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26. 05. 2012
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Katholikenausschuss: Positive Reaktionen nach Anzeigenschaltung


27.05.2010 19:19 von:

Schlagwörter: Köln,Katholische,Kirche,Kirchenaustritt,Anzeige,Katholikenausschuss,Erzbistum,20

"Schwere Zeiten erlebt die Katholische Kirche. Die Probleme, die sie niederdrücken, sind in ihr selbst verschuldet worden. Unsere Kirche ist in großer Not", so lauteten die ersten und letzten Worte einer Anzeige, mit der die Katholische Laienorganisation im Erzbistum Köln am vergangenen Wochenende in den drei großen Kölner Tageszeitungen um Verständnis, aber auch um eine offene Diskussion unter den Gläubigen warb. Aufgrund immer neuer Enthüllungen zu den Missbrauchsfällen in kirchlichen Einrichtungen und unter Beteiligung von Kirchenmännern sieht sich die Katholische Kirche nicht nur im Rheinland mit einem massiven Vertrauens- und damit auch Mitgliederschwund konfrontiert. Waren es im März etwas mehr als 400, stieg die Zahl der Kirchenaustritt alleine im Kölner Stadtgebiet im vergangenen Monat sogar auf über 500 an. Die Zahl liegen deutlich oberhalb der sonst üblichen Austrittszahlen, manche Kirchengemeinden und Bistümer berichten gar von einer Verdopplung der Kirchenaustritte. "Wir alle sind Kirche und wir wollen sie gestalten und nicht den Kopf in den Sand stecken", erläuterte am heutigen Donnerstag die Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, Hannelore Bartscherer.

In den Tagen seither gab es inzwischen rund 100 Reaktionen in Briefen, E-Mails oder Telefonaten, in denen sich Menschen aus Köln und weit darüber hinaus bei den Vorständen des Katholikenausschusses gemeldet hatten. "Die überwiegende Mehrheit der Rückmeldungen war positiv", so Bartscherer weiter. So habe eine Kölnerin, die vor elf Jahren der Kirche den Rücken zuwandte, sich dazu entschlossen, ihr wieder beizutreten. "Viele wollten nur ihre eigene Geschichte und die Erfahrungen mit der Katholischen Kirche erzählen", so Bartscherer weiter. Viel wichtiger als Neumitglieder zu werben, war den Initiatoren jedoch das Anliegen, diejenigen zu erreichen, die noch Mitglied sind und sich trotzdem verunsichert fühlen. Auch aus vielen Kirchengemeinden gab es Zustimmung und Lob, wie Hans-Hermann Fitzer, Vorstandsmitglied im Katholikenausschuss, bestätigte. Viele Pfarrgemeinden wollen das Thema Kindesmissbrauch und Gewalt an Kindern ohnehin schon seit längerer Zeit thematisch verarbeiten. Bereits im März hatte die Laienorganisation, die rund 420.000 Christen römisch-katholischen Glaubens repräsentiert, eine Stellungnahme zum eigentlichen Thema abgegeben. "Wir werden alles tun, um zu verhindern, dass etwas unter den Teppich gekehrt wird. Die Staatsanwaltschaft muss eingeschaltet und die Öffentlichkeit informiert werden", wiederholte Bartscherer das damalige Bekenntnis des Vorstandes.

Eine Reaktion oder gar Stellungnahme des Bistums blieb allerdings bisher aus. Dort nachzufragen, habe "Charme", räumte Bartscherer. Auch eine gemeinsame Initiative von katholischen Laienorganisationen aus anderen Landesteilen sei eine Anregung, die man gerne weiterverfolgen wolle, erklärte die Vorsitzende der Kölner Laienorganisation auf Nachfrage. An den Grundfesten der Kirche selbst wolle man nicht rütteln und eine Personaldiskussion erst gar nicht anfangen. Trotzdem müsse man alles tun, um das verloren gegangene Vertrauen der Mitglieder in ihre Kirche zurückzugewinnen. Es gab auch negative Rückmeldungen auf die Anzeigenkampagne. So kritisierte ein Anrufer, dass man das Geld lieber armen Kindern und Menschen hätte spenden sollen als es für Zeitungsanzeigen aufzugeben. Ein Zweiter beschwerte sich, dass der Zusatz "römisch" im ersten Satz der Textanzeige fehle. Grundsätzlich aber habe sich die Ausgabe für diese Anzeige gelohnt. Das lag auch nicht am Zeitpunkt der Anzeigenschaltung, schließlich sei das Pfingsfest so etwas wie der "Geburtstag der Kirche", so Bartscherer abschließend.


Linktipp:

4. Mai 2010: Zahl der Kirchenaustritte steigt im April weiter an

1. April 2010: Zahl der Kirchenaustritte erreicht neuen Höchststand


Kommentar

Das Signal des Katholikenausschusses war überfällig, die Aktion notwendig und doch bleiben Zweifel. So entpuppt sich der vermeintliche Befreiungsschlag als isoliertes Element, wo ein grundsätzliches Konzept her muss. Während einige Verantwortliche noch beschwichtigen und kleinreden, fordern andere strukturelle Veränderungen und stellen sogar in öffentlichen Interviews Jahrhunderte alte Rahmenbedingungen, wie etwa das strikte Zölibat in Frage. Da wirkt die Forderung der katholischen Laien fast selbst wie eine fromme Fürbitte.

"Der Fisch riecht vom Kopf her", ist ein viel zitierter Satz, der so manchem Kommunikationsproblem zugrunde liegt, nicht nur in Unternehmen. Solange Geistliche an ihren Posten kleben und ihre Vorgesetzten das wahre Ausmaß selbst dann noch leugnen, wenn die Verdachtsmomente längst in aller Munde und den Abendnachrichten verkündet wurden, wird die Anzeige des Katholikenausschusses nicht mehr bleiben als ein kleiner Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Ein Blick auf andere Akteure mag helfen, die alles entscheidende Frage zu beantworten, wie man verlorenes Vertrauen zurückgewinnen kann. Solange diejenigen, die noch vor wenigen Tagen geleugnet, beschwichtigt und nur äußerst zögerlich zur Aufklärung beigetragen haben, nun brutalstmöglich aufklären sollen, wird es schwer. So ehrenhaft und aufrichtig des Katholikenausschusses auch sein mag, wenn sich der Kopf nicht bewegt, wird das Vertrauen nicht zurückkehren. Es ist den katholischen Laien nicht anzulasten, wenn sich das Kölner Bistum bislang zu diesem Brief nicht geäußert hat. Und es ist ein weiterer Beleg dafür, dass sich trotz der vielen Bekenntnisse bislang wenig geändert hat. Die positiven Reaktionen aus den Pfarrgemeinden zeigen, dass der Gesprächsbedarf der Basis hoch bleibt. Nun sind die Oberen am Zuge.







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