26. 05. 2012
Seite drucken
Kölner Bezirksregierung gibt Ergebnisse der Luftmessungen bekannt
Nach Auswertung der über 500 Einzelmessungen habe eine Erhöhung des
Krebsrisikos von 1:50.000 ergeben, so das Fazit der Aufsichtsbehörde.
Einer der Messschwerpunkte lag demnach rund um den nördlichsten Kölner
Stadtteil Worringen. 175 Messungen wurden alleine im Gebiet der als
besonders belastet geltenden Wohnstraßen Alte Straße, Hackheuser Weg,
Bohlenblechweg, Widdersdorfer Weg und Gohrer Weg, wie die
Aufsichtsbehörde bekannt gab. Hier registrierte man auch die höchsten
Werte. Der Spitzenwert lag bei 10,25 ppm des als krebserregend
geltenden Acrylnitril, gemessen im Zeitraum einer Stunde. Selbst wenn
Menschen zu diesem Zeitpunkt (Nacht von Montag auf Dienstag) Menschen
im Freien unterwegs gewesen wären, müssten sie keine akuten
gesundheitlichen Auswirkungen befürchten, argumentiert die
Bezirksregierung. Allerdings führe die Emissionen der ätzenden Substanz
Acrylnitril zur statistischen Wahrscheinlichkeit um einen zusätzlichen
Fall einer Krebserkrankungen auf 50.000 Bewohner. „Ein individuelles
Risiko lässt sich daraus nicht ableiten“, erklärte die zuständige
Behörde weiter. Wer die Aufforderungen der Feuerwehr an diesem Tag
Folge geleistet hatte, müsse auch langfristig keine gesundheitlichen
Auswirkungen befürchten. Über den gesamten Zeitraum der Messungen (fünf
Tage) lag die durchschnittliche Belastung bei 1,66 ppm. Für Acrylnitril
gibt es keinen offiziellen Grenzwert. Allerdings gibt es zwei
Orientierungswerte (10 und 35 ppm) sowie einen Einsatzwert für
Feuerwehrleute im Einsatz (ab 20 ppm wird eine Atemschutzmaske
angelegt).
Diskussionen im Landtag / Kontroverse um Zuständigkeiten
Unterdessen stand der Brandvorfall im INEOS-Chemiepark auch am heutigen
Dienstag wieder im Fokus kontroverser Debatten. Im Kern geht es um die
zu Beginn dieses Jahres im Zuge der Gemeindereform geänderten
Zuständigkeiten. So unterliegt der Großbetrieb Chemiepark Dormagen seit
dem 1. Januar dieses Jahres der Aufsicht der Bezirksregierung, während
kleinere Betriebe ab sofort von den Kommunen betreut werden. Dies habe
offenkundig zu Zuständigkeits-Wirrwarr geführt, wie Vertreter der
NRW-Opposition im Landtag vermuten. So monierten die SPD- und
Grünen-Mitglieder im Umweltausschuss des Landtags unter anderem, dass
während des Vorfalls keine wirkliche Einsatzzentrale existierte. Auch
die mangelhafte Koordination zwischen den verschiedenen Behörden bei
der Durchführung der Schadstoffmessungen wurde bemängelt. „Es macht den
Eindruck, als ob innerhalb des Zaunes die Bezirksregierung, außerhalb
auf einmal die Kommune zuständig sei“, ließt einer der Kritiker
verlautbaren. Umweltminister Eckhard Uhlenberg will nun den Vorfall in
einer Dokumentation ausführlich darlegen.
Kritik der Betroffenen bleibt / Sondersitzung am 14. April
Auch wenn am heutigen Mittwoch im Umweltausschuss des Landtags bereits
einige Fragen beantwortet wurden, bleiben weitere Unklarheiten. Das
machte auch Rainer Zinkel, Vorsitzender der Bürgerinitiative „Wohnen
und Umwelt“ im Kölner Norden e.V. deutlich. In einem offenen Brief an
den Vorsitzenden des Kölner Umweltausschuss bat Zinkel im Namen seiner
Mitstreiterinnen und Mitstreiter um Antworten auf gleich 25 Fragen. Im
Zentrum der Kritik von betroffenen Anwohnern im Kölner Norden stehen
die Lehren, die aus einem Vorfall gezogen werden. Selbst Kölns
Umweltdezernentin Marlis Bredehorst hatte auf einer Pressekonferenz in
der vergangenen Woche eingeräumt, dass Köln an einer Katastrophe nur
knapp „vorbeigeschrammt“ ist. Neben Fragen zum Hergang und zur Ursache
erhoffen sich die Kritiker auch Antworten auf mögliche Rückschlüsse. So
müsse die Betriebssicherheit der gesamten Produktionsanlage geklärt
werden, deutete Zinkel in seinem Schreiben Forderungen aus den eigenen
Reihen an. Bei seinem Fragenkatalog bezog sich Zinkel schwerpunktmäßig
auf einen Bericht des WDR-Magazins Monitor, der in der vergangenen
Woche ausführlich über die Hintergründe des Brandes berichtete. Obwohl
Stadtverwaltung und Kölner Feuerwehr nicht gänzlich verantwortlich
sind, bestehen auch Unklarheiten bei den Warnungen dieser
Dienststellen. Und schließlich möchte die Bürgerinitiative auch wissen,
ob ein weiterer Ausbau des Chemieparks im Kölner Norden überhaupt
verantwortbar ist. Der Betreiber INEOS hatte Ende vergangenen Jahres
Berichte bestätigt, dass weitere Millionen in neue Produktionsanlagen
investiert werden sollen.
Am kommenden Montag findet im Bürgerhaus Worringen eine Sondersitzung
des städtischen Umweltausschusses statt. Bereits getagt hatte in dieser
Woche die Bezirksvertretung Chorweiler. Doch wie schon bei der
Pressekonferenz in der vergangenen Woche blieben auch am Montag dieser
Woche Vertreter der Kölner Bezirksregierung der Veranstaltung fern. Am
kommenden Montag soll das anders werden.


























