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26. 05. 2012
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KVB: Gutachter präsentiert neue Hinweise auf Einsturzursache


28.06.2010 18:57 von:

Schlagwörter: Köln,KVB,Einsturzkatastrophe,2010,Fundstück,Metallfolie,Lamelle,Schlitzwand,Guta

Ende Mai dieses Jahres fanden die Arbeiter in der Baugrube am Waidmarkt ein verdächtiges Stück Metallfolie mit Betoneinschlüssen. Für Gutachter Ulrich Sieler vom TÜV Rheinland, der von der KVB mit der Begutachtung der Baugrube und der dort befindlichen Beweismittel beauftragt ist, ist dies ein "erhärtendes und ergänzendes Indiz" dafür, dass der Einbau der Lamelle 11 fehlerhaft gewesen ist. Auf die Frage Ratsmitglied Karl Klipper (CDU), ob dies auch als Ursache für den Einsturz gelten kann, antwortete Sieler vielsagend: "Es gibt unterschiedliche Einschätzungen dazu. Aber für die Einleitung des eindringenden Erdreiches würde ich diese Frage bejahen", erklärte der Experte des TÜV. Eine endgültige Klärung dieser Ursache sei aber auch weiterhin nicht möglich, da das Besichtigungsbauwerk erst nach Abtragen der darüber liegenden Schuttschichten errichtet werden kann. Nach Einschätzung von KVB-Vorstandssprecher Jürgen Fenske wird voraussichtlich noch bis Ende kommenden Jahres an Bergungs- und Besichtigungsbauwerk gearbeitet. Das sind zwei der wichtigsten Neuigkeiten, die auf der heutigen Sitzung des Hauptausschusses bekannt gegeben wurden. Sie gehörten zum Tagesordnungspunkt 1, der in regelmäßigen Abständen über den aktuellen Sachstand zum Bau der Nord-Süd-Stadbahn informieren soll. Zwar war die Sitzung öffentlich. Aber außer der Lokalpresse fand sich kein einziger Besucher, der den Neuigkeiten beiwohnen wollte.

Dabei hatte KVB-Chef Fenske noch andere interessante Sachen zu berichten. So kommt auch in Sachen Vorweginbetriebnahme der Nord-Süd-Stadtbahn Bewegung ins Spiel. Noch kurz nach der Einsturzkatastrophe ging die KVB von der Einschätzung aus, die neue U-Bahn könnte bereits mit dem Fahrplanwechsel 2013 den Betrieb aufnehmen. "Diese Einschätzung war wohl zu positiv, wie sich heute zeigt. Dabei sind wir aber in hohem Maße fremdbestimmt", führte Fenske aus. Gemeint ist damit die länger andauernden Arbeiten an der Baugrube. Je länger sich aber die endgültige Inbetriebnahme in die Länge zieht, umso wahrscheinlicher wird auch eine Teilinbetriebnahme von Streckenabschnitten, deren Bauarbeiten bereits weiter fortgeschritten sind. So könnte die Nord-Süd-Stadtbahn von Norden kommend bereits Ende 2012 bis zum Rathaus fahren. Von Süden kommend ist eine Variante einer geänderten Streckenführung über Schönhauser Straße und Severinstraße. Beide Strecken müssten jedoch in ihrer Gleistechnik angepasst werden. Außerdem müssten am Bonner Wall (Südvariante) und unter der Bechergasse (Nordvariante) Gleichwechselbauwerke nachgerüstet werden. Bei der Südvariante erhöhen sich zudem auch die Betriebskosten "in nicht unerheblichem Maße", wie Fenske einräumte. Aber schon die Kosten für die Nachrüstung liegen mit sechs bis acht Millionen Euro für die Nord- und zehn bis zwölf Millionen Euro für die Südvariante auf einem hohen Niveau. "Das sind verlorene Kosten", erläuterte Fenske weiter. Die derzeitigen Planungen gehen inzwischen, so viel ist seit heute offiziell, sogar noch weiter in die Zukunft. Bei optimistischer Betrachtung geht der KVB-Chef inzwischen von einer Inbetriebnahme Ende 2015 aus. Das kann sich aber noch um zwei weitere Jahre verzögern, wie Fenske dem Hauptausschuss heute mitteilte. Für diese Zusatzkosten müsste die Stadt selbst aufkommen. Allerdings werden diese Zusatzkosten aller Wahrscheinlichkeit nicht auf die gesamten Baukosten angerechnet werden, wie Fenske bereits am Rande der heutigen Bilanzpressekonferenz des Stadtwerke-Konzerns bestätigte.

Mit der gefundenen Metallfolie könnte, so erklärte Gutachter Sieler, ein wichtiges Indiz dafür gefunden sein, dass die Versuche der ARGE LOS Süd die Lamelle 11 in die Fuge zwischen den Lamellen 10 und 12 einzulassen. Die Metallfolie, fünf Millimeter dick und 45 Meter lang gehört zu den weichen Bauteilen und hat während der Bauarbeiten zwei wesentliche Aufgaben. Sie sorgt für einen sauberen Abschluss der Lamellen und der Betonnierarbeiten. Zum anderen dient die in der Mitte liegende Fuge dazu, den so genannten "Greifer" zu fixieren und damit für einen passgenauen Einbau zu sorgen. Schon im Februar hatten die Untersuchungen der KVB ergeben, dass im Bereich der Lamelle 11 rund 60 Zentimeter Beton fehlten. Das lag wohl daran, dass man nach dem fehlgeschlagenen Versuch des Einbaus der Lamelle 11 eine andere um rund 60 Zentimeter weniger breite Lamelle zurückgriff. Warum die Metallfolie zerstört wurde, darüber kann Sieler nur spekulieren. So könnte der Greifer der Lamelle 11 die Folie zerrissen haben. Möglich ist aber auch, dass die zwischenzeitlich angeordneten Meißelarbeiten die Folie zerstörten. Eine gesicherte Erkenntnis sei das allerdings nicht. "Es verstärkt die bereits früher geäußerte Vermutung. Wir müssen allerdings die endgültige Klärung abwarten". Auffällig ist außerdem, dass die Abstände zwischen den Lamellen 10 und 12 ungleich sind. Während sie im oberen Bereich noch bei komfortablen 3,45 Meter liegen, waren sie an der nun freigelegten Fundsstelle bereits sieben Zentimeter geringer. Am Fuß, so schätzt Sieler, dürften es lediglich 3,30 Meter sein. Das würde erklären, warum die 3,40 Meter breite Lamelle dort nicht hineinpasste und man stattdessen eine kleinere Lamelle mit einer Breite von lediglich 2,80 Meter einsetzte. Auch wenn eine solche Vorgehensweise aus Sicht des TÜV-Experten nicht völlig unüblich ist, fällt die Vermutung des Experten eindeutig aus. "Das ist ein deutliches Indiz, dass was faul ist", so Sieler abschließend.







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