt. Knapp 200 Gäste waren bei ungemütlicher Winterwitterung zum Ort des Geschehens gekommen, um mit den Initiatoren des Projektes gemeinsam einen weiteren Meilenstein zu begehen. Das Bauprojekt, das mit rund 20 Millionen Euro veranschlagt ist, geht dabei zügig voran und wird voraussichtlich bis zum Spätherbst dieses Jahres fertig gestellt.
Bei den Verantwortlichen der Kölner Politik herrschte denn auch gute Stimmung. Zwar gab es im Vorfeld des Großbauvorhabens einige Kritik an der Informationspolitik des Bauherrn. Aber spätestens seit der Zusicherung bei einer denkwürdigen Veranstaltung in einer benachbarten Schule anlässlich der Offenlegung der Baupläne hatte sich viel geändert. Im Rahmen ihrer Öffentlichkeits-Kampagne hatte der Bauherr Ditib neben einer komplett überarbeiteten Internetseite, diversen Broschüren und der Teilnahme an den alljährlichen Straßenfestivitäten in Ehrenfeld auch einen Informations-Container aufgestellt. Mehrere Tausend Menschen hatten sich dort über das Bauvorhaben informiert. Nun steht der Rohbau, dessen Bauarbeiten nur während des Wintereinbruchs im vergangenen Jahr vorläufig ruhten, und wird zügig weiter ausgebaut.
"Wenn Muslime in Deutschland große oder repräsentative Moscheen errichten, dann ist das ein Zeichen von Normalität; es steht für ihre Hinwendung zu ihrer neuen Heimat. Wer baut, der bleibt. Wer hier in Deutschland, in Köln baut, hat hier ein neues Zuhause gefunden, ein Zuhause, in dem er wohnen, arbeiten und seiner Religion nachgehen möchte", stellte Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters gleich zu Beginn seiner Rede klar. Zwar räumte auch der Chef der Kölner Stadtverwaltung Mängel im Vorfeld ein, insbesondere die Größe der Gewerbeflächen sowie die Höhe der beiden Minarette waren Anlass zu ausgiebigen Diskussionen, nicht nur im Kölner Stadtrat. "Eine wesentliche Aufgabe von Politik und Verwaltung bestand deshalb darin, die Rechte, Interessen und Bedürfnisse aller Bürgerinnen und Bürger im Blick zu haben und sich im Sinne eines friedlichen Miteinanders für Ausgewogenheit einzusetzen", führte Roters weiter aus. Die Moschee ist ein "Haus der Hoffnung, der Wünsche und der Freundschaft. Es ist ein Ort der Menschlichkeit", erklärte Ditib-Bundesvorstand Orhan Bilen. Und auch der türkische Generalkonsul von Köln, Mustafa Kemal Basa sprach von "würdigen Räumen" und einem "wichtigen Zeichen für die Gesellschaft", das mit der Realisierung der Moschee am Ortseingang von Köln-Ehrenfeld gesetzt wird.
Zwar bemühten sich die rund 40 Aktivisten von "pro Köln" redlich, mit Sprechgesängen die Veranstaltung zu stören. Nur hörte man sie am Ort des Geschehens kaum. Auch sonst dürfte die Mobilisierungskraft der Rechtspopulisten eher im Schwinden begriffen sein. Wie sonst üblich, gab es auch am heutigen Mittwoch wieder eine Gegendemonstration vonseiten des DGB und anderer Zivilorganisationen. Und auch die Polizei war mit mindestens zehn Mannschaftswagen vor Ort. Allerdings waren die Gegner des Moscheebaus bereits weg, als die letzten Worte des Richtfestes gesprochen waren. Auch das dürfte ein Zeichen von Normalität sein, der mit der nahenden Vollendung der Moschee Einzug halten wird. Lediglich Gudrun Kleinpaß-Börschel als Mitglied des Beirats und Ex-Oberbürgermeister Fritz Schramma verwiesen auf die Demonstranten aus dem rechtspopulistischen Spektrum. "Schädlich und schändlich" sei das, was da verkündet werde, so der Tenor der beiden Schlussredner. Die offizielle Eröffnung der neuen Moschee ist für Ende 2011/Anfang 2012 geplant, teilten Vertreter der Ditib abschließend mit.


























