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26. 05. 2012
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Steigende Nachfrage nach Schuldnerberatung


15.06.2009 18:56 von:

Schlagwörter: Köln,Verbraucherzentrale,Insolvenzberatung,2009,Zwischenfazit,Verbraucherinsolve

Im Jahr 1999 führte der deutsche Gesetzgeber die Möglichkeit einer so genannten Verbraucherinsolvenz ein. Wie die Verbraucherzentrale Köln am heutigen Montag bekannt gab, beläuft sich die Gesamtzahl aller Erstberatungen auf inzwischen 13.630. In den vergangenen zehn Jahren beriet die Verbraucherzentrale in insgesamt 629 Fällen von privater Verschuldung und erzielte dabei in 144 Fällen eine außergerichtliche Einigung. 258 Mal begleitete und unterstützte die Verbraucherzentrale entsprechende Insolvenzanträge. Dabei habe sich die Zahl der Beratungen im Verlauf der vergangenen zehn Jahren verdoppelt, wie Jutta Büttner von der Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung der Kölner Zentrale erklärte. Die Beraterin ist derzeit die einzige, die solche Insolvenzberatungen durchführen kann. Zwar ist die Existenzberatung in besonders dringenden Fällen sichergestellt, trotzdem fordert die Kölner Verbraucherzentrale zusätzliche Kapazitäten. "Die Anfragen steigen kontinuierlich und die Engpässe der Haushalte werden größer", beschreibt die seit Jahresbeginn amtierende neue Leiterin der Kölner Verbraucherzentrale, Annette Bobbert, die derzeitige Situation. Im Rahmen des seit 1999 geltenden neuen Insolvenzrechts schreibt der Gesetzgeber vor Eröffnung eines solchen Verfahrens zwingend einen Versuch vor, sich mit den Gläubigern außergerichtlich zu einigen. Erst dann darf der Antrag bei einem Amtsgericht eingereicht werden. Seit 2001 besteht überdies die Möglichkeit, die Kosten eines Insolvenzverfahrens (rund 1500 Euro) stunden zu lassen. Die Kosten müssen jedoch im Anschluss abbezahlt werden, Ratenzahlungen sind möglich.

Neben der Verbraucherzentrale gibt es in Köln zahlreiche andere anerkannte Schuldnerberatungsstellen. Insbesondere mit der Änderung der Sozialgesetzgebung im Zuge der sogenannten Hartz-IV-Reformen rückte die Zielgruppe der Arbeitslosen in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die Kölner Verbraucherzentrale ist aber eher im Bereich der Beratung von Berufstätigen aktiv. Hier zeichnet sich aufgrund der derzeitigen Wirtschaftslage eine deutliche Zunahme des Beratungsbedarfs ab, wie Insolvenzberaterin Büttner erläuterte. Ihre Stelle wird jeweils zur Hälfte vom Land NRW und von der Stadt gefördert. Allerdings ist man in der Verbraucherzentrale damit bereits an die absolute Kapazitätsgrenze gestoßen, wie Bobbert erklärte. In vielen nordrhein-westfälischen Gemeinden zeigen sich die Städte deutlich großzügiger in Sachen Schuldnerberatung und der damit verbundenen Unterstützung der ansässigen Verbraucherberatungen. In Köln gibt es dafür mit gleich zwölf Schuldnerberatungsstellen mehr Träger als in den meiste anderen Städten. Der These, dass eine Stabilisierung der Verbraucherinsolvenzen ein gutes Zeichen sei, widersprach die Kölner Leiterin jedoch. "Eigentlich ist ein weiterer Anstieg der Insolvenzen ein positives Zeichen. In Deutschland gelten schließlich drei Millionen Menschen als verschuldet", erklärte Bobbert. Die häufigsten Gründe für ein Abrutschen in die Schuldenfalle sind nach wie vor unverändert. Neben der Hauptursache Arbeitslosigkeit sind es vor allem auch Trennungen von Lebensgemeinschaften sowie Krankheit oder Tod des Lebenspartners. Letzteres führt vor allem bei älteren Personen häufig zu existenziellen Notsituationen. Betroffen sind beispielsweise Witwen, die sich bisher nicht um die Finanzen gekümmert haben. Ein anderer besonders kritischer Fall ist die Heimeinweisung des Lebenspartners oder der Partnerin. Durch die Heimkosten werden zuvor solide wirtschaftende Haushalte auf einmal gefährdet und drohen ebenfalls in die Schuldenfalle abzurutschen. "Das ist manchmal ganz bitter", weiß Büttner. Weil viele Menschen mit Schuldenproblemen sich das ungerne eingestehen, ist der Job einer Insolvenzberaterin häufig sogar fast seelsorgerisch. "Viele Menschen fangen an zu weinen, sind aber auch erleichtert, wenn wir ihnen im Gespräch helfen konnten", so Büttner.

Bei einer landesweiten Kundenbefragung der Verbaucherzentralen erhielten die Verbraucherschützer durchweg positive Rückmeldungen. Das war auch in Köln nicht anders. Auch wenn die Zahl der auswertbaren Fragebögen mit 45 eher gering ist, zeigen die "feedbacks" ein hohes Maß an Zufriedenheit. 88 Prozent der Befragten beurteilten den Erstkontakt zur Schuldner- und Verbraucherinsolvenzberatung als unproblematisch. 93 Prozent der Befragten begrüßten dabei die geleistete Hilfestellung, wie die Initiatoren stolz berichteten. Bei der Beurteilung der Freundlichkeit der Beraterinnen und Berater sogar die Bestnote. Gleiches gilt auch für Hilfeleistungen bei akuten Problemen aufgrund von Verschuldung, wie zum Beispiel Zwangsräumung, Strom- oder Telefonsperrungen. Außerdem zeigte sich eine deutliche Mehrheit besser auf den Gläubigerdruck vorbereitet, nachdem man eine Beratung aufgesucht hatte.







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