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26. 05. 2012
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Wettbewerb der Liebesschwüre


12.08.2010 16:44 von:

Schlagwörter: Köln,Hohenzollernbrücke,Vorhängeschloss,Liebe,Volkskunde,Rhein,Ewigkeit,Lifestyl

(js) Größer, dicker, länger – das Motto der Olympischen Spiele scheint in abgewandelter Form auch für den Wettkampf der "Liebesschlösser" auf der Hohenzollernbrücke zu gelten. Ein einfaches Vorhängeschloss reicht schon lange nicht mehr aus, damit sich Paare dort ihre ewige Liebe bekunden können. Je schwerer das Schloss, um so besser. Auch Kabelschlösser finden sich neuerdings dort, sind sie lang genug und ist ausreichend Platz, lassen sie sich zu vielsagenden Herzen formen. Der Wettbewerb um das ausgefallenste und auffälligste Schloss ist im vollen Gange. Buntes Metall landet in der Aufmerksamkeitsliga schon lange nur auf den hinteren Plätzen.

Vor etwa zwei Jahren hängten die ersten Frischgetrauten dort am südlichen Trenngitter zwischen Bahngleisen und Fußweg ihr Schloss auf und warfen anschließend die Schlüssel mit rituellem Schwung in den Rhein, auf dass sie niemand wiederfinde und der Ehebund so ewig halten werde. Eine Sitte, die angeblich aus Rom stammt, sich aber auch in anderen europäischen Städten findet. Nichts Genaues wisse man da nicht, muss selbst Dagmar Hänel, Leiterin der Abteilung "Volkskunde" im Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) zugeben. Doch den Touristen gefällt‘s, sie fotografieren eifrig die glitzernden Metallblöcke. Auch ein Diebspärchen fand gefallen an dem Buntmetall, wurde aber von der Polizei geschnappt, ehe es die Zahl der inzwischen mehrere tausend Schlösser merklich verringern konnte. Und die Bundesbahn als Besitzer der Brücke hat sich inzwischen mit der "Verschönerung" abgefunden. Noch ist die Standfestigkeit des Bauwerks nicht gefährdet.

Eine Welt, in der Individualismus als Lifestyle angesagt ist, scheint nichtsdestotrotz solche verbindenden symbolhaften Handlungen zu brauchen. Inzwischen werden auch schon auf der Brücken-Nordseite die Liebesschwüre angekettet. Selbst Freundschaften müssen hier auf ewig halten. Was aber will uns das Schloss sagen, das durch eine Kette mit einem Gewicht verbunden ist? Wir tragen einer des anderen Last, bis dass der Tod, der Familienrichter oder der Bolzenschneider uns scheidet? Oder ist es schon ein Blick in die Zukunft, wenn der eine zum Klotz am Bein des anderen geworden ist? Frau Hänel, übernehmen Sie!







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