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26. 05. 2012
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Deutsche Bahn mag keine Obdachlosen


25.05.2009 18:31 von:

Schlagwörter: Köln,Hauptbahnhof,Gulliver,Deutsche,Bahn,Mietvertrag,Obdachlose,Ehrung,Iffland

aktualisiert: Dienstag, 26. Mai, 16:50 Uhr

(js) Die richtige Feierlaune wollte sich im "Gulliver" nicht einstellen. Das lag nicht an der gestrigen Hitze, sondern vor allem an der Deutschen Bahn AG: Die hat den Ende des Jahres auslaufenden Mietvertrag mit der Überlebensstation für Obdachlose nicht verlängert. Das trübte die Stimmung erheblich, denn eigentlich sollte Karl-Heinz Iffland am Montag Nachmittag "vereinsintern" in Anwesenheit von viel Prominenz aus Politik, Verwaltung und sozialen Institutionen geehrt werden. Der Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Ehrenfeld hatte im April für sein soziales Engagement das Verdienstkreuz am Bande des Bundesverdienstordens der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Iffland war 1983 Mitbegründer des Beratungsbüros "Kölner Arbeitslosenzentrums e.V." (KALZ) und ist bis heute dessen Vorsitzender. 1994 eröffnete er das Lobby-Restaurant "Lore" als Begegnungsstätte und Restaurant für "Berber und Banker", 2001 in einem Bogen unter dem Hauptbahnhof das "Gulliver", das Obdachlosen eine breite Hilfspalette bietet.

Iffland vermutete mit "einem Stück Bitterkeit", dass das "Gulliver" nicht mehr dem Image eines modernen Bahnhofs entspreche, das die Bahn verbreiten wolle. Vor einigen Jahren war schon einmal der Rausschmiss der Bahnhofsmission gescheitert. Bedauernd stellte er fest, dass auch nach dem neuen Masterplan für die Stadt Köln im Zentrum "Sozialprojekte weder standortgemäß noch gewünscht" seien. Möglich sei aber auch, dass man für diesen Raum von einem anderen Mieter mehr Geld verlangen könne. Der Obdachlosenseelsorger des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region warnte davor, "bestehende Strukturen der Obdachlosenhilfe zu zerschlagen". Er habe sich deswegen auch schon an den Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee gewandt. Als "Nebenszenario" habe die Bahn inzwischen den – fehlenden – Brandschutz entdeckt, weshalb der Mietvertrag nicht verlängert werden könne.

Sozialdezernentin Bredehorst lobte die Arbeit des "Gulliver": "Ganz Köln ist stolz darauf." Es sei ein "ganz wichtiger Bestandteil im Gesamtkonzept der Obdachlosenarbeit besonders im Bahnhof. Statt dass – wie in anderen deutschen Städten üblich – zuerst die Ordnungsseite einschreite, schalte man in Köln bei Störungen in Köln zunächst den Sozialdienst ein. "Belästigungen" – wie sich die Verwaltungschefin vorsichtig ausdrückte – etwa von Geschäftsleuten gebe es deshalb in Köln nicht. Dies versuche sie auch immer wieder der Wirtschaft klar zu machen. Ein solches Konzept könne aber nur funktionieren, wenn es vor Ort entsprechende Hilfsangebote gebe. "Wir versuchen, alle Strippen zu ziehen, damit das Gulliver an dieser Stelle bleiben kann", versprach sie und war überzeugt: "Wir treffen uns im nächsten Jahr wieder hier."

Aktualisierung: Dienstag, 16:50 Uhr

Peter Kradepohl, Manager des Hauptbahnhofs, wehrt sich gegen den Vorwurf, dem Bahnhof durch die Nicht-Verlängerung des Mietvertrages zu einem "sauberen Image" verhelfen zu wollen. "Im Vordergrund steht für uns die brandschutztechnische Ertüchtigung der Gewerbeflächen in den Bögen unter den Gleisen. Wir wollen dort frei verfügen können", erklärte er Köln-Nachrichten. "Deshalb wurden auch andere Mietverträge nicht verlängert, für einige Räume an der Südseite gibt es nur kurzzeitige Mietverträge." Als privates Unternehmen müsse er anders reagieren als es etwa ein Staatsunternehmen könne. Er werde aber versuchen, durch einen Runden Tisch mit der Stadt und KALZ als Träger von Gulliver einen Ersatzstandort zu finden. Im Übrigen sei dieses Problem KALZ schon seit drei Jahren bekannt, man habe aber bisher keine Übereinkunft gefunden.







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