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26. 05. 2012
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Schlampige Kontrollen beim U-Bahn-Bau auf allen Ebenen


08.03.2010 20:31 von:

Schlagwörter: Köln,U-Bahn,Stadtarchiv,KVB,Walter,Bauaufsicht,Reinartz,Fenske,Nord-Süd-Stadtbah

(js) Fehlende Kontrolle und mangelnde Kommunikation zwischen den verschiedenen Kontrollinstanzen, angefangen von der örtlichen Bauleitung bis zur KVB als Bauherr: Dies scheint beim Bau der Kölner Nord-Süd-Bahn an der Tagesordnung gewesen zu sein. So lässt sich der "unter Vorbehalt" erstellte Bericht über die Bauüberwachung von Gero Walter, Fachanwalt für Baurecht, verstehen. Von der KVB mit dem Gutachten beauftragt, stellte er seine Expertise am Montag Abend der Presse vor. Warum es diese Pannen gab, wollte und konnte er noch nicht sagen. Schon gar nicht wies er sie bestimmten Personen zu oder nannte eine Ursache für den Archiv-Einsturz. Die zum selben Termin erwartete Entscheidung des KVB-Aufsichtsrats über die Zukunft des umstrittenen Technik-Vorstands Walter Reinartz ließ hingegen auf sich warten.

Nach Walter steht zwar fest, dass Vermessungsprotokolle über den Aushub für die Schlitzwände manipuliert wurden. Nicht jedoch, ob dies mit Absicht oder aus Flüchtigkeit geschehen sei. "Die Bauaufsicht hätte dies nicht merken müssen", stellte er klar. Gleiches gelte für den Diebstahl von Eisenklemmen. Dies zu merken, hänge von der Menge des fehlenden Materials ab. In diesem Falle sei die Kontrolle durch den Bauherrn KVB aber "nicht ausreichend" gewesen. Dies treffe auch für die Kontrolle der nicht abgezeichneten Protokolle zu, in denen die Betoniervorgänge für die Schlitzwände festgehalten wurden.

Zu viele illegale Brunnen

Eine eindeutige Schuldzuweisung unternahm Walter bei der Frage der zu viel gebohrten Brunnen – vier waren an der Baustelle Waidmarkt erlaubt, 19 zusätzliche "illegale" waren es kurz vor dem Einsturz des Stadtarchivs. "Hier hat die Arge (das Konsortium aus drei Baufirmen für den südlichen Bauteil, die Red.) ihre Pflicht verletzt", stellte er fest. Nicht verstehen konnte der Baurechtsexperte, warum das zur Kontrolle eingeschaltete Ingenieurbüro Inge PNS zwar nach der wasserrechtlichen Erlaubnis für die zusätzlichen Brunnen fragte, aber nicht nachhakte, als von der Arge keine Antwort kam. Unverständlich für ihn auch, warum das Umweltamt der Stadt die Einhaltung der Genehmigung nicht überprüfte: "Wozu sind Genehmigungen sonst da?"

Spätestens im Dezember 2008, als beim Abpumpen "schlagartig" die erlaubte Wassermenge überschritten wurde – 478.000 Kubikmeter im Monat statt 335.000 – hätte man aufmerksam werden müssen. Das Fehlen der vierteljährlich vorgeschriebenen Meldung sei aber weder der Bezirksregierung noch der Stadt aufgefallen. KVB und Stadt hätten einen Baustopp verfügen können. Es sei aber unklar, ob der Bauherr (KVB) vor dem 3. März 2009, dem Tag des Einsturzes, davon wusste. "Leider" habe es die Arge unterlassen, die unterschiedlichen Setzungen des Stadtarchivs ab Oktober 2008 – zur Straßenseite neun, rückwärts sieben Millimeter – und die "deutlichen Setzungen" Ende Februar 2009 zu messen und zu analysieren. Dies sei nicht die "ureigenste Aufgabe der KVB", so Walter. "Der Bauherr muss nicht kontrollieren", erklärte Rechtsanwalt Stefan Hertig. So sei sie letztlich auch nicht haftungsrechtlich verantwortlich.

KVB-Vorstandsmitglied Jürgen Fenske versicherte abschließend, dass die KVB die Aufklärung der Unglückssache weiter vorantreiben werde, dies sei man der "Stadt und den beiden Toten, die der Einsturz gefordert" habe, schuldig. Auch für ihn sei es unbefriedigend, dass erst vorläufige Erklärungen vorlägen. Aber "wir machen weiter, auch wenn es für die KVB bitter wird."







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