26. 05. 2012
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Stasi-Experten sorgen für Ordnung im Kölner Stadtarchiv
(js) "Kölnflocken" tauften die Helfer die ersten Papierfetzen, die vom eingestürzten Stadtarchiv geborgen wurden. Inzwischen nutzt auch Archiv-Direktorin Bettina Schmidt-Czaja diesen etwas respektlosen Ausdruck gegenüber dem zerstörten Gedächtnis der Stadt. Hilfe beim "Flocken"-Puzzle erhofft sie sich nun von einem Computerprogramm. Es soll nach Erfahrungen der Bundesbehörde für Stasi-Unterlagen (BStU) mit dem Fraunhofer-Institut erarbeitet werden. Eine Studie von Beginn dieses Jahres zeige, so Schmidt-Czaja, dass dis möglich sei.
Schon jetzt haben BStU-Mitarbeiter beim Ordnen und Sortieren der Kölner Dokumente geholfen. "Durch ihren Einsatz schaffen wir 13 bis 15 laufende Regalmeter pro Tag statt 8 bis 10", lobt Schmidt-Czaja. Die Berliner haben Erfahrung mit zerschredderten Unterlagen, eben den Stasi-Akten. Das habe den schnellen Blick für Zusammenhänge geschult, beschreibt Hans Altendorf, Direktor bei der Bundesbehörde, die Spezialität seiner Mitarbeiter. Auch habe man einen Blick für die Zuordnung "loser Fotos ohne Aktenverbund". Sie hätten etwa ein Auge für Signaturen, durch die man Zusammenhänge zu anderen Fragmenten herstellen könne, so Schmidt-Czaja.
Computer hilft puzzeln
Immerhin seien so schon per Hand die Papierschnipsel aus 400 von über 15.000 Säcken zusammengefügt worden. Die dabei gemachten Erfahrungen werden nun mit dem Fraunhofer-Institut ausgewertet und sollen als Grundlage für ein Computerprogramm speziell für Stasi-Unterlagen dienen. Dafür muss jedes Papierstück zunächst von beiden Seiten eingescannt werden, ehe es dann "gelesen" und die passenden Gegenstücke gefunden werden können.
Bei den Kölner Fundstücken stellt sich die Sache allerdings komplizierter dar. Zum einen sind sie nicht gleichmäßig zerrissen, sondern verschieden groß und in sehr unterschiedlichen Zuständen. Dann müssen etwa Druck, Schreibmaschine oder Handschriften quer durch die Jahrhunderte unterschieden werden, ebenso Materialien wie Papier oder Pergament. Zudem sind manche Objekte mehrdimensional, von Beschädigungen ganz zu schweigen. Sollte dann das Computerprogramm funktionieren, stünde zumindest ein virtuelles Archiv zur Verfügung – das manuelle Zusammenpuzzeln könnte anschließend erfolgen.
Maschine soll reinigen
Problematisch ist dann noch, dass alle Fundstücke mit alkalischem Betonstaub bedeckt sind. Da könnte eine automatische Reinigungsanlage helfen, mit der Fachhochschule Köln, Abteilung Papierrestaurierung, sei man da auf einem guten Weg. Schmidt-Czaja ist auch optimistisch, die zwei Millionen Euro zusammenzubringen, die das Pilotverfahren für das Computerprogramm kostet.
Zur Zeit sind 85 Prozent der historischen Dokumente aus der Einsturzstelle sicher gestellt. 35 Prozent davon sind schwerstbeschädigt, die Hälfte mittelschwer, der Rest leicht. Bis Ende Februar, hofft die Archiv-Chefin, sei alles geborgen – vorausgesetzt, es kommt keine Frostperiode.


























