26. 05. 2012
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Was verband den Kanonikus mit seiner Dienstmagd?
(ehu) Kanonikus Jacobus Schoegen war wohl kein angenehmer Zeitgenosse. Seine geistlichen Stiftskollegen von St. Aposteln beklagten sich über mangelnden Respekt. Er hielt die Regeln nicht ein. Vor allem aber: Der Stiftsgeistliche hatte es mit den Frauen. Vielleicht sogar mehr als nur ein Fisternöllchen mit seiner Dienstmagd. Das alles ist in einer Disziplinarakte aus dem frühen 17. Jahrhundert genau festgehalten. Auch sie wurde beim Einsturz des Stadtarchivs vor zwei Jahren begraben, konnte bald geborgen werden und jetzt wurde das Ende ihrer Restaurierung – nun ja– ein kleines bisschen gefeiert.
Zwei Monate lang arbeitete die freie Restauratorin Alexandra Haas daran, den zehn Zentimeter dicken Band wieder herzustellen. Er hatte zwar nur einen leichten Regenschaden, war aber ziemlich deformiert worden. So mussten nach einer gründlichen Reinigung zunächst Schimmel entfernt werden. Dann wurden die Deckel und die 530 Pergamentblätter geglättet, Vorsätze und Fehlstellen ergänzt, der Buchblockrücken neu abgeleimt, Risse geschlossen – immer darauf bedacht, die noch intakte Originalsubstanz zu erhalten. „Es sind auch Fragmente verloren gegangen“, musste die Restauratorin feststellen.
Unklar ist bis heute, wie der Prozess gegen Jacobus Schoegen endete
Warum die auf Latein geschriebenen Prozessakten – Schriftwechsel, Verhöre und andere Protokolle – in eine alte, handschriftliche Mess-Schrift eingebunden wurde, bleibt rätselhaft. Ebenso, was aus Schoegen wurde, entsprechende Dokumente fehlen. Doch gibt sie einen Einblick in das komplizierte Kirchenrecht jener Zeit – und auch in die katholische Kirchenpolitik zu Zeiten des 30-jährigen Kriegs. Denn vor dessen Beginn hatte Köln mit Ernst von Bayern einen strengen Erzbischof (1554–1612) bekommen. Der duldete keine Verletzung des Zölibats – zumindest bei anderen Geistlichen nicht.
Stadtarchiv-Direktorin Dr. Bettina Schmidt-Czaja interessiert an diesen Prozessakten nicht nur der innerkirchliche Konfliktfall, sondern vor allem, was darin über die allgemeinen Lebensverhältnisse dieser Zeit steht. 13.000 Euro kostete die Restaurierung des Buches. Zur Verfügung gestellt wurde das Geld von der extra für diese Aufgaben gegründeten Stiftung Stadtgedächtnis.


























