26. 05. 2012
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Vier Kunst-Highlights in der neuen U-Bahn
Die Verantwortlichen kamen aus dem Schwärmen kaum heraus. Auch wenn es nicht "einmalig" sei, ist es etwas ganz Besonderes. In einem europaweiten, zweistufigen Künstlerwettbewerb präsentierte der Bauherr der U-Bahn am heutigen Dienstag die Sieger des Wettbewerbs. Damit wird die Hälfte der insgesamt acht neuen unterirdischen Haltestellen zur Kunst im Öffentlichen Raum. "Das ist ein in sich tragendes und bedeutendes Kunstprojekt", konstatierte der Vorstandsvorsitzende der KVB, Jürgen Fenske. Auch Kölns Kulturdezernent Prof. Georg Quander zeigte sich vom Verlauf des Wettbewerbs und den Ergebnissen beeindruckt. "Das ist ein Bekenntnis zur Kunststadt Köln. Im Rahmen des Wettbewerbs wollten wir den Künstlern so viel Freiheit wie möglich lassen", ergänzte Quander in seinem Statement zur heutigen Präsentation.
Ein Wettbewerb mit Geschichte
Die Geschichte dieses Wettbewerbs und des Vorhabens, die neuen Haltestellen nicht nur attraktiv zu gestalten, sondern sie zugleich als öffentlich zugängliche Orte der Kunst herzurichten, ist fast eine Dekade lang. Knapp ein Jahr nachdem der Stadtrat die KVB als Bauherrn für das Großprojekt Nord-Süd-Stadtbahn bestimmt hat, gab es einen ersten Ratsbeschluss zur historischen Gestaltung der neuen Haltestellen. Es dauerte fast dreieinhalb Jahre, ehe sich der Stadtrat auf einen Kostendeckel in Höhe von 1,75 Millionen Euro geeinigt hat. Der Löwenanteil dieses Etats (1,5 Millionen Euro) war dabei für die eigentliche Kunst vorgesehen. Die restlichen Gelder sollten in den Wettbewerb fließen. Zwischenzeitlich aber hatte der Stadtrat Überlegungen angestellt, wie sich auch zeitgenössische Kunst in die Haltestellen integrieren lasse. Und so wurde aus der Leitidee einer "Zeitreise" dieses Kunstprojekt im öffentlichen Raum. Insgesamt hatten sich 222 Künstler gemeldet, 27 Künstler wurden in einer ersten Auswahlrunde von der Jury zum weiteren Prozedere eingeladen, 13 weitere wurden von der Jury eingeladen. Aus diesen 40 Einreichungen entschieden sich die Jurymitglieder im April 2008 für zehn Künstlerinnen und Künstler, die in die engere Wahl kamen. Auf ihrer zweiten und letzten Sitzung Ende September vergangenen Jahres wurden dann die vier Gewinner ausgewählt.
An der Haltestelle Breslauer Platz wird es – ebenso wie an der neuen U-Bahn-Haltestelle Heumarkt Klangkunst geben. So wurde für den Breslauer Platz der aus Dänemark stammende und in Berlin lebende Künstler Tue Greenfort mit seiner Installation "Neobiota" erkoren. Inspiriert durch die in Köln heimisch gewordenen Halsband-Sittiche sucht der Künstler mit seiner Klanginstallation die Beschäftigung mit der ökologischen Perspektive. Mit moderner Videotechnik soll ein Live-Stream sowie die Geräusche der eingewanderten Vogelart abgespielt werden. Dazu sind drei Standorte vorgesehen, wie die Kunsthistorikerin Barbara Hess erläuterte. Die zweite akustische Kunstinstallation stammt aus der Hand des in Wien ansässigen Künstlers Werner Reiterer. Auch er arbeitet mit einem Klangteppich, der aber ganz anders klingen soll. Reiterer nennt sein Projekt "Geisterzug" und genau so klingt das auch. Wenn es an der Bahnsteigkante ruhig ist, spielen 30 auf verschiedenen Ebenen montierte Lautsprecher eine Sequenz mit Zugansage und anschließenden Fahrgeräuschen eines mit 100 km/h vorbeieilenden Zuges ab. Die Sicherheit steht allerdings an oberster Stelle, wie die Verantwortlichen ausdrücklich betonten.
Die anderen beiden Kunstwerke und ihre Urheber sind visueller Natur. So sieht der Entwurf des ebenfalls aus Wien stammenden Künstlers Heimo Zobernig eine Wandverkleidung in einer Art Fries vor. Folgerichtig heißt seine Arbeit auch "Wandfries". Mit Aluminium-Panelen entsteht ein "Positiv-Negativ-Relief". Der Künstler will damit die "Ingenieursästhetik" bewusst auflösen und so etwas wie "Unsichtbarkeit" herstellen. Letzte im Bunde der Sieger ist die deutsche Künstlerin Katharina Grosse und ihr Kunstwerk "Wandmalerei". Die Idee wurde zwar dargestellt, soll aber tatsächlich nachher individuell an die Elemente des Raumes angepasst werden, wie Jurymitglied Hess erläuterte. Dass ihre Arbeit auf den ersten Blick einer Graffiti-Malerei nicht unähnlich ist, ist möglicherweise auch Ausdruck einer gewissen Sympathie, mit der die Künstlerin die Arbeit der Graffiti-Sprayer beobachtet. Allerdings verzichtet sie bei ihrem Werk sowohl auf Konturen wie auch auf so genannte "tags" als Zeichen der Urheberschaft.
Während die Initiatoren des zweistufigen Wettbewerb (wurde nach den Vorgaben des EU-Rechts ausgeschrieben) die Ergebnisse sowie den ganzen Ansatz in höchsten Tönen lobten, kam vonseiten einiger Anwesender auch Kritik auf. So bemängelte ein Teilnehmer der heutigen Veranstaltung, dass nur vier der acht neuen Haltestellen tatsächlich mit Kunst bespielt werden, der Rest aber nicht. Tatsächlich hatte der Auslober keinerlei Vorgaben gemacht, wie und in welcher Menge die Haltestellen mit Gegenwartskunst ausgestattet werden. In der ersten Auswahlrunde des streng anonym gehaltenen Verfahrens habe das Geld ohnehin keine Rolle gespielt, wie die Organisatorin des Wettbewerb, Gabriele Luz vom gleichnamigen Kommunikationsbüro bestätigte. Kulturdezernent Quander verteidigte denn auch die Entscheidung gegen die aufkommenden kritischen Töne mit dem Hinweis: "Wir wollten nicht etwas, was nur gefällig ist". Und auch KVB-Chef Fenske ist überzeugt, mit dem Kunstprojekt etwas ganz Besonderes gestalten zu können. "Ich kenne derzeit drei große U-Bahn-Projekte in Deutschland. Aber keines hat etwas Ähnliches vor wie wir", so der Vorstandssprecher des Verkehrsunternehmens.
Als erste Fraktion reagierten die Liberalen im Kölner Stadtrat auf die Präsentation. "Politik ist das Bohren dicker Bretter", so der Kommentar des Fraktionsvorsitzenden der Liberalen im Stadtrat, Ralph Sterck. Der Kölner FDP-Politiker dankte dabei auch dem ehemaligen Oberbürgermeister Fritz Schramma, der seinerzeit im Jahr 2006 das "unwürdige Gezerre um die Finanzierung" beendet hatte. Die Kunst im Öffentlichen Raum erhalte so eine "zusätzliche Aufwertung". "Die neuen Haltestellen sind die Visitenkarten für Köln und dürfen nicht zu einfachen Betonröhren im "Pissoirstil" verkommen, wie das in der Vergangenheit häufig der Fall war", so Sterck abschließend.
Am Rande der Veranstaltung rechnete der KVB-Chef mit dem Jahr 2014 als Datum für die voraussichtliche Fertigstellung. Offiziell geht der Bauherr aber immer noch von einer Fertigstellung im Jahr 2013 aus. Bei der Einsturzkatastrophe des Historischen Archivs und seiner Nachbargebäude lief auch die Tunnelröhre mit einer meterhohen Schicht Erdreich und Geröll voll. Ursprünglich sollte das Großbauwerk bereits im kommenden Jahr an den Start gehen.


























