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26. 05. 2012
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Zeichnung mit dem Rasenmäher


09.08.2010 13:52 von:

Schlagwörter: Köln,Witthaus,Grüngürtel,Rasenmäher,Bundesrasenschau,Bundesgartenschau,Adenauer,

(js) Die Zeichenstifte von Ralf Witthaus sind – in dieser Reihenfolge – ein Rasenmäher, eine Fräse, ein Freischneider und für die Feinarbeiten ein breiter Rechen. Damit arbeitet er sich seit diesem Montag durch Kölns Inneren Grüngürtel und zeichnet dabei eine gut sieben Kilometer lange, drei Meter breite Linie. Mit dieser vergänglichen Land-Art-Aktion will er die Aufmerksamkeit auf ein Stück wertvolle Natur lenken, will durch neue Konturen neue Sehgewohnheiten herausfordern.

"Bundesrasenschau" nennt der 37-jährige Künstler seine Arbeit. Damit spielt er auf die erste Bundesgartenschau in Köln. Für sie wurde 1957 der heutige Rheinpark gebaut und damit der Innere Grüngürtel ins Rechtsrheinische verlängert worden. Im Linksrheinischen entstand er in den 1920er Jahren unter der Amtszeit des damaligen Oberbürgermeisters Dr. Konrad Adenauer, eine in dieser Art europaweit einmalige Anlage. Im linksrheinischen Süden ist der Gürtel zwischen Luxemburger Straße und Rhein noch sehr lückenhaft, auf der anderen Rheinseite sowieso. Insgesamt reihen sich rund zwölf Kilometer Grünfläche rund um Köln aneinander. Dr. Joachim Bauer vom Kölner Grünflächenamt hofft, dass mit dem Abriss des Großmarkts an der Bonner Straße dort eine Lücke geschlossen werden kann – vielleicht wieder im Rahmen einer Bundesgartenschau.

Mit seinem "ersten Spatenstich" im Rheinpark will Witthaus an diese Geschichte erinnern. Von dort aus will er sich über Innere Kanalstraße, Aachener Weiher und entlang der Aachener Straße bis zur Luxemburger Straße vorarbeiten, dann über den Rhein die kleinen Flecken (z.B. Rheinwiesen und Deutzer Stadtgarten) im Rechtsrheinischen nach Norden biegen. Anfang Oktober soll sich nach 50 Teilabschnitten der Kreis im Rheinpark wieder schließen. Eine Arbeit, die auf Vergänglichkeit angelegt ist, die mit Zerstörung und Heilung spielt. Denn die breite Schneise wird – abhängig vom Wetter vielleicht noch während ihres Entstehens – wieder zuwachsen und dann nur noch in der Erinnerung existieren. Und in einem Katalog, der danach erscheinen wird.

Kunstinteressierten Kölnern sollten Witthaus noch aus dem Jahr 2006 bekannt sein, als er im Vorgebirgspark – ebenfalls mit dem Rasenmäher – die Strecke einer dort vor 40 Jahren geplanten Stadtautobahn nachzeichnete. Eine künstlerische Erinnerungsarbeit, die sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Oeuvre mit Kunst im öffentlichen Raum zieht. Ob sich die Kölner allerdings davon zu einem schonenderen Umgang mit diesem Stück Stadtgeschichte und ihrer grünen Lunge besonders im Bereich Aachener Weiher – Stichwort: die allwochenendlichen Müllkippen – bewegen lassen, darf bezweifelt werden.

Im Vorfeld wurde die temporäre Rasenmäherzeichnung in den zuständigen städtischen Gremien zäh diskutiert, auch daraufhin, ob dies überhaupt Kunst sei. Vor allem die vom Künstler auf 89.000 Euro errechneten Kosten stieß man sich. Schließlich wurde grünes Licht gegeben. "Ja, das ist Kunst", stellte Kulturdezernent Prof. Georg Quander fest. "Die Stadt konnte leider keine finanzielle Unterstützung, wohl aber Technik und Personal zur Verfügung stellen." hat Witthaus seinen Etat "wesentlich reduzieren können". Dazu tragen zahlreiche ehrenamtliche Helfer bei, darunter auch 16 Ford-Arbeiter, die dafür jeweils zwei Tage freigestellt werden.

Regelmäßige Informationen finden sie auch im Internet unter: www.bundesrasenschau.info.







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