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26. 05. 2012
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Stolperstein in Anwesenheit von Enkelin des Nazi-Opfers verlegt


01.12.2010 21:09 von:

Schlagwörter: Köln,Stolperstein,Demnig,Auschwitz,Juden,KZ,Nazi,Knobloch,Patenschaft,Zeugen Jeh

(js) Tiefgefroren war der Boden unter dem Fußweg der Brüsseler Straße. Harte Arbeit für Gunter Demnig und seinen Helfer, als er am Mittwoch vor dem Haus Nr. 104 zwei Stolpersteine einließ. Sie erinnern an das jüdisches Ehepaar Nathan, dass dort wohnte. 1942 wurde es von den Nazis zunächst nach Theresienstadt deponiert, 1944 im KZ Auschwitz ermordet. Das besondere diesmal: Die 65-jährige Enkelin Alisa Iyten der beiden Nazi-Opfer war zu einer kleinen Zeremonie extra aus Tel Aviv nach Köln gekommen. Begleitet wurde sie von ihrem Sohn, den beiden Töchter und ihrem 8 Jahre alten Enkel.

Nur die Söhne konnten emigrieren

Israel Nathan war kaufmännischer Angestellter, erst 1942 hatte er seine zweite Frau Else Lachs geheiratet. Sein Sohn Herbert, 1912 in Köln geboren, konnte noch rechtzeitig 1937 nach Palästina emigrieren. Bis zu seinem Tod betrieb er dort eine Hühnerfarm. "Mein Vater hat mir nie etwas erzählt, und ich habe ihn nie gefragt", bedauerte Alisa Iyten das beidseitige Schweigen in der Vergangenheit. Das übrigens in flüssigem Deutsch. Lediglich dass ihr Vater und ihre Großeltern in Köln gewohnt hatten, wusste sie. Erst nach dessen Tod begann sie mit der Familienforschung und stieß bald auf die Aktion "Stolpersteine" des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Erleichtert wurde der Kontakt, weil das NS-Dokumentationszentrum schon Ende der 1980er Jahre mit Herbert Nathan und dessen Bruder Rudolf – er war nach einem Haft-Aufenthalt im KZ Dachau 1938 nach Schweden emigriert – als Zeitzeugen Kontakt hatte.

"Wir erinnern uns an euch und werden euch nie vergessen", versprach Alisa Iyten. Dem Dokumentationszentrum schenkte sie alte Familienfotos, darunter das bisher einzig bekannte Bild, das Bewohner des damaligen "jüdischen Altersheim" Lützowstraße zeigt, in ihrer Mitte das Ehepaar Nathan. Eins von zwei Altersheimen, in denen während der Ghettoisierung alte und kranke Menschen zwangsweise eingewiesen wurden.

Schon 27.000 Erinnerungssteine in Europa

"Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", ist auch das Motto Demnigs für seine Stolpersteine. Die Messing-Platten lässt er im Pflaster vor den Häusern ein, in denen Opfer der Nazi-Diktatur wohnten: Juden, Roma und Sinti, Kriegsdienstverweigerer, Zeugen Jehovas, Euthanasieopfer, sogenannte "Asoziale", politisch Verfolgte. Auf den Platten stehen nach "Hier wohnte" Name, Geburtsdatum und – soweit bekannt – Todesdatum und -ort.

Einen ersten Stolperstein verlegte Demnig 1997 in Berlin-Kreuzberg – zunächst illegal, später wurde das Erinnerungsmal legalisiert. Auf starken Widerstand stieß er anfangs auch in Köln, wo 2000 alles seinen "richtigen" Anfang nahm. Inzwischen liegen etwa 17.000 Stolpersteine in rund 400 deutschen Orten, dazu noch etwa 10.000 in 100 Orten in zehn europäischen Ländern. Oft wird diese Art der Erinnerungsarbeit auch abgelehnt, so ein Ratsbeschluss in München 2009. Hier berief man sich auf Charlotte Knobloch, damals Vorsitzende des Zentralrats der Juden in Deutschland. Für sie war es "unerträglich", die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, auf denen mit Füßen "herumgetreten" werde. Gehörig Schweiß aufwenden muss, wer die kleinen einzementierten Pflastersteine, auf denen die Messingplatten befestigt sind, herausreißen will. Auch das kommt vor.

Die Stolpersteine in der Brüsseler Straße sind in Köln die Nummern 1.713 und 1.714. Anschließend verlegte Demnig (63) noch je zwei in der Arnimstraße und der Wiethasestraße, alle erinnern an jüdische Bürger Kölns, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.

Weitere Informationen zum Kunstprojekt gegen das Vergessen finden sie im Internet unter: www.stolpersteine.com.







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