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26. 05. 2012
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Nord-Süd-Stadtbahn: Arge will weiter aufklären


26.02.2010 17:14 von:

Schlagwörter: Köln,Arge,Bilfinger Berger,2010,Pressekonferenz,Details,Nord-Süd-Stadtbahn,KVB,S

"Arbeitsgemeinschaft der Bauunternehmen klärt weiter auf”, so lautete die Überschrift unter der heutigen Presseerklärung zum Bau der Nord-Süd-Stadbahn. Die Arbeitsgemeinschaft der bauausführenden Firmen unter der technischen Federführung des in die Kritik geratenen Mannheimer Baukonzerns Bilfinger Berger hatte zur Pressekonferenz geladen und viele der größeren, überregionalen Medien sowie die gesamte Lokalpresse kamen in den Saal 14 des Kölner Maritim-Hotels. Was sie dort größtenteils zu hören bekamen, waren keine bahnbrechenden Neuigkeiten sondern Aufklärung über technische Details und Zusammenhänge, die bislang zum Herrschaftswissen von Tiefbauingenieuren gehörte. So sind nach Auskunft des verantwortlichen Projektleiters und Geschäftsführers der Arge, Stefan Roth, die Schlitzwände nur bis zur Fertigstellung des so genannten "Rohbaus" eines unterirdischen Haltestellenbauwerk statisch relevant. Danach verlieren sie ihre Bedeutung für die Stabilität des unterirdischen Bauwerks. Weil aber die Bauarbeiten an den meisten Haltestellen des südlichen, rund 3,2 Kilometer langen Tunnelsystems der ersten Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn bereits fertig gestellt sind, müssen die meisten Anwohner und Anlieger nicht mehr mit einer Bedrohung durch Instabilitäten rechnen, so Roth weiter.

Am morgigen Samstag soll aus Sicht der Arge entschieden werden, wann und in welchem Umfang die im Rohbau befindliche Haltestelle geflutet werden soll. Die tiefer gelegenen Räume der U-Bahn in Nord-Süd-Richtung lassen sich dabei durch den bereits abgeschlossenen Einbau des Schotts und den fast fertigen Bauzustand nach Angaben der Arge problemlos fluten und wieder leerpumpen. Laut Aussage der Verantwortlichen seien nicht einmal Verzögerungen bei den Arbeiten an der darüber liegenden "Verteilerebene" zu erwarten. "Am Dienstagmittag können wir bereits mit der Großbetonnage der Verteilerebene beginnen", so die gute Nachricht von Roth. Insbesondere dank der problemlosen Genehmigung eines 24-Stunden-Betriebs an der Baustelle seien die vorbereitenden Arbeiten für diesen Meilenstein schneller vorangegangen als ursprünglich einkalkuliert. Nach dem damaligen Planungsstand sollte dieser Arbeitsschritt eigentlich erst Mitte April erfolgen. Dank des eingebauten Schotts und der zusätzlichen Stahlverstrebungen, die ebenfalls bereits als zusätzliche statische Stabilisierung verbaut ist, sind die Bauwerke nun noch standsicherer als vorher, versicherte der technische Projektleiter weiter. Der kritische Grundwasserpegel von 39,70 Meter NN hängt dabei weniger vom Pegelstand des Rheines sondern von anderen Faktoren ab, betonte Roth. Bislang habe man den kritischen Punkt, an dem man über eine Flutung hätte nachdenken müssen, aber noch nicht erreicht. Ursprünglich sei der kritische Punkt für eine notwendige Flutung des Bauwerks bei über 41 Meter NN. "Wir wollen auf Nummer sicher gehen", erklärte Roth gegenüber Köln Nachrichten diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. Überdies sei man in ständigem Kontakt mit der Kölner Hochwasserschutzzentrale und dessen Leiter, versicherten die Verantwortlichen.

Dr. Jochen Keysberg von Bilfinger Berger, der in seiner Rolle als "Vertreter des Arge-Gesellschafters" auftrat, übte sich erneut in öffentlicher Selbstkritik. "Es ist klar, dass Fehler aufgetaucht sind. Ich fühle Bewunderung und Hochachtung für die Geduld und Sachlichkeit der Betroffenen", räumte Keysberg auf der heutigen Pressekonferenz ein. Mehrfach betonten er und sein Kollege Roth, dass alle Tunnelbauwerke sicher seien. Gleichzeitig versuchten die technischen Verantwortlichen des Baukonsortiums, an dem neben Bilfinger Berger auch noch die Wayss & Freytag Ingenieurbau AG als kaufmännische Leiter sowie die Züblin AG vertreten sind. Keysberg betonte aber auch, dass das Einräumen der Fehler kein Eingeständnis sei. "Wir haben höchstes Interesse an einer Aufklärung der Ursachen, die zum Einsturz des Stadtarchivs geführt haben", so der Bilfinger Berger-Versantwortliche weiter. An Spekulationen darüber, warum rund vier Tonnen Stahlklammern (damaliger geschätzter Verkaufswert insgesamt: 1000 bis 1500 Euro!) gestohlen und weiterverkauft und die Fälschungen der Schlitzwandmessprotokolle damit zusammenhängen oder nicht, wolle er sich aber nicht beteiligen. Das musste Keysberg nach mehrfachen Nachfragen der Journalisten nicht nur einmal betonen. Gerade bei der Frage der gefälschten Protokolle bemühten sich beide Arge-Verantwortlichen, die Bedeutung dieser Messungen zu relativieren. "Die Messungen dienen lediglich dazu, zu schauen, ob die Schlitzwand senkrecht ins Erdreiche eingelassen wird. Dabei gibt es bestimmte Toleranzbereiche", führte Roth aus, mit dem zusätzlichen Hinweis, dass Abweichungen jenseits der Toleranzgrenzen während dieser Bauphase (2004 bis 2006) nicht aufgetreten sind. Auch hier wollten sich die Verantwortlichen nicht zu den möglichen Motiven äußern, warum die eigenen Mitarbeiter identische Messeprotokolle angefertigt hatten.

Trotz der Zusicherung aller Standsicherheit, der angeblichen Überbewertung bestimmte Bauüberwachungsprotokolle und dem zügigen Baufortschritt räumten die Verantwortlichen Mängel bei der eigenen Bauüberwachung ein. Diese Kontrolle habe offenbar nicht lückenlos funktioniert. "Das ist gravierend und darf nicht passieren. Wir haben einen Gutachter damit beauftragt, sämtliche Protokolle noch einmal zu überprüfen, unabhängig von den Gutachtern anderer Beteiligter", so Keysberg weiter. Auch in Sachen Kommunikationspolitik räumten die Verantwortlichen einen Mangel ein. "Wir hätten im Vorfeld mehr Aufklärung betreiben sollen, das hätte sicher geholfen, die Verunsicherung zu unterbinden", erklärte Keysberg auf entsprechende Nachfrage. Zumindest in diesem Punkt hat man inzwischen reagier, wenn auch erst nach den bekannt gewordenen Mängeln. Die Verantwortlichen der Arge hatten dabei offenbar so wenig Zeit, dass sie nicht einmal imstande waren, Visitenkarten für die Öffentlichkeitsarbeiter drucken zu lassen.


Kommentar

Wenn das Vertrauen einmal weg ist, dann ist es tausend Mal schwieriger, dieses wieder herzustellen. Dies mussten die Arge-Verantwortlichen auch am heutigen Freitag erfahren. Schon am Mittwoch hatten sich Keysberg und Roth auf der öffentlichen Informationsveranstaltung der Stadt für die Anwohner und Anlieger der Nord-Süd-Stadtbahn dem geballten Misstrauen der Bevölkerung stellen müssen. Und auch auf der heutigen Pressekonferenz gab es nicht minder bohrende Fragen. Bei näherer Betrachtung bleiben allerdings Zweifel, ob alle Zweifel wirklich angebracht sind. Erneut wurde auch der eigenen Redaktion bewusst, wie wenig Ahnung man eigentlich von solchen Tunnelbauwerken und den damit zusammenhängenden technischen Fragen hat. Und doch ist es Aufgabe der Medien, dies verständlich "ins Hochdeutsche" zu übersetzen. Dabei darf selbstverständlich weder "verkürzt", noch "übertrieben" werden und auf gar keinen Fall darf man etwas "verkehrt verstehen". Letztlich sind es dann doch die Medien schuld.

Angesichts der Tatsache, dass parallel dazu jetzt inzwischen drei Akteure untereinander abgestimmte Presseerklärungen gleichen oder ähnlichen Inhalts absenden und so in einen neuen Wettbewerb der Öffentlichkeits-Offensiven eintreten, mag auf den ersten Blick Anlass zur Hoffnung. Und doch bleiben auch hier Zweifel. Es wirkt eher wie die "Reise nach Jerusalem", jeder der Beteiligten will wohl vermeiden, dass er am Ende ohne Stuhl dasteht. Das Bild der organisierten Hilf- und Verantwortungslosigkeit konnten jedenfalls die Beteiligten nicht aus dem Weg räumen, wohl aber einige sachliche Klarstellungen. Und auch die Frage nach einer möglicherweise unnötigen Hysterie angesichts der Flutungspläne kam auf. Auch wenn jeder der Anwesenden spürte, dass die Verantwortlichen diese Frage gerne mit einem "Ja" beantworten wollten, lautete die offizielle Antwort: "Die Aufklärung und das Durchspielen von Notfallplänen sei wichtig und richtig." In jedem Fall, und dieser Vorwurf bleibt, kommt die Öffentlichkeitsoffensive zu spät. Auch klar ist allerdings, dass Aufklärung nur dann erfolgreich sein kann, wenn der Fragesteller nicht alles Gesagte in Zweifel zieht. So wird sich die Aufklärung in jedem Falle noch hinziehen.







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