25. 05. 2012
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Wissenschaftler bilanzieren Archäologische Zone
(ehu) Schon vor einem Jahr wurde es auf Vorschlag des Landesbauministerium geplant, jetzt kommt es genau zum richtigen Zeitpunkt: Kölns Kulturdezernent Georg Quander erhofft sich vom wissenschaftlichen Kolloquium zur Archäologischen Zone Rückenwind für das Projekt. In einer Woche muss der Stadtrat über die nötigen Mittel zur Fortsetzung der Ausgrabungen und den Bau des jüdischen Museums entscheiden. Am Mittwoch und Donnerstag diskutieren 80 internationale Experten über die bisherigen Funde und Forschungsergebnisse.
Und da ist seit 2007 einiges unter dem Rathausplatz ans Tageslicht gekommen. Beeindruckend ist nicht nur die Zahl von 250.000 Fundstücken. Darunter sind auch einige überraschende Schätze wie zuletzt ein goldener Ohrring, wohl aus staufer-kaiserlichem Umfeld. Es sind vor allem die vielen kleinen Alltagsgegenstände. Die erlauben zum einen Blick in das Leben des damals dort gelegene jüdische Ghettos, über Essen, Religion und Wissenschaft.
Nach dem Abzug der Römer existierte Köln als "aktive Stadt" weiter
Zum anderen zeigen sie die ununterbrochene Geschichte Kölns als "aktive, besiedelte und bewirtschaftete Stadt von der Römerzeit bis zum Zweiten Weltkrieg", so Projektleiter Sven Schütte. Es ist noch nicht lange her, da ging man davon aus, das mit dem Ansturm der Germanen und dem Untergang des Römischen Reiches auch Köln zumindest vorübergehend als Stadt aufhörte zu existieren.
Dies wird ein Thema des Kolloquiums sein. Ein anderes wird die Geschichte der Synagoge sein, die im Mittelpunkt der Ausgrabungen steht. Ist sie ein direkter Nachfolgebau der ersten – schon 312 urkundlich erwähnten – Synagoge. Diskutiert werden wird über die Untersuchungen der Knochenfunde, aus denen Wissenschaftler koscheres Essen ableiten und damit ein Haus als jüdisches identifizieren.
Den Augen der Archäologen entgeht auch nicht der kleinste Fund
Neugierig werden die Fachwissenschaftler auch auf die Interpretation von über 100 Schiefertäfelchen sein, beschriftet mit hebräischen Literatur- und Schultexten. Gruber verglich diesen Fund mit der Kairoer Genisah, rund 200.000 Schriftstücken, die vor rund 120 Jahren in Kairo in einer Synagoge gefunden wurden. Verantwortlich für all diese Funde ist die gründliche Arbeit der Kölner Archäologen, die selbst das kleinste Stückchen aus der Erde heraussieben. "Das ist Archäologie vom Feinsten", lobte Gruber denn auch, der die Ausgrabungen von Anfang an verfolgt hat.
Er wundert sich allerdings darüber, dass die Kölner so zurückhaltend mit dieser "international bedeutenden" Archäologischen Zone umgehen und dafür und damit werben. Nicht zuletzt aus touristischen Gründen empfiehlt er auch unbedingt den Bau des geplanten Jüdischen Museums. Das Kolloquium tagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Ergebnisse werden anschließend publiziert.


























