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26. 05. 2012
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Spät, aber immerhin: Köln handelt „fair“


20.11.2011 10:12 von:

Schlagwörter: Köln,Transfair,Fairtrade,Fairtrade-Stadt,Kaffee,Bananen,Anuga,Roters,Finke,2011

(ehu) Der Kaffee ist billig. Grabsteine aus Indien auch. Ebenso Rosen im Winter. Billig, weil sie für wenig Geld in Drittweltländern produziert werden, oft genug unter menschenunwürdigen Bedingungen, von Kindern. Das zu ändern hat sich 1992 die „Fairtrade“-Bewegung zum Ziel gesetzt. Aus dem Randthema für eine Minderheit wurde inzwischen ein weltweiter Handelspartner. Immer mehr Menschen machen mit. Und wenn in einer Stadt ganz viele mitmachen, darf die sich „Fairtrade-Stadt“ nennen. Jetzt, endlich, erhielt auch Köln diesen Titel. Die Stadt, von der „Transfair“, inzwischen in Bonn beheimatet, seinen Ausgang nahm.

Transfair-Geschäftsführer Dieter Overath überreichte die Urkunde im Rahmen einer kleinen Feier im Rathaus OB Jürgen Roters die Urkunde. Fünf Kriterien waren zu erfüllen, um diesen Titel zu erhalten. 63 andere deutsche Gemeinden und Städte, darunter auch Düsseldorf, tragen ihn schon, über 1000 Städte weltweit.

Am Anfang stand ein Ratsbeschluss, dann folgte die Steuerungsgruppe "fairer Handel"

Am Anfang steht der Ratsbeschluss, sich um diesen Titel zu bewerben. Dann muss ein Steuerungsausschuss eingerichtet werden: Ihm gehören Vertreter der Stadtverwaltung und Institutionen wie Kirchen, Verbände oder Vereine an, die den „fairen Handel“ vorantreiben und propagieren wollen. „Fairer Handel“ – das heißt, die Produzenten etwa von Kaffee, Tee, Kakao, Bananen, Orangensaft, Textilien, Blumen erhalten für ihre Waren mehr als den jeweiligen Weltmarktpreis.

Der wird in der Regel von globalen Konzernen diktiert und sichert den Erzeugern oft kaum die Lebensgrundlage. Der Aufpreis dagegen ist existenzsichernd, er reicht für gute Ernährung oder Schulgeld. Kinderarbeit ist verboten. Oft genug wird davon auch die Infrastruktur der Dörfer verbessert, etwa Bewässerungsanlagen gebaut. Schließlich wird verstärkt ökologischer Anbau gefördert. Fair gehandelte Ware ist mit dem „Fairtrade“-Siegel gekennzeichnet. Daneben gibt es noch – nach gleichen Kriterien erteilt – das "gepa"-Siegel von der gleichnamigen Organisation gepa.

"Fairtrade" Produkte kaufen ist in Köln in 200 Geschäften möglich

Drittes Kriterium nach Ratsbeschluss und Einrichtung der Steuerungsgruppe ist das Angebot fair gehandelter Waren in Geschäften und Cafés und Gaststätten. Weil sich inzwischen auch Supermarktketten wie Rewe, Kaiser‘s oder Tengelmann dem Handel für eine „gerechtere Welt“ aufgeschlossen zeigen, kann Köln auf 200 entsprechende Geschäfte verweisen – erheblich mehr als die 111, die die Stadt in Relation zu ihrer Größe aufweisen müsste. 55 Cafés und Gaststätten müssten es sein. Hier liegt Köln genau im Soll.

Viertes Kriterium ist, dass auch öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Vereine und Kirchen faire Waren anbieten oder dies zum Thema haben. Auch hier steht Köln gut da. So gibt es in Chorweiler ebenso wie in Holweide einen „Schulweltladen“, bei der Anuga ist Transfair regelmäßig mit einem Stand vertreten. Das Studentenwerk bietet in seinen Cafeterien Fairtrade-Kaffee an. Eine Hochschulgruppe erarbeitet ein „faires“ Konzept für Großveranstaltungen. Der „Tatortverein“, gegründet mit den Kölner TV-Kommissar-Darstellern Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt, hält Verbindung zu Projekten auf den Philippinen.

"Faire Kamelle" schmecken und machen dem Jecken ein ruhiges Gewissen

Selbst der Karneval schaltet zunehmend um. Richtungsweisend das Projekt „Jeckefairsuchung“, das zum Beispiel getrocknete „Mangoaffen“ aus den Philippinen als Wurfmaterial anbietet, Schokotafeln oder Sesamriegel. Besonders Schulen sind hier Kunden. Bei den großen Karnevalsgesellschaften engagiert sich besonders das Reitercorps „Jan von Werth“. Und Christoph Kuckelkorn, als Zugleiter beim Festkomitee Kölner Karneval zuständig für den Rosenmontagszug, will bei den Vertragsverhandlungen mit 80 Vereinen, die beim Rosenmontagszug 2012 mitmarschieren wollen, „gezielt“ für „faire Kamelle“ werben.

Und als Bestattungsunternehmer verspricht er: „Importgrabsteine, die von Kindern geschlagen wurden, sollen in Köln keine Zukunft haben.“ Gewaltigen Nachholbedarf gibt es dafür noch beim 1. FC Köln. Sportdirektor Volker Finke, als Trainer beim FC Freiburg immerhin treibende Kraft fürs Fairtrade-Engagement des Vereins, will sich am Rhein aufs „Anstoßgeben“ beschränken“, schließlich sei er nicht für Catering verantwortlich.

Weil in der Vergangenheit die Medien ausreichend über Fairtrade-Aktionen berichtet haben, wurde auch das fünfte Kriterium für den Titel „Fairtrade-Stadt“ erfüllt. Und weil die Steuerungsgruppe die Stadtverwaltung beauftragt hat, neue Idee für Fairtrade in köln zu entwickeln, dürfte es bald wieder etwas zu melden geben.

Mehr Informationen: www.fairtrade-deutschland.de www.jeckefairsuchung.net







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