Wetter

Boersen News





Köln Nachrichten Neu


zum Archiv ->

Köln Nachrichten bei Twitter





26. 05. 2012
Seite drucken

Großbrand: Kritik an offiziellen Stellen wächst


02.04.2008 22:00 von:


Auf die Resultate der Luftmessungen muss die Öffentlichkeit aber weiter warten.
  Demnach hat die Bezirksregierung, die seit dem Jahreswechsel für die der Störfallverordnungen unterliegenden Großbetriebe zuständig ist, 15 Pflanzen- und 20 weitere Bodenproben im Gebiet südlich des Chemiestandorts entnommen. Insgesamt 20 Standorte, zumeist an besonders sensiblen Punkten wie Kindergärten oder Spielplätzen, wurden dabei untersucht, wie die Aufsichtsbehörde mitteilte. Die durchgeführten Luftmessungen vom 26. März werden derzeit noch abschließend ausgewertet, man wolle keine Extrem- sonder nur gemittelte Werte veröffentlichen, hieß es dazu weiter. Bei den Boden- und Pflanzenproben habe es keine Auffälligkeiten gegeben, versicherte die Behörde. Ein unabhängiges Institut hatte die Untersuchungen im Auftrag der Bezirksregierung durchgeführt.

Kritik der Medien zeigt Wirkung

In einem am heutigen Donnerstagabend ausgestrahlten Beitrag der ARD-Sendung Monitor kritisierten die Autoren die unzureichende Informationspolitik der offiziellen Stellen. Auch die Stadt Köln hatte erst gestern offiziell bestätigt, dass es drei auffällige Messungen gegeben habe, wenn auch zwei der kritischen Messungen zu nachtschlafener Zeit gemessen wurden. Die anderen Messungen hatten durchweg Werte von unter zehn ppm Acrylnitril ergeben, ein nach Ansicht von Experten tolerabler Wert, wenn er nur phasenweise auftritt. Die Recherchen der WDR-Autoren hatten jedoch bei eigenen Messungen auch Blausäurewerte oberhalb der empfohlenen Grenzwerte (DFG: 1,9 ppm) ergeben. Blausäure ist ein Abfallprodukt von Acrylnitril. Das Magazin zitiert den Chemiker Prof. Jürgen Rochlitz, der auf die Gefahren durch Blausäure aufmerksam macht. Solche Konzentration sollten in Wohngebieten eigentlich gar nicht auftreten. Allerdings hänge die Schwere der Folgen von der Dauer der Belastung ab. Bei der gestrigen Pressekonferenz der Stadt Köln war Blausäure zumindest kein Thema, auch die Bezirksregierung machte in ihrer offiziellen Verlautbarung von heute keinerlei Angaben zu möglichen Blausäurebelastungen. In einer Eilmeldung am späten Donnerstagabend widersprach die Pressestelle der Stadt Köln der Darstellung des WDR. Bei den erwähnten Messwerten sei der Monitor-Redaktion ein „Übertragungsfehler“ unterlaufen. Angeblich soll die Redaktion der ARD-Sendung davon auch Kenntnis haben, erklärte Stadtsprecherin Inge Schürmann dazu.

Sondersitzung in Dormagen / Kritik von Grünen und CDU

Die Berichterstattung der Medien sowie die jüngsten Erkenntnisse haben auch aufseiten der Politik zu ersten Reaktionen geführt. Die Kritik der Kölner SPD-Ratsfraktion klingt demnach noch halbwegs gedämpft. „Es ist unerträglich, wenn mir von den Bürgerinnen und Bürgern im Kölner Norden der Eindruck vermittelt wird, dass ihnen wichtige Informationen vorenthalten werden“, erklärte die aus dem Kölner Norden stammende Stadtverordnete Dagmar Paffen. Ihr Ratskollege Götz Bacher hat am heutigen Donnerstag in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Ratsausschusses für Umwelt, Gesundheit und Grün zu einer außerordentlichen Sondersitzung des Gremiums am 14. April eingeladen. Dort sollen Experten die Bevölkerung noch einmal mit den Messergebnissen und ihren möglichen Auswirkungen konfrontieren. Die Veranstaltung findet im Vereinshaus Köln-Worringen statt.

Die CDU sieht hingegen das Vertrauen in die offiziellen Stellen „erschüttert“. Auch die Bezirksvertretung wird am gleichen Tag eine Sondersitzung im Kölner Norden gemeinsam mit dem Ausschuss durchführen, bestätigte Bezirksbürgermeister und Ratsmitglied Hans-Heinrich Lierenfeld (CDU). Die CDU-Fraktion erwartet konkrete Lösungsvorschläge und ehrliche Antworten. Insbesondere müssen die „Schwächen in der Kommunikation“ zukünftig vermieden werden. Um das Vertrauen wenigstens in Teilen wiederherzustellen ist „eine transparente Darstellung des Unfallgeschehens, einschließlich der Emissions- und Immissionslage, durch die Verantwortlichen Stellen zu gewährleisten“, erklärten Lierenfeld und der umweltpolitische der CDU-Ratsfraktion Dr. Michael Paul.

Die Partei der Grünen schließlich will die Angelegenheit sogar im Landtag zur Sprache bringen. Deren umweltpolitische Sprecher der Landtagsfraktion der Grünen Johannes Remmel prangerte neben der schlechten Informationspolitik vor allem das Wirrwarr um Zuständigkeiten an. So soll die Bezirksregierung über die Messergebnisse der Stadt nicht informiert worden sein, erklärte Remmel in der Aktuellen Stunde des WDR-Regionalprogramms. „Das Chaos der Behörden muss geklärt werden“, so Remmel. Kern der Kritik ist auch für seine Partei die Frist von über zwei Wochen, bevor die Betroffenen vor Ort über die wirklichen Gefahren des Vorfalls informiert wurden.

Die Bürgerinitiative Kölner Norden hatte bereits vor Wochenfrist Anzeige gegen Unbekannt wegen des Verdachts auf Verstöße gegen die Störfallverordnung sowie gegen mehrere Umweltparagrafen des Strafgesetzbuches erstattet. Ähnliches hatte der BUND NRW e.v. wenige Tage zuvor getan. Beide Klagen sind derzeit anhängig.







Artikel Service



Köln Nachrichten - das topaktuelle Newsportal fü Köln und die Region
Köln Nachrichten - developed with TYPO3 by beuse und beuse