26. 05. 2012
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Moschee-Bau: Kostenexplosion und Terminverschiebungen
(ehu) „Ich weise diese Aufzählung vermeintlicher Mängel aufs Schärfste zurück. Das ist ja alles ziemlich polemisch“, kommentierte Architekt Paul Böhm die Presseerklärung von Ditib zu seiner Entlassung als Architekt der Zentralmoschee in Ehrenfeld. Nachdem die Ditib als Bauherrin tagelang mit vagen Andeutungen die Trennung begründet hatte, ging sie am Donnerstag den Schritt an die Öffentlichkeit. Mit der ruppigen Art und Weise tat sie sich allerdings keinen guten Dienst: Nur „bautechnische“ Fragen wurden beantwortet, viele nur vage, andere wie zu Vertragsverhältnissen gar nicht erst zugelassen.
Schon im Januar, so Ditib-Sprecherin Ayse Aydin, habe man festgestellt, dass die „mit Herrn Böhm vereinbarten Ziele nicht mehr erreicht werden konnten“. Termine seien „außer Kontrolle“ geraten, die Kosten „explodiert“. Schon damals engagierte die Ditib (Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) ein neues Team für das Baumanagement.
Ditib wirft Böhm vor, er habe weder sie noch die Nachfolgefirmen über Baumängel informiert
Die Sachverständigen der Kölner Arndt plus GmbH stellten dann „zahlreiche“ Baumängel fest, die „vielfach auf Fehler des Architekturbüros zurückzuführen waren“. Im August seien erste Gespräche über eine einvernehmliche Trennung mit Böhm geführt worden. Als diese ergebnislos verliefen, hätte man sich zur Kündigung entschlossen, die vor knapp einer Woche bekannt wurden. Böhm hatte im Vorfeld erklärt, er habe schon zuvor mit seiner Kündigung gedroht.
Als vorderstes Beispiel für die „über 2000 Mängel“ nannte Aydin eine Maßabweichung zwischen den beiden offenen Kuppelhalbkugeln. Diese sei Böhm bekannt gewesen, er habe jedoch weder den Bauherrn noch die Firma informiert, die für die nachfolgende Fassadenverkleidung verantwortlich gewesen sei. Diese habe folglich nicht passende Teile vorbereitet. Folge: Mehrkosten von über 350.000 Euro.
Insgesamt beliefen sich die Mehrkosten „im siebenstelligen Bereich“, verursacht unter anderem durch Farbabweichungen bei den Kuppelschalen, falsch montierte Stahlunterkonstruktionen zur Aufnahme der Glasfassade, aus dem Lot gehende Betonschalen. Vage und ohne weitere Erklärung war auch von einer nötigen Betonsanierung die Rede.
Sachverständige bestätigen, dass die Standsicherheit der Moschee nicht gefährdet ist
Ausführlicher beschrieben wurde die Lagerung der großen Freitreppe auf Gummipolstern statt wie zunächst geplant mit Mörtel. Auch davon sei die Ditib nicht informiert worden, nun wisse man nicht, was eigentlich vereinbart wurde. Zudem seien die Treppenstufen nun nicht lagesicher. Aus alledem zog die Ditib den Schluss, dass das Architekturbüro Böhm der Aufgabe der Bauüberwachung „nicht gewachsen“ sei.
Allerdings, so der sachverständige Statiker Norbert Schmitz, sei die Standsicherheit der Moschee „zu hundert Prozent nicht gefährdet“. Und auch ein Baustopp sei nicht nötig, ergänzte der neue Baumanager als Vertreter des Bauherrn. Allerdings werde es wohl eine Klage auf Schadensersatz gegen Böhm geben.
Mehr als nur ein Nebenschauplatz könnte die Honorarfrage sein. Ditib-Rechtsanwalt Christian Preetz wies darauf hin, dass der Bauherr ein „Zurückbehaltungsrecht gegenüber Architektenhonorarforderungen“ habe, wenn er eigene Schadensersatzansprüche an den Architekten habe. Böhm hatte im Vorfeld erklärt, die Ditib sei bei seinem Honorar im Zahlungsverzug. Besonders missfällt dieser eine zusätzliche Honorarforderung Böhms in Höhe von 250.000 Euro. Er habe bei Weitem weniger geleistet, als er geltend mache, beruft man sich auf eine „sachverständige Bewertung“.
Ex-OB Fritz Schramma sichtlich verärgert über die Informationspolitik der Ditib
Unter den Zuhörern der Pressekonferenz war auch Fritz Schramma. Als damaliger CDU-Oberbürgermeister hatte er sich gegen seine Partei für den Bau der Moschee engagiert. Als Mitglied des Mosche-Beirats, der den Bau des Gotteshauses begleitet, ärgerte er sich besonders darüber, dass der Beirat erst aus der Presse vom Konflikt zwischen Ditib und Böhm erfahren habe. Die Erklärung Aydins, man sei nicht dazu gekommen, ließ er nicht gelten: „Quatsch, über Handy sind wir alle jederzeit zu erreichen.“
Auch mit der aktuellen Informationspolitik zeigte er sich unzufrieden. „Mauern ist keine Art, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Für diesen Auftritt habe ich kein Verständnis. Für mich ist alles offen – das war eine Anklage und keine Beweislage.“ Die nächste Beiratssitzung, an der auch OB Roters teilnehmen wird, soll erst am 10. November sein. Vorher will Schramma mit Böhm sprechen.
Architekt Böhm begründet Kostensteigerung mit Änderungswünschen des Bauherrn
Auch der hofft auch Vermittlung durch Schramma. „Ich will bauen und nicht prozessieren“, sagt er und weist energisch den Vorwurf zurück, er habe Informationen nicht weitergegeben. Zudem hab er immer seriös gearbeitet und alle Mängel beseitigt. Die Kostenexplosion – statt anfänglich 17 Millionen Euro spricht die Ditib jetzt von 34 Millionen – führt er auf Nachforderungen der Baufirmen und Änderungswünsche des Bauherrn zurück. Außerdem seien andere Firmen als von ihm vorgeschlagen beauftragt worden.
In diesem Zusammenhang betont er ausdrücklich, dass er das Urheberrecht auf die Außengestaltung der Kuppel habe, deren Form, Proportionen und Materialität (Rohbeton) sei das Charakteristikum der Moschee. Er reagiert damit auf die Weigerung, bei der Pressekonferenz Fragen nach einer möglichen Umgestaltung zu beantworten.
Finanzierung der Moschee durch Spenden ist noch nicht gesichtert – es fehlen Millionen
In den letzten Tagen war bekannt geworden, dass der Innenraum nach den Vorstellungen des seit August neuen Ditib-Vorsitzenden Ali Dere mit Rücksicht auf die Gläubigen konservativer ausgestattet werden solle als ursprünglich geplant. Mit Deres Amtsantritt ging auch ein Personalaustausch einher. Ditib bestreitet, dass Böhms Kündigung damit in Verbindung steht. Probleme scheint es auch mit der Baufinanzierung zu geben. Bislang sollen erst über neun Millionen Euro durch Spenden zusammen gekommen sein, ließ der Bauherr abschließend durchblicken.


























