26. 05. 2012
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Kommunikations-Panne in der Schweiz: Wasserwerke bis Köln betroffen
Die Wasserwerke von Basel bis Köln hatten ihre Trinkwasserversorgung aus dem Strom vorrübergehend eingeschränkt. Grund dafür waren Desinfektionsarbeiten an einem Kühlturm des Atomkraftwerks Waldshut am Oberlauf des Rheins. Erst am heutigen Montag können die Wasserwerke wieder auf Normalbetrieb umstellen, berichtete die Tageszeitung Südkurier am Wochenende. Um den Kühlturm des AKW 14 von Legionellen, dem Erreger der Legionärs-Krankheit, zu befreuen, wurden 14 Tonnen der Substanz Kaliumhypochlorit, auch bekannt als "Javelwasser", in den Kühlturm geleitet. Mindestens zwei Tonnen sollen davon ungeklärt in den Rhein geflossen sein, berichtete die Tageszeitung weiter. Kaliumhypochlorit ist ein Bleichmittel, gibt in wässriger Lösung eine gelbgrüne Farbe und reagiert stark alkalisch. In der EU-Gefahrstoffkennzeichnung wird die Substanz in konzentrierter Form als "ätzend" deklariert. In stark verdünnter Form wird "Javelwasser" auch zum Desinfizieren von Schwimmbädern eingesetzt.
Problematisch scheint dabei weniger die gesundheitlichen Folgen denn die Informationspolitik der Schweizer Behörden, allen voran der Schweizer Atomaufsicht ENSI (Eidgenössisches Nuklearsicherheitsinspektorats in Brugg). Die habe zwar die Behörden informiert, nicht aber die Öffentlichkeit. Am Tag vor der Einleitung (27. Juni 2011) ließ dann die Gemeinde Leibstadt die Katze aus dem Sack, am 28. Juni wurde die Basler Hauptwarnzentrale für die Rheinunterlieger über die Desinfizierung informiert, berichtete die Basler Zeitung. Die Internationale Arbeitsgemeinschaft der Wasserwerke im Rheineinzugsgebiet, äußerte ungewöhnlich heftige Kritik. Die Wasserwerke hatten nach Bekanntwerden der Einleitung die Trinkwassergewinnung aus Uferfiltrat vorrübergehend zurückgefahren. Man habe jedoch erst von der Belastung erfahren, als die Substanzen bereits im Fluss waren. Die Maßnahmen der Wasserwerke waren indes rein vorsorglich. Grund dafür ist, dass die Stoffe ("Biozide") schwer nachweisbar sind. Wie die Basler Zeitung weiter recherchierte, war der Befall des Kühlturms mit Legionellen bereits am 11. November 2010 festgestellt geworden. Ende März 2011 soll dann die Behörde ENSI die Federführung der Reinigungsaktion übernommen haben. Die Schweiz hat sich zwischenzeitlich offiziell entschuldigt, die Atomaufsicht ENSI bezeichnete in einer offiziellen Stellungnahme die Kritik als berechtigt und kündigte an, Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen zu wollen.


























