26. 05. 2012
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Empörung über Absage des WDR-Kinderfestes am Weltkindertag
Deren Verantwortlichen hatten zuvor angekündigt, dass das für den 20.
September dieses Jahres geplante Taschenlampenkonzert im Rheingarten
nicht stattfinden wird.
Das stimmungsvolle Event findet traditionell am Samstagabend vor dem
eigentlichen Weltkindertag in der Kölner Innenstadt statt. In der
Vergangenheit verwandelten Tausende Kinder mit ihren Taschenlampen die
Domumgebung in ein leuchtendes buntes Lichtermeer. Als Grund für die
kurzfristige Absage nannten die Verantwortlichen des Fernsehsenders die
am gleichen Tag stattfindende Großdemonstration der europäischen
Rechten auf dem Heumarkt. Mehr noch als die Zusammenkunft der Rechten,
die nach eigenen Angaben mit rund 1000 Gästen rechnet, machen sich die
Organisatoren Sorgen um die rund 40.000 Gegendemonstranten, die an
diesem Tag in der Kölner Innenstadt erwartet werden. Man wolle mögliche
Konfrontationen zwischen Demonstranten und den Kindern in der
Innenstadt vermeiden, hieß es vonseiten der Veranstalter. Die Kölner
Polizei bedauerte die Absage am heutigen Mittwoch. "Offensichtlich ist
es uns nicht gelungen, die WDR-Verantwortlichen davon zu überzeugen,
dass sich Kinder und Eltern an diesem Abend sicher fühlen können", hieß
es dazu in einer offiziellen Stellungnahme. Die Behörde habe intensive
Gespräche, insbesondere mit den Organisatoren des Konzertes geführt,
hieß es dazu weiter. Der Leitende Polizeidirektor Michael Temme
bedauerte die Absage daher ausdrücklich.
Kritik von der Kommunalpolitik
„Blamabel und unverständlich“, so die erste Reaktion des Kölner
SPD-Vorsitzenden Jochen Ott. Zwar habe man Verständnis für die Sorgen
der Organisatoren. Es bleibe jedoch Unverständnis über die Entscheidung
der Kölner Polizei, den Rechten den Heumarkt als Demonstrationsort
zuzuweisen. Zunächst hatte die als rechtsextrem eingestufte Formation
„pro Köln“ ihren „Anti-Islamierungskongress“ auf dem Roncalliplatz
abhalten wollen. Nach mehreren Gesprächsrunden hatte die Polizei dem
Veranstalter den Heumarkt als Versammlungsort zugewiesen. In Köln hatte
sich nach Bekanntgabe dieses Vorhabens Widerstand quer durch alle
politischen Parteien geregt. Mit der breit angelegten Protestaktion
„Köln stellt sich quer“ hatten zahlreiche Akteure heftige Kritik am
Kongress und seiner integrationsfeindlichen Ausrichtung geübt. Am
kommenden Montag bereits wird es erste Gegendemonstrationen und
–aktionen gegen das Ansinnen der europäischen Rechten geben. Am
vergangenen Samstag rief die Kölner Bezirksschülervertretung zum
friedlichen Protest gegen Rechts auf. DGB, Linke, SPD und auch die
bürgerlichen Parteien sowie Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma
hatten bereits in der Juni-Sitzung des Stadtrates in einer Resolution
den entschiedenen Widerstand gegen diese Aktion angekündigt. Doch dem
Stadtrat sind in dieser Angelegenheit die Hände gebunden, die Polizei
bestimmt als Landesbehörde über Ort und Zeitpunkt sowie über Auflagen
von Demonstrationen.
Diese Rechtsposition ist auch dem Kölner SPD-Chef bekannt, immerhin steht das Grundrecht der Versammlungs- und
Demonstrationsfreiheit nun mal im Grundgesetz. „Das zeichnet ja
eben den Rechtsstaat aus, den die Rechten bekämpfen“, so Ott in seiner
gestrigen Stellungnahme. Unverständnis äußerte Kölns oberster
Sozialdemokrat gegenüber der Entscheidung der Polizei. Die habe es
nicht gewagt oder bewerkstelligt, „die auf Fremdenfeindlichkeit und
Rassismus zielenden rechten Hetzer an einen Veranstaltungsort außerhalb
der Innenstadt zu verbannen“, kritisierte Ott weiter. Die Kritiker
hoffen, dass trotz der Absage der öffentlich-rechtliche Rundfunksender
seine Veranstaltungen baldmöglichst nachholen wird. Der eigentliche
Weltkindertag findet am darauffolgenden Sonntag im Kölner Rheingarten
sowie auf dem Heumarkt statt. Zwar werden sich die Bühnenbauer etwas
beeilen müssen, aber hier rechnen die Veranstalter mit einem
reibungslosen Ablauf.


























