26. 05. 2012
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Paul Böhm: „Ditib verbreitet absichtlich falsche Behauptungen“
(ehu) Verschwörungstheorien verzögerten den Bau der Kölner Zentralmoschee. Ditib-Vertreter unterstellten dem Architekten Paul Böhm mit seiner anfänglichen dreiteiligen Kuppel einen Verweis auf die christliche Dreifaltigkeit. Als er daraufhin seinen Entwurf zu vier Kuppelschalen änderte, wurde dies – nach einer aufwändigen Computeraufarbeitung – als heimliches Kreuz gedeutet. Auch dies wurde geändert. So erzählte Martin Amme, im Architekturbüro Paul Böhm als Projektleiter für die Moschee verantwortlich.
Er nahm dies als Beispiel für kostentreibende Änderungswünsche und daraus folgende Verzögerungen, für die allein der Bauherr Ditib verantwortlich sei. Ein weiteres: 19 Monate habe die Ditib allein Baufirmen über die Vergabe der Aufträge verhandelt – „in dieser Zeit erledigen wir ein Großprojekt“. Mit der Begründung, Böhm sei für die Nichteinhaltung von Kosten und Terminen verantwortlich, hatte die Ditib dem Architekten vor wenigen Wochen gekündigt. Außerdem soll er für über 2000 Baumängel verantwortlich sein. Am Mittwoch nahmen Böhm und seine Mitarbeiter dazu Stellung.
Bei den Baumängeln wurde bisweilen doppelt gezählt, kontert ein Böhm-Mitarbeiter
Sie warfen Ditib und dem von ihre beauftragten Gutachter „absichtlich falsche Behauptungen“ vor, um den Vertrag mit ihm kündigen zu können. So sei die Zahl von 2000 Baumängeln, die Ditib Böhm als Kündigungsgrund anführte, ein „bewusstes Aufblähen, um das Konfliktpotenzial zu erhöhen“, so Amme. Dabei handele es sich zum einen um Mängel, die dem Rohbauer und nicht dem Architekten zugeschrieben werden müssten, zum anderen seien es übliche „Rohbaufehler“, deren Beseitigung unter den Begriff „Betonkosmetik“ falle.
Diese „Mängel“ seien etwa Reste der Holzverschalung, die im Beton hängen geblieben seien (33 Mal aufgeführt), 209 Nägel, die nicht entfernt wurden, 193 Kantenabrisse, dazu Poren- oder Kieselnester – manches auch doppelt gezählt, wie Amme mit Fotos des von der Ditib beauftragten Gutachters zeigte. All das sei problemlos und mit relativ wenig Aufwand vor der entscheidenden Abnahme des Rohbaus zu beheben. Normalerweise würden die Fehler pauschal aufgelistet.
Bestritten wurde auch eine zu dünne Betonüberdeckung der Kuppel: „Dazu liegen uns keine Untersuchungen vor.“ Was die 23 Zentimeter Abweichung zweier Kuppelschalung gegenüber dem Plan betreffe, so habe der Rohbauer Abhilfe und Kostenübernahme angeboten. Außerdem müsse der nachfolgende Fassadenbauer grundsätzlich nachmessen, bevor er mit seiner Arbeit beginne.
Wie weiß soll die Moschee werden? Böhm beruft sich auf protokollierte Gespräche mit der Ditib
Einer der wohl spektakulärsten Streitpunkte ist die Außenansicht der Moschee. Der neue Ditib-Vorstand, seit August 2010 im Amt, wünscht sich eine weiß gestrichene Fassade, lehnt das jetzige helle, ungestrichene Betongrau ab. Böhm erklärt dazu, dass man sich in langen, in Protokollen festgehaltenen Gesprächen auf eben diesen Ton geeinigt habe. Man habe sogar einen Betonfachmann hinzugezogen und zahlreiche Musterplatten hergestellt. Nicht zuletzt aus Kostengründen habe man auf Weißzement verzichtet und konnte so ein knappe Million Euro sparen.
Sollte die Kuppel weiß gestrichen werden, sei das ein „künstlerischer Eingriff in Böhms Entwurf“, erklärte dessen Rechtsanwalt Frank Siegburg. In diesem Falle werde man das Urheberrecht geltend machen. Einen Baustopp wolle man nicht ausschließen, doch dies sei eigentlich Sache des Bauherrn, um Beweise für die Baumängel zu sichern. „Doch es wird ja weitergebaut“, wunderte sich Böhm.
Über alle Kostensteigerungen sei mit der Ditib gesprochen worden. Bei der jetzt behaupteten Verdopplung der Kosten von 17 auf 34 Millionen Euro würden Äpfel mit Birnen verglichen. So zähle der Bauherr das Geld dazu, dass für den Bau einer Linksabbiegerspur auf der Venloer Straße aufgewendet werde, dies habe aber nichts mit den eigentlichen Baukosten zu tun, ebenso wenig wie die Ausgestaltung des Gebetsraumes.
Der Architekt will die Moschee zu Ende bauen: "Dazu fühle ich mich verpflichtet"
Zwar habe es mit der Ditib immer wieder lange, auch schwierige Gespräche gefunden, doch habe man immer eine „Lösung, nie einen Kompromiss“ gefunden, betonte Böhm. Erst mit dem neuen Ditib-Vorstand habe sich dies verschlechtert: „Man ging von Anfang an auf Konfrontationskurs.“ Der Architekt will die Moschee jedenfalls zu Ende bauen: „Ich fühle mich der gemeinde und der Stadt Köln verpflichtet.“
Worauf diese Stimmungsverschlechterung beruhe? Zu Vermutungen wolle man sich nicht äußern. Der neue Vorstandsvorsitzender Ali Dere gilt als Vertreter eines konservativen Islam, der den Gläubigen keine allzu moderne Moschee zumuten will. Auch könnten finanzielle Gründe für die Panikmache verantwortlich sein: Spenden brachten bislang kaum die Hälfte der ursprünglichen Baukosten. Mit den vermeintlichen Baumängeln könnte ein möglicher Baustopp erklärt werden.
Ditib-Sprecherin Ayse Aydin weist „jede Spekulation über Zahlungsunfähigkeit entschieden zurück“. Die Mängel seien „gravierend“, außerdem habe das Architekturbüro Böhm in einer kürzlich durchgeführten gemeinsamen Begehung bestätigt, dass von den ursprünglich etwa 2300 gerügten Mangelpunkten weiterhin 1300 Mängelpunkte alleine im Rohbau unerledigt sind. Bei der Farbgebung werde man versuchen, den „ursprünglich geplanten Entwurf von Paul Böhm zu retten“.


























