Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





26. 05. 2012
Seite drucken

Taucher bergen verschüttete Dokumente


03.01.2011 15:07 von:

Schlagwörter: Köln,Archiv,Taucher,Echolot,Einsturz,Tauchanzug,Deeptec Dive,Schmidt-Czaia,Gewer

(js) Das Echolot-Bild vom Grund der Einsturzgrube am Waidmarkt zeigt ein wirres Steingebirge. Knapp viereinhalb Meter unter dem Wasserspiegel haben sich die Trümmer des Archivs miteinander verhakt. Taucher sollten am heutigen Montag die genaue Lage von Stützpfeilern, Decken- und Fundament-Teilen erkunden. Und das bei Sichtweiten von unter 30 Zentimetern. Was sie im Nass ertasten, soll anschließend helfen, die schweren Betonteile ans Tageslicht zu bringen. Mehr als nur ein willkommener Nebeneffekt der Arbeit: Immer wieder bringen die Taucher auch verschüttete Archivalien aus dem Schlamm nach oben.

"Hier zu arbeiten ist schon etwas Besonderes", sagt Gerret Hochmuth. Der Bautaucher arbeitet sonst in Häfen oder untersucht Brückenpfeiler, kann unter Wasser schweißen und bohren. "Ich wohne selbst in einem denkmalgeschützten Haus, weiß also, was Dokumente bedeuten." Wenn er solche unter dem Schlick findet und nach oben bringen kann, macht ihn das auch ein bisschen stolz. Das er ohne Sicht arbeiten, stattdessen alles erfühlen muss, sei für ihn Routine. Auch die Wassertemperatur von neun Grad empfindet er – wasserdicht in einem beheizbaren Taucheranzug verpackt – als "durchaus angenehm". Ein geheizter Neopren-Taucheranzug hilft ihm dabei. Sorgen bereitet dem 32-Jährigen allerdings das Gewirr der aus den Trümmern ragenden Armiereisen, die er nur ertastet kann: "Ich muss aufpassen, nicht mit meiner Sicherheitslinie darin hängenzubleiben."

Spezialbagger mit 30 Tonnen Tragkraft

Mit zwei Kollegen von der Düsseldorfer Firma "Deeptec.Dive" wechselt er sich regelmäßig etwa alle 30 Minuten ab. Einer taucht, einer kontrolliert die Sicherheitsleine, der Dritte hält den Funkkontakt und notiert, was unter Wasser "kartografiert" wurde. Wenn dieser Schritt beendet ist, werden unter Wasser Löcher in die Betonteile gebohrt. Dadurch werden dann Säule gezogen, an denen die Stücke dann nach oben gehoben werden können. Dafür wird ab Dienstag eigens ein Spezialbagger mit 30 Tonnen Tragkraft eingesetzt. Es ist nicht Aufgabe der Taucher, die Schlitzwand zu untersuchen, deren Beschädigung für den Einsturz des Stadtarchivs und den Tod zweier Menschen verantwortlich sein soll.

Wie lange die Bergearbeiten der Trümmer letztendlich dauern, weiß keiner. Baustellen- und Bergungsleiter Jörg Holzhäuser ist vorsichtig. "Sich da festzulegen, ist vermessen. Wir wissen nicht, wie die einzelnen Teile sich miteinander verhakt haben. Wenn sich ein Teil nicht löst, müssen wir es unter Wasser zerkleinern." Schon jetzt ist der Zeitplan – nicht zuletzt durch die Witterungsbedingungen – etwas in Verzug geraten. Eigentlich sollten die letzten Archivalien Ende Januar geborgen sein, jetzt wird vorsichtig auf Anfang Februar getippt.

Nichts wird weggeworfen

"Wir lassen nichts unversucht, um alles zu bergen, was zu retten ist, um das Gedächtnis der Stadt wieder zu komplettieren", sagt Archiv-Direktorin Bettina Schmidt-Czaia. Sie rechnet allerdings mit einem Verlust von fünf Prozent – doch weggeworfen wird nichts. Die Taucher hätten bis jetzt vor allem Gewerbesteuer-Akten geborgen. Vorsichtig greift sie einen Papierfetzen, der dick mit Schlick bedeckt in einem Korb liegt und entziffert etwas wie "Zollstock 1905". Jedes Fitzelchen Papier wird zunächst vom Dreck befreit, zwischen Spezialfolien luftdicht eingeschlossen und dann schockgefroren. Später kann es dann restauriert werden und wie bei einem Puzzle mit den dazugehörenden anderen Teilen zu einem Ganzen zusammengesetzt werden.







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse