26. 05. 2012
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Moscheebau: Rohbauer widerspricht Ditib
In der Auseinandersetzung um angebliche Baumängel am Rohbau der Kölner Ditib-Moschee und die Kündigung des Architekten Paul Böhm Anfang vergangener Woche hat sich nun auch das mit dem Rohbau beauftragte Bauunternehmen Nuha GmbH & Co. KG eingeschaltet. Dessen Inhaber und geschäftsführender Gesellschafter Naim Nuha wandte sich an die Öffentlichkeit, nachdem der Bauherr auch hier ausstehende Zahlungen – diesmal in siebenstelliger Eurohöhe – offenbar seit mehreren Monaten schuldig geblieben ist. Interessanter noch als der auch von Nuha beklagte „Igel in der Tasche“ aufseiten des Bauherrn sind die Einlassungen des Rohbauers zur Kommunikation zwischen Bauherr und den Bauausführenden. Demnach gab und gibt es nach Darstellung des Düsseldorfer Unternehmens ein „erhebliches Informationsdefizit“, das eine Klarstellung aus Sicht des Unternehmens notwendig gemacht habe. Dabei gibt es nach Aussage des Auftragnehmers durchaus Gründe für die Kostenexplosion, die weder in die Verantwortung des Architekten noch die des Rohbauunternehmens fallen.
Wesentliche Streitpunkte sind zum einen – so die Ditib – eine zu dünne Betonüberdeckung der Kuppel. Allein deren Behebung koste Millionen. Zum anderen ist es die Außenfarbe der Kuppel – weiß oder betongrau. das ist hier die Frage. Beide Seiten berufen sich auf die vorliegenden Verträge. Ein unter Umständen mehrjähriger Baustopp zur Beweissicherung kann nicht mehr ausgeschlossen werden.
„Zahlreiche, auch planungs- und zeitrelevante Änderungen wurden schon zu Beginn der Bauzeit durchgeführt, die zu Baustillstandszeiten führten. So wurden zum Beispiel die ehemalige vierteilige Fassade durch ein angereistes türkisches Mitglied der Ditib beanstandet, worauf eine komplette Umplanungen mit statistischer Neuberechnung erforderlich wurde, in dem zwei Schalen gegossen werden mussten“, schrieb der Düsseldorfer Bauunternehmer. So sei auch die vom Büro „Arndt Plus“ abgegebene Expertise in Unkenntnis der tatsächlichen Absprachen zwischen dem Bauherrn auf der einen und den von ihm beauftragten Dienstleister zurückzuführen. Auch sei die von der Ditib beanstandeten Baumängel „aufgebauscht“, weil sich viele Fehler in der Aufstellung wiederholten, argumentierte Nuha. Insbesondere die angeblich zu dünne Betondecke und weitere Baumängel, die zur Aussetzung der Zahlung weiterer Abschlagsrechnungen führte.
Die Ditib und ihr neuer Vorstand haben wiederholt gemeinsam anberaumte Gesprächsangebote ausgeschlagen, so zum Beispiel im März und April dieses Jahres. Bisweilen fanden diese Gespräche bereits auf anwaltlicher Ebene statt, so der Bauunternehmer weiter. Auch sei es ärgerlich, dass ein bis dahin mit der Koordinierung und Informationsvermittlung beauftragter Ansprechpartner aufseiten des Bauherrn „wie vom Erdboden verschluckt“ sei. Der denkwürdige Verlauf der Pressekonferenz in der vergangenen Woche sei für Nuha Ausdruck „fehlender Kommunikationsbereitschaft des Bauherrn“. Unternehmer Nuha vermutet andere als bautechnische Gründe für die Auseinandersetzung. Baumängel hätte man, wie in jedem Projekt vergleichbarer Größe, abarbeiten und so zu einer für alle Seiten gangbaren Lösung managen können. „Hieran bestand aber wohl zu keinem Zeitpunkt ein ernsthaftes Interesse“, schlussfolgert der Düsseldorfer Unternehmer. Nuha habe dazu Rechtsanwälte eingeschaltet und die kommen zu einer eindeutigen Auffassung. Nach Aussage des Unternehmers „bestehen starke Anhaltspunkte im Hinblick auf die Unwirksamkeit der Kündigungen aus wichtigem Grund, was weitere nachteilige finanzielle Folgen für den Bauherrn haben wird“, führte der Unternehmer abschließend aus.
Fazit der Redaktion
Gegenüber der WDR-Lokalzeit kündigte die Ditib seinerseits an, sich im Laufe des heutigen Donnerstag zu den neuerlichen Vorwürfen zu äußern. Architekt Böhm hat unterdessen am gestrigen Mittwoch zu einer Pressekonferenz in der kommenden Woche eingeladen. Dann will auch er sich im Kreise weiterer Beteiligter zu den gegen ihn formulierten Vorwürfe zu äußern. Der Bau der Moschee, eigentlich ein sichtbares Zeichen der Verständigung zwischen den Weltreligionen und den beiden Staaten Türkei und Deutschland, droht nun in einem Rechtsstreit zu versinken, wie verschiedene Medien kommentierten. Derzeit scheinen die Zeichen für eine gütliche Einigung schlecht zu stehen. Dafür scheint in der Vergangenheit zu viel passiert oder eben nicht passiert zu sein, so viel ist dem Schreiben des Rohbauers zu entnehmen.


























